ADB:Hildegard von Bingen

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Artikel „Hildegard, Sanct“ von Antonius van der Linde in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 407–408, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hildegard_von_Bingen&oldid=- (Version vom 22. November 2019, 14:45 Uhr UTC)
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Hildegard: Sanct H., ist im Sommer des Jahres 1098 zu Böckelheim in der Grafschaft Sponheim geboren und starb als Vorsteherin des von ihr 1147 gegründeten adlichen Klosters Rupertsberg bei Bingen (die Stelle heißt jetzt Bingerbrück), den 17. September 1179. Ihre Eltern hießen Hildebert und Mechtildis. Diese schickten ihr achtjähriges Kind in das benediktiner Doppelkloster Disibodenberg (Gegend von Kreuznach), wo H. 1136 der Meisterin Jutta nachfolgte. Vom Jahre 1141 an trat sie, die bereits als fünfjähriges Kind die Farbe eines Kalbes im Leibe der Mutter geschaut, auch schriftstellerisch als Seherin, als „die Sibylle vom Rhein“ auf. Ihre zum größten Theil, mit Hülfe von geistlichen Redaktoren, in der Form von „Visionen“ abgefaßten Werke, in denen die „Umarmungen“ des himmlischen Bräutigams und der [408] irdischen Correspondenten gar zu häufig vorkommen, sind folgende: 1) „Liber scivias“ (1141–50); 2) „Liber vitae meritorum“ (1158–62); 3) „Liber divinorum operum“ (1163–70); 4) „Expositiones evangeliorum“ (vor 1157); 5) „Ignota lingua et ignotae litterae“; 6) „Symphonia Harmoniae coelestium revelationum“ (die offenbarte Sprache, Schrift und Musik sind vor 1153 entstanden); 7) „Vita S. Disibodi“ (1170–72); 8) „Vita S. Ruperti“ (1172, beide Vitae sind rein mythisch); 9) „Liber simplicis medicinae“ (1150–57); 10) „Liber compositae medicinae“; 11) „Liber epistolarum et orationum“ (1146–79). Bruchstücke aus diesem ausgedehnten Briefwechsel mit Kaisern, Päpsten und anderen weltlichen und kirchlichen Würdenträgern werden häufig als selbständige Schriften aufgeführt. Das „Speculum futurorum temporum“ ist eine freie Bearbeitung von Hildegardistexten (Pentachronon, 1220) durch den Abt Gebeno von Eberbach. Die „Revelatio Hildegardis de fratribus quatuor mendicantium“ (1255?), und die übrigen Prophezeihungen der H. wider Bettelorden, Flagellanten und Jesuiten, sind Fälschungen. Die bei Denis, Codices mss. theol., Vindobonae 1800 Fol. II. 2. S. 1723–1732 eingehend beschriebene Pergamenthandschrift von Werken des heiligen Hildegard war schon vor 1830 aus der k. k. Hofbibliothek zu Wien verschwunden. Die Benediktiner zu Solesmes (namentlich die Patres Pothier) in Frankreich bereiten eine neue Ausgabe ihrer Werke vor. Eine vollständige Bibliotheca Hildegardiana habe ich zusammengestellt in meinem Buch: Die Handschriften der königlichen Landesbibliothek in Wiesbaden (Wiesbaden 1877), S. 1–96, wo jetzt noch folgendes hinzukommt: Phrophetia sanctae Hildegardis abbatissae. Rescriptio Sancti Odalrici Episcopi, in qua Nicolao Papae de continentia clericorum, non juste sed impie, non canonice, sed indiscrete, tractanti respondit. Epistola M. Johannis Hauerlant – ad M. Ortwinum Gratium Daventrianum. Schluß: Lovanii ex Cubiculo nostro in Porcone Leporina manu. Kalen. Martii Civis Utopiensis excudebat anno reformationis novae sub intersignio chimerae“ (8 Octavblätter, o. J.). – „Fragmenta Prophetiae Stae Hildegardis eorumque Interpretatio“ (Papierhandschrift vom Geistl. Rath J. Zaun in Kiederich). – Rosweyde’s Generale Legenden der Heyligen enthalten einen holländischen Auszug der „Vita S. Hildegardis“ (1181–91).

Luise von Plönnies, Die Legende vom heiligen Rupert. (Gedicht in K. Simrock’s Rheinsagen, Bonn 1841. S. 217 ff.; vgl. sein malerisches und romantisches Rheinland, Leipz. 1845, S. 344; K. Stieler, Rheinfahrt, Stuttg. Fol. o. J. S. 205.) Fr. Böhringer, Die Kirche Christi und ihre Zeugen II. 1. (Zürich 1849.), S. 543–50. (Vgl. Jung Stilling’s Sämmtliche Werke, VIII. Stuttg. 1841, S. 116; Zeitschrift für wissenschaftl. Theologie, II. Jena 1859, S. 351; P. Leop. Janauschek, Originum Cistercensium tom. I. Wien 1877, S. 83; Fr. v. Raumer, Hohenstaufen. III. Ausg. 1824, S. 614; Val. Al. Franz Falk, Heiliges Mainz, Mainz 1877, S. 113, 203, 281.) J. Ph. Schmelzeis, Das Leben und Wirken der H. Hildegardis (Freiburg i. Br. 1879). Eine wissenschaftliche Hildegardisbiographie fehlt aber noch.