ADB:Jäger, Georg von

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Artikel „Jäger, Georg von“ von Johann Josef Hermann Schmitt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 621–623, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:J%C3%A4ger,_Georg_von&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 15:34 Uhr UTC)
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Jäger: Dr. Georg von J., Lyceal- und Gymnasialrector in Speier, ein hervorragender Schulmann, wurde am 8. März 1778 zu Düsseldorf geboren als der Sohn einer schlichten Bürgerfamilie. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt bis 1797 und widmete sich dort auch den philosophischen Studien 1797–1799. Da Düsseldorf damals zu Pfalz-Baiern gehörte, so führte ihn sein Lebensweg nach Heidelberg, einer damals gleichfalls noch pfälzisch-bairischen Stadt, wo er 1799 katholische Theologie im Clericalseminar studirte. Doch die Kriegsstürme jener Revolutionszeit vertrieben ihn aus Heidelberg, und J. suchte und fand ein anderweitiges Unterkommen als Hofmeister bei einer adeligen kurpfälzischen Beamtenfamilie zu Neckarschwarzach im Odenwald, welche in Beziehung mit dem aus Heidelberg stammenden späteren Fürsten und Feldmarschall v. Wrede stand, der die Anstellung Jäger’s in bairischen Diensten bewirkte. So wurde J. 1804 Professor und Rectoratsverweser an dem neu organisirten Gymnasium in Kempten und 1817 Gymnasialrector daselbst. Am 8. October 1817 wurde er in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium in Speier versetzt, wo man seiner fachkundigen und energischen Hand ebenso bedurfte wie vorher in Kempten. Unter der französischen Herrschaft und der darauffolgenden Zwischenregierung war das höhere wie das niedere Schulwesen in der Pfalz gänzlich verwahrlost, hier war ein Mann wie J. am Platze, der fein und gebildet und thatkräftig zugleich mit scharfem Blick überall die Schäden erkannte und zugleich zu beseitigen verstand. Als geborner Rheinländer paßte er für die Pfalz und die lebhafte pfälzische Bevölkerung, der sein aristokratisches Wesen imponirte. Unter seiner Leitung blühte das Gymnasium Speier rasch empor, und wenn irgendwo, so war am Gymnasium Speier, mit dem ein Lyceum für die philosophischen Studien verbunden war, ein tüchtiger Rector nöthig, besonders da die Pfalz damals nur 2 Gymnasien (heute 6!) hatte, Speier und Zweibrücken, von denen das erstere das weit besuchtere war und in den obersten Classen gegen 50 Schüler zählte; ihrer Stellung nicht gewachsene Lehrer oder gar derartige Vorstände können da großes Unheil anrichten. Die Vorzüge Jäger’s wurden bald allgemein bekannt sowol oben wie unten, und deshalb wurde ihm bald die Leitung des ganzen pfälzischen Schulwesens übertragen und J. erlangte eine Stellung, wie sie in der Pfalz und selbst in Baiern kein Schulmann je mehr erlangt hat. Da die Umbildung und Neugestaltung der pfälzischen Volksschule sich als nöthig erwies, wurde ihm schon 1817 die Bezirksschulinspection Speier übertragen. 1827 erhielt er das Correferat über katholische und gemischte Schulangelegenheiten bei der kgl. Regierung der Pfalz. Das confessionell-gemischte Schullehrerseminar in Kaiserslautern, das damals einzige in der Pfalz, war ihm unterstellt, und er leitete viele Jahre die beschwerlichen Aufnahme- und Abgangsprüfungen der Zöglinge. 1824 erhielt er vom König den Rang eines Universitätsprofessors, eine Anerkennung seiner Verdienste, wie sie damals in Baiern einzig war. 1830 erhielt er den Titel eines kgl. Hofrathes, welche Auszeichnung damals nur den ersten Universitätsprofessoren, den Größen in ihrem Fache, zu theil wurde. 1832 wurden die Kreisscholarchate errichtet, und J. wurde der erste Kreisscholarch der Pfalz. 1842 feierte das Gymnasium Speier das Fest seines 25jährigen Bestehens und zugleich das 25jährige Rectoratsjubiläum Jäger’s. Die alte pfälzische Universität Heidelberg sandte J. aus diesem Anlasse das Diplom eines Doctors der Philosophie, [622] die Stadt Speier ertheilte ihm das Ehrenbürgerrecht für sich und seine Nachkommen, und der König Ludwig I. verlieh ihm nachträglich das Ritterkreuz des Verdienstordens vom hl. Michael 1. Classe. Daß J. in den Stürmen der Jahre 1848/49, von denen ganz besonders die Pfalz heimgesucht wurde, seinem Könige treu blieb und jenen unklaren Umsturzversuchen kühl ablehnend gegenüberstand, weshalb die von den Aufständischen eingesetzte provisorische Regierung der Pfalz ihn absetzte, war nicht anders zu erwarten. Die damals bekundete Treue belohnte der neue König Max II. 1850 durch Verleihung des Verdienstordens der Bayerischen Krone, womit der persönliche Adel verbunden war. Im selben Jahre erhielt er Sitz und Stimme im Collegium der Kreisregierung der Pfalz. Den Rang als Regierungsrath besaß er schon seit 1824. 1854 feierte er im Alter von 76 Jahren sein 50jähriges Dienstjubiläum und erhielt aus diesem Anlasse das goldene Ehrenkreuz des Ludwigsordens, das äußerst selten einem bairischen Schulmann zu theil wird, weil nur selten einer im Dienste der Schule so lange ausharrt.

Auf allen Gebieten suchte man sich seiner außerordentlichen Arbeitskraft zu versichern. Als man daran ging den Kölner Dom auszubauen, übertrug man J. den Vorsitz des bezüglichen Dombauvereins für die Pfalz. Als der 1827 gegründete historische Verein für die Pfalz 1839 neu organisirt wurde, wählte man J. zum 2. Vorstande (die 1. Vorstandsstelle wird stets dem jeweiligen Regierungspräsidenten der Pfalz vorbehalten). Lange Jahre war J. Präsident der katholischen Kirchenverwaltung der Stadt Speier (des sog. Dom-Fabrikrathes). Doch bei den hohen Stellungen und seltenen Ehren, die J. zu theil wurden, blieb derselbe von mancherlei Mißgeschick nicht verschont. Seinen Vater hatte er schon in frühester Kindheit verloren, doch sorgte ein braver Stiefvater für den talentvollen Knaben; seine Mutter blieb ihm bis 1819 erhalten, wo er bereits eine angesehene und gesicherte Stellung sich errungen hatte. 1826 starb ihm eine blühende und reich begabte Tochter im Alter von 18 Jahren; noch niederdrückender war für ihn der Tod seines trefflichen Sohnes Rupert, der mitten im rüstigsten Schaffen als Lycealprofessor in Speier 1851 im Alter von 42 Jahren starb. Dagegen überlebte ihn um mehr als 20 Jahre sein jüngerer Sohn Albert (1814–84), der Regierungsdirector und viele Jahre Director der pfälzischen Eisenbahnen war und wegen seiner Verdienste um den bairischen Staat gleichfalls in den Adelstand des Königreichs erhoben worden war. 1857 starb ihm die Mutter seiner Kinder und 1861 zwei hoffnungsvolle Enkel.

Doch endlich setzte die Natur auch seinem unermüdlichen Wirken ein Ziel. Am 12. October 1862 mußte J. im Alter von 84 Jahren, da seine Kräfte immer mehr abnahmen, seine Stelle als Lyceal- und Gymnasialrector niederlegen, Ende März 1863 die Stelle als Schulreferent bei der kgl. Regierung der Pfalz und endlich im October 1863 auch die eines Kreisscholarchen. Am 20. November 1863 ging der nimmer ruhende Greis im Alter von 85 Jahren zur ewigen Ruhe ein; nur einen Monat hatte sein Ruhestand gewährt. Sein Biograph und Nachfolger Lyceal- und Gymnasialrector Joseph Fischer in Speier († 1872) strömt über von Lob für den seltenen Mann, dessen Wirksamkeit einzig dastehe in der Geschichte des bairischen Schulwesens.

Bei seiner eminenten praktischen Thätigkeit fand er wenig Zeit zu schriftstellerischen Arbeiten; doch hat er immerhin auch auf diesem Gebiete einiges geleistet, was aus seinem amtlichen Wirken hervorwuchs und der Erwähnung verdient. Im Druck erschienen von ihm: 1. „Ueber das Schul- und Erziehungswesen im kgl. bayer. Rheinkreise von 1817–1827“ (Speier 1827); 2. „Die Vorsteher und Lehrer der früheren Rathsschule und des nachmaligen [623] Gymnasiums der freien Reichsstadt Speier“ (1835); 3. „Statistische Uebersichtstabellen über den Stand der gesammten Schulen und Studienanstalten des Rheinkreises im Jahre 1836/37“ (Speier 1837); 4. „Des Rheinkreises Jubelwoche“ (1839); 5. Gelegenheitsgedichte (im Namen des Gymnasiums) sind zahlreiche aus seiner Feder geflossen; 6. Eine Sammlung geistlicher Lieder.

Die Bedeutung Jäger’s liegt auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichtes, hier hat er Großes geleistet, er war ein halbes Jahrhundert der oberste Leiter des pfälzischen Schulwesens; dazu gehörte viel Einsicht und Thatkraft, die nur Wenigen beschieden sind. Von seinen zahlreichen Schülern war er wol nur von wenigen geliebt, von allen aber gefürchtet; so erzählte mir ein alter Forstmann, der unter seinem Scepter gestanden hatte, er habe noch als Forstassistent, wenn er in Speier dem Manne mit seinen durchdringenden Augen begegnete, sich vor demselben gefürchtet, obwol er gewiß nichts mehr von ihm zu fürchten hatte.

Das Andenken Jäger’s wird durch eine Stiftung erhalten, die aus Anlaß seines 50jährigen Amtsjubiläums 1854 von seinen Schülern, Freunden und Verehrern mit einer Summe von 1500 Gulden gegründet und für junge pfälzische Philologen bestimmt wurde, an denen damals bedeutender Mangel war; der Fonds hat sich im Laufe der Zeit auf 3000 M. erhöht und gelangen die Zinsen im Betrage von 105 Mk. jetzt alljährlich zur Vertheilung.

J. Fischer, Zur Erinnerung an Dr. Georg von Jäger. Speier 1864. – Pfälzisches Memorabile, zweiter Theil. Westheim, Verlag des Evangelischen Vereins für die Pfalz, 1874, S. 239–241. – Oratio Caroli Schuelein d. VIII. Marti 1830. – J. Fischer, Die erste Jubelfeier des k. bayer. Gymnasiums zu Speier, 1842. – G. Rau, Rede bei der Feier des 50j. Amtsjubiläums des Dr. G. v. Jäger, 1854. – J. Fischer, Die Studienanstalt Speier von 1828–1856. – J. Fischer, Dr. G. v. Jäger, Nekrolog i. d. Pfälzer Ztg. v. 3. Dec. 1863. – Jahresberichte über d. kgl. bayer. Lyceum u. Gymnasium zu Speier f. d. J. 1862/63, 1863/64 u. 1867/68.