ADB:Jagemann, Christian Joseph

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Artikel „Jagemann, Christian Joseph“ von Reinhold Köhler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 642–643, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jagemann,_Christian_Joseph&oldid=- (Version vom 22. September 2019, 06:30 Uhr UTC)
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Jagemann: Christian Joseph J., ein um das Studium der italienischen Sprache und Litteratur in Deutschland sehr verdienter Gelehrter, geb. 1735 in Dingelstedt auf dem Eichsfelde (jetzt in der preußischen Provinz Sachsen, Regb. Erfurt, Kreis Heiligenstadt), gest. am 4. oder 5. Februar 1804 zu Weimar als herzoglicher Rath und Bibliothekar der verwittweten Herzogin Anna Amalia, war von seinen katholischen Eltern gegen seine Neigung für den Mönchsstand bestimmt worden. Als er aber bei der gewohnten Versetzung der Novizen aus dem Augustinerkloster zu Erfurt nach Constanz gebracht wurde, entzog er sich dem Klostergelübde, welches er, nachdem er das 18. Jahr vollendet hatte, ablegen sollte, durch die Flucht. Nach einer mühseligen Wanderschaft kam er über Hamburg nach Dänemark, wo er zwei Großonkel aufsuchte, die ihm eine Hauslehrerstelle in einem adeligen Hause verschafften. Aus Liebe zu Eltern und Vaterland kehrte er nach zwei Jahren zu seinen Eltern zurück, söhnte sich mit ihnen aus und machte dann auf ihren Wunsch eine Pilgerfahrt nach Rom, um von dem Papst Dispensation zu erlangen. In Rom erhielt er nach langem Harren den Befehl, in dem Kloster Santo Spirito zu Florenz die Entscheidung abzuwarten, und erst nach mehreren Jahren wurde ihm seine Bitte gewährt. A. M. Bandini, der in seinem Catalogus cod. graec. Bibliothecae Mediceae Laurentianae, Tom. I., Florentiae 1764, p. 279, eine Homilie des Johannes Chrysostomus mit einer von J. verfertigten lateinischen Uebersetzung mittheilt, bezeichnet ihn als: „F. Gaudiosus Iagemann Augustinianae Familiae Lector“. Meusel, Gelehrtes Teutschland, Bd. 3, S. 504, sagt, er sei Regent der Studien beim Augustinerorden gewesen. Als Weltgeistlicher und Beichtvater der Deutschen blieb er in Florenz, wo er auch Mitglied der Akademie wurde, bis ihn endlich eine fehlgeschlagene Hoffnung in das Vaterland zurücktrieb. Dort ernannte ihn der Kurfürst von Mainz Joseph Emmerich zum Director des neuorganisirten katholischen sog. Emmericianischen Gymnasiums zu Erfurt, das am 5. Januar 1774 feierlich eröffnet wurde (s. C. Beyer, Neue Chronik von Erfurt, S. 170). Nach dem in demselben Jahre erfolgten Tode des Kurfürsten (11. Juni) verlor er die Stelle und begab sich nach Weimar, wo er am 25. Aug. 1775 zum Bibliothekar bei der Privatbibliothek der Herzogin Regentin und am 18. Nov. 1785 zum Rath ernannt wurde. In Weimar wurde er, wahrscheinlich bald nach seinar Uebersiedelung, Protestant. – Von Jagemann’s Schriften (s. Meusel’s Gelehrtes Teutschland, Bd. 3 und 10) seien folgende genannt: „Antologia poetica italiana“ (2 Bde., 1776–77), „Geschichte der freien Künste und Wissenschaften in Italien“ (5 Bde., 1777–81), welche bis 1500 reicht und eine freie Bearbeitung von Tiraboschi’s „Storia della letteratura italiana“ ist, „Briefe über Italien“ (3 Bde., 1778–85), „Magazin der italienischen Litteratur und Künste“ (8 Bde., 1780–85), – darin auch eine Uebersetzung der ganzen Hölle Dante’s in fünffüßigen reimlosen Jamben, aber ohne alle strophische Gliederung –, „Italienische Sprachlehre“ (1792, 2. Ausgabe 1801), „Anfangsgründe von dem Bau und der Bildung der Wörter der italienischen Sprache“ (1801), „Dizionario italiano-tedesco e tedesco-italiano“ (4 Bde., 1803). Noch sei bemerkt, daß er zwei und ein halbes Jahr lang ein politisch-litterarisches Wochenblatt in italienischer Sprache unter dem Titel „Gazzetta di Weimar“ (1787–89) herausgegeben und daß er von Goethe’s „Hermann und Dorothea“ eine italienische Uebersetzung in versi sciolti veröffentlicht hat. Sein von Lips gezeichnetes und gestochenes Porträt findet sich vor dem 1. Bd. des Dizionario.

[643] Vgl. den Nekrolog im Intelligenzblatt der Jenaischen Allgem. Litteratur-Zeitung 1804, Nr. 42, der wie W. Freih. von Biedermann in seiner Ausgabe von Goethe’s Briefen an Eichstädt S. 248 mittheilt, von F. H. von Einsiedel verfaßt ist.