ADB:Hilgers, Bernhard Josef

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Artikel „Hilgers, Bernhard Joseph“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 412–414, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hilgers,_Bernhard_Josef&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 01:14 Uhr UTC)
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Hilgers: Bernhard Joseph H., katholischer Theologe, geboren am 20. Aug. 1803 zu Dreiborn in der Eifel, gestorben am 7. Febr. 1874 zu Bonn. Er machte seine Gymnasialstudien zu Düren, seine Universitätsstudien zu Bonn. Nachdem er im Herbst 1827 in Köln zum Priester geweiht worden, war er ein Jahr als Hülfsgeistlicher zu Münstereifel, fünf Jahre als Seelsorger an der Irrenheilanstalt zu Siegburg thätig. Im J. 1834 erwarb er sich in Münster den theologischen Doctorgrad (seine Promotion war die erste seit der Reorganisation der dortigen Academie). Eine Berufung an das Seminar zu Posen lehnte er ab. Er habilitirte sich im J. 1835 als Privatdocent bei der katholisch-theologischen Facultät zu Bonn, und wurde 1840 zum außerordentlichen, 1846 zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte ernannt. Von 1838 bis 1846 war [413] er zugleich Pfarrer von St. Remigius. Außer über Kirchengeschichte und die damit zusammenhängenden Fächer las er auch über das Neue Testament, besonders den Hebräerbrief, früher auch über Dogmatik und Katechetik. – Im October 1870 wurde er von dem Erzbischof Melchers von Köln aufgefordert, die vaticanischen Decrete vom 18. Juli anzuerkennen. Da er sich weigerte, wurde ihm zunächst „die Missio canonica zum Lehren entzogen“, und da nun die Zuhörer ausblieben, mußte er seine Vorlesungen einstellen. Er hat dieselben – lediglich seiner zunehmenden Kränklichkeit wegen – auch später nicht, gleich seinen Collegen, die dasselbe Loos getroffen, wieder aufgenommen. Am 1. April 1871 wurde er von dem Erzbischof suspendirt, am 12. März 1872 excommunicirt; die von ihm und seinen Collegen Knoodt, Langen und Reusch unter dem 16. März veröffentlichte Erklärung, s. bei Friedberg, Actenstücke zum vaticanischen Concil, S. 801. H. verfaßte folgende Schriften: „Ueber das Verhältniß zwischen Leib und Seele, mit besonderer Beziehung auf sittliche Freiheit und Zurechnung“, 1834. „Kritische Darstellung der Häresen und der orthodoxen Hauptrichtungen in ihrer genetischen Bildung und Entwickelung“, 1. Band, 1. Abtheilung, 1837 (nicht fortgesetzt). „Symbolische Theologie oder die Lehrgegensätze des Katholicismus und Protestantismus dargestellt und gewürdigt“, 1841. In der Vorrede sagt er, er habe, im Unterschiede von Möhler, nur die Symbole der betreffenden Confessionen als Quellen benutzt, den Privatschriften der Theologen keine andere Geltung als die des Erläuternden und näher Bestimmenden gewährt; er fügt bei: er sei „sich stets einer leidenschaftslosen Stimmung bewußt gewesen, und er schöpfe eben daher die gute Zuversicht, daß, wenn sich auch in der Schrift seine innige Anhänglichkeit an den Glauben der katholischen Kirche kundgebe, was er allerdings wünsche und hoffe, sich dennoch die anderen Confessionen über den Geist und Ton der Beurtheilung nicht würden zu beschweren haben.“ Eine von dem katholischen Pfarrer J. J. Schumacher zu Köln 1842 veröffentlichte „Theologische Beurtheilung der symbolischen Theologie von Professor H.“ veranlaßte H., in demselben Jahre eine „Beantwortung der von J. J. Schumacher herausgegebenen Beurtheilung etc.“ folgen zu lassen. Von Schumacher erschien dann noch 1842 ein „Sendschreiben an Professor H.“, und der Jahrgang 1843 des Münchener „Archivs für theologische Litteratur“ brachte noch eine ausführliche Kritik (von Dr. Chr. Vosen). – Außerdem hat H. noch zwei academische Programme, „De Gregorii II. in seditione inter Italiae populos adversus Leonem Isaurum excitata negotio“, 1841 und „De Hermetis Trismegisti Poimandro“, 1855, und einige Aufsätze in den in Bonn erscheinenden theologischen Zeitschriften, – „Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie“, 1832 ff., „Katholische Zeitschrift“, 1844–46, und „Vierteljahrschrift für Wissenschaft und Kunst“ 1847–49 (letztere wurde von ihm redigirt) und „Theologisches Litteraturblatt“ 1866 – veröffentlicht. Seine schwache Gesundheit und schmerzliche Erlebnisse, die ihn bei seinem weichen Gemüthe tief verstimmten, – die Verurtheilung des Hermesischen Systems, die damit zusammenhängende Verzögerung seiner Beförderung an der Universität, Kränkungen, die er von geistlichen Oberen und Collegen zu erdulden hatte, – tragen die Schuld daran, daß seine schriftstellerische Thätigkeit nicht ausgebreiteter war. An der Universität genoß er ein sehr großes Ansehen: er wurde zweimal zum Rector, sehr oft zum Mitgliede des Senates gewählt; er war auch von 1843–1872 fast ununterbrochen Mitglied, seit 1855 Director der wissenschaftlichen Prüfungscommission. Diese Aemter verwaltete er mit der größten Gewissenhaftigkeit und mit seltener Gewandtheit. Er war nicht gerade ein hervorragender Gelehrter, aber ein vortrefflicher Docent: seine Darstellung war sehr klar, übersichtlich und anziehend, sein Vortrag elegant und fesselnd. In der Zeit, als er Pfarrer war, war er als Kanzelredner sehr [414] beliebt; später pflegte er Sonntags in der Kapelle des Johannis-Hospitals kurze Homilien zu halten. Eine Auswahl aus diesen wurde nach seinem Tode 1874 nach der Nachschrift einer Zuhörerin durch den Druck veröffentlicht. Eine anschauliche Schilderung von Hilgers’ Persönlichkeit geben die „Erinnerungen an Amalie von Lasaulx, Oberin im Johannis-Hospital in Bonn“, 1878, S. 153 ff. „Ein frommer Christ, ein guter Katholik, ein warmer Preuße, ein guter Geschäftsmann, umsichtig, milde und fest“, so charakterisirt ihn dort Cl. Th. Perthes, und in der Grabrede wird gesagt: „Er war wie der persönliche Friede der Confessionen. Ohne im geringsten seinem katholischen Standpunkte etwas zu vergeben, hatte er den Ruhm erlangt, daß seine Menschenfreundlichkeit und Besonnenheit allen Menschen kund geworden. Es gab eine Zeit, wo in der Stadt Bonn wol kein Mann allgemeiner geachtet war“.

Nekrolog im Deutschen Merkur 1874, Nr. 7.