ADB:Jäger, Johann Wolfgang

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Artikel „Jäger, Johann Wolfgang“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 651, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:J%C3%A4ger,_Johann_Wolfgang&oldid=2198664 (Version vom 1. August 2015, 16:47 Uhr UTC)
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Jäger: Johann Wolfgang J., Professor der Theologie und Kanzler der Universität Tübingen, wurde den 17. März 1647 zu Stuttgart geboren, wo sein Vater Kanzlei-Expeditionsrath war. Er besuchte zuerst das Gymnasium zu Stuttgart, dann die Klosterschule zu Hirschau und Bebenhausen, bezog, 16 Jahre alt zur Universität reif erklärt, die Hochschule Tübingen und studirte, in das theologische Stift aufgenommen, nebst Philologie und Philosophie, die theologischen Wissenschaften. Durch Fleiß und Fortschritte sich auszeichnend wurde er 1669 Magister und am 10. Februar 1671 zum Repetenten des theologischen Convicts ernannt. Diese Stelle anzutreten verhinderte ihn jedoch ein fürstlicher Befehl, der ihm die Stelle eines Informators bei dem älteren Prinzen Karl Maximilian und später auch (1676) bei dessen Bruder Georg Friedrich übertrug. Diese begleitete er vorerst als Erzieher auf die Universität Tübingen, machte dann mit denselben bis 1678 zugleich als Reiseprediger Reisen durch die Schweiz und Italien und begleitete sie 1678 als Feldprediger in das Lager nach Philippsburg. Zurückgekehrt erhielt er 1680 die außerordentliche Professur der Geographie und der lateinischen, dann 1681 die ordentliche der griechischen Sprache zu Tübingen, wurde 1684 Lehrer der praktischen Philosophie und Ephorus des theologischen Stiftes, 1688 der Logik und Metaphysik und Visitator aller niederen Schulen in Ober-Württemberg („ob der Steig“), 1689 Licentiat und 1692 Doctor der Theologie wie auch Superintendent des theologischen Stiftes und 1698 Abt und General-Superintendent des Klosters Maulbronn. Im J. 1699 erhielt er die Stelle eines Stiftspredigers, Visitators der Universität und Consistorialraths zu Stuttgart, kehrte aber, 1702 zum Kanzler der Universität ernannt, von Stuttgart wieder nach Tübingen zurück, wo er Professor primarius der Theologie, Propst bei der St. Georgenkirche und 1709 zum Abt zu Adelberg und General-Superintendenten des Landes ernannt wurde und starb zu Tübingen den 20. (nicht 2.) April 1720. J. verdient unter den gelehrtesten Theologen seiner Zeit und nützlichsten akademischen Lehrern einen hervorragenden Platz. Zugleich aber war er ein überaus orthodoxer reformirter[1] Theolog und, worin seine Hauptstärke lag, ein ebenso heftiger Polemiker, was fast alle seine Schriften, die meistens die Dogmatik betreffen, bezeugen. Unter diesen, sämmtlich in lateinischer Sprache geschrieben, nehmen die erste Stelle ein sein theologisches Lehrsystem, das bekannteste unter seinen Werken, welches sogar in England unter dem Titel „Corpus doctrinae federalis“ bekannt wurde: „Systema theologicum dogmatico-polemicum“ (1725, 4) und das oft gedruckte und in Württemberg lange Zeit amtlich eingeführte: „Compendium Theologiae … pro scholis in Ducatu Wirtembergico“, obgleich in beiden gute Ordnung, genauer Zusammenhang und Gleichheit der Abhandlungsart vermißt wird. Auch die neuere Kirchengeschichte im Parallelismus mit der weltlichen ist von ihm unter dem Titel: „Hist. eccl. c. parallelismo profanae“ (1692 und später vermehrt: 1709, 1717) „ex speciali Seren. Würtem. Ducis jussu scripta“ bearbeitet worden. Unter seinen übrigen philosophischen, besonders moralischen Schriften verdienen Erwähnung: „Defensio Imperatoris Josephi contra curiae Romanae bullas“ (1709) und seine Dissertation: „De Bened. Spinozae vita et doctrina“ (1710).

Vgl. A. Fr. Bök, Gesch. d. Univers. Tübingen, S. 141–42. Würtemberg. Nebenstunden I, 1–71 (nach einem von J. selbst 1718 geschriebenen Lebenslaufe und Verzeichniß seiner bis dahin verfaßten Schriften). Jöcher. Saxi Onomast. V, 413–14.
J. Franck.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 651. Z. 23 v. u. zu streichen: reformirter. [Bd. 29, S. 775]