ADB:Herrand von Wildon (Dichter)

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Artikel „Wildon, Herrand von“ von Wu. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 512–513, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herrand_von_Wildon_(Dichter)&oldid=- (Version vom 6. April 2020, 16:15 Uhr UTC)
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Band 42 (1897), S. 512–513 (Quelle).
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Wildon: Herrand v. W., Lyriker und Epiker, urkundlich belegt 1248–1278, ist der Zweite seines Namens aus dem Ministerialengeschlechte der Herren von Wildonie. Dieses Geschlecht, von dessen Stammburg heute noch die Trümmer südlich von Graz am rechten Murufer zu sehen sind, spielte bis zu seinem Erlöschen (im 14. Jahrhundert) eine wichtige Rolle in der Geschichte Steiermarks. Auch Herrand hatte während der bewegten Zeit des Interregnums Gelegenheit genug, in die Geschicke des Landes einzugreifen (s. o. S. 510).

Außer einigen Liedern (von der Hagen, MS., I, 347), die nur in der Art der Naturbetrachtung bisweilen individuelle Züge aufweisen, hat W. vier poetische Erzählungen in der Manier der höfischen Dichtungen verfaßt. Sie sind in einer schlichten und einfachen Sprache geschrieben, zeigen aber schon Spuren des Verfalls und sind sämmtlich von fremden Mustern abhängig. In der Erzählung „Diu getriu frowe“ sticht sich eine Frau ein Auge aus, um vor ihrem Mann, der im Turnier ein Auge verloren hat, nichts voraus zu haben. Das Gedicht berührt sich sehr nahe mit der Erzählung (Daz ouge) eines unbekannten Verfassers. „Der verkêrte wirt“ behandelt das Thema des betrogenen Ehemanns und ist ein Zweig der weitverbreiteten, von Indien ihren Ausgangspunkt nehmenden Novellendichtung. In der Geschichte „von dem blôzen keiser“ wird der hochmüthige Kaiser Gorneus von einem Engel, der, während der Kaiser im Bade ist, dessen Gestalt angenommen hat, zur Demuth zurückgeführt. Dieses [513] Gedicht, sowie die Fabel „von der katzen“, d. i. dem Kater, der der Reihe nach Sonne, Nebel, Wind, Mauer und Maus freien will und dann doch wieder zu seiner Katze zurückkehrt, gehen auf Erzählungen des Strickers zurück. In den beiden letzten Gedichten fehlt es auch nicht an Anspielungen auf die trostlosen Zustände der kaiserlosen Zeit.

Ausgaben von Bergmann (Wiener Jahrbücher d. Litt., 1841, Bd. 95 und 96) und Kummer (Die poetischen Erzählungen des H. v. W. und die kleinen innerösterreichischen Minnesinger, Wien 1880). – Näheres b. Goedeke, Grundriß, 2. Aufl., I, 113 f.
Wu.