ADB:Hohenlohe, Philipp Graf von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hohenlohe, Philipp Graf von“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 693–694, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hohenlohe,_Philipp_Graf_von&oldid=- (Version vom 25. September 2021, 06:06 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Kraft zu Hohenlohe
Band 12 (1880), S. 693–694 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Philipp (Hohenlohe-Neuenstein) in der Wikipedia
GND-Nummer 136169929
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|12|693|694|Hohenlohe, Philipp Graf von|Pieter Lodewijk Muller|ADB:Hohenlohe, Philipp Graf von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136169929}}    

Hohenlohe: Philipp Graf v. H., Freiherr zu Langenburg, niederländischer General, geb. am 17. Februar 1550, ein jüngerer Bruder des Grafen Wolfgang, der eine Schwester Wilhelms von Oranien geheirathet hatte und zu dessen Freunden und Rathgebern in Deutschland gehörte, auch mehrmals als Vermittler in die niederländischen Wirren eingriff, kam 1575 nach Holland, um seinen Degen dem Prinzen und dem Protestantismus zu widmen, der erste deutsche Fürst, der sich in holländischen Dienst begab. Von Oranien freudig aufgenommen, ward er wol des Mangels an erfahrenen Obersten wegen sogleich mit der Vertheidigung der Südgrenze betraut, gegen Brabant hin. Hierbei gelangen ihm mehrere Unternehmungen gegen die Spanier, namentlich die Eroberung Geertruidenbergs; 1577 wußte er auch das wichtige Herzogenbusch durch Capitulation auf der Staaten Seite zu bringen. Von Oranien als sein Generallieutenant in Holland angestellt, blieb er der Höchstcommandirende in dem nördlichen Theile der Niederlande und spielte als solcher eine Rolle im kleinen Kriege, welcher sich seit dem Verrath des Grafen Renneberg, des Statthalters von Friesland und Gröningen, daselbst entspann. Ein kühner Reiterführer, aber ohne Kenntnisse, ohne wirkliche militärische Befähigung, dabei dem Trunk wie so viele seiner damaligen Standesgenossen stark ergeben, nur ausgezeichnet durch seine Treue und seinen Eifer, kämpfte H. meistens unglücklich. Zwar gelang es ihm den Bauernaufstand in Drenthe zu besiegen und auch Zwolle an der staatischen Seite zu erhalten. Doch gleich nachher, 17. Juni 1580, ward sein kleines Heer vollständig vom Obersten Schenck bei Hardenberg geschlagen, was die Aufhebung der Belagerung Gröningens von Seiten der Niederländer zur Folge hatte. Nicht besser erging es ihm später bei Bourtange gegen Renneberg, dem er im August eine Schlappe beigebracht. Doch raffte er seine Truppen wieder zusammen und führte bis zum J. 1584 in den Nord- und Ostprovinzen mit wechselndem Glücke und endlosen Zänkereien mit den Behörden das Commando. Als Oranien gefallen war und die Staaten dem 17jährigen Moritz einen militärischen Mentor beizugeben wünschten, übernahm er wieder den Befehl. Als Generallieutenant nahm er Theil an den Versuchen zum Entsatze Antwerpens, blieb auch mit dem Befehl unter Leicester betraut, mit dem er jedoch schon früh, im J. 1586, in erbitterten Streit gerieth. Der hochfahrende Generalgouverneur haßte fast Niemand in Holland so tief und aufrichtig als den „Hollock“, wie die Engländer H. nannten, so wie die Franzosen d’Olack sagten. So gering seine militärischen Talente eigentlich geschätzt zu werden verdienen – er war nur ein Parteigänger und Haudegen – so war seine Stütze doch den Staaten nicht ohne Nutzen. [694] Um ihn sammelten sich alle Leicester feindlichen Obersten, alle die alten oranischen Parteigenossen. Nach Leicester’s Abreise fuhr er fort unter Moritz seine alte Stelle zu versehen, doch an dessen wissenschaftlicher Kriegführung nahm er nur selten Theil, 1599 zum letzten Male. Zwei Jahre zuvor hatte er sich mit dem Prinzen verschwägert und dessen einzige Schwester, die Tochter Anna’s von Sachsen, Marie, heimgeführt, als deren Ehemann er die Grafschaft Büren verwaltete. H. starb kinderlos 1606.

Vgl. Motley, History of the United Netherlands. Wagenaer, Vaderlandsche Historie und die gewöhnlichen Quellen. Auch die Archives de la Maison d’Orange.