ADB:Johann Gottfried

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Artikel „Johann Gottfried I. von Aschhausen“ von Theodor Henner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 451–453, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johann_Gottfried&oldid=- (Version vom 23. September 2021, 03:57 Uhr UTC)
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Johann Gottfried I. von Aschhausen, Fürstbischof von Bamberg (1609–1622) und Würzburg (1617–1622), geb. am 12. August 1575 zu Lauda. Seine im südlichen Franken angesessene Familie gehörte zur Ritterschaft des Cantons Odenwald. Nach einem mit besonderer Auszeichnung in Fulda, Würzburg, Pont-à-Mousson und Mainz zurückgelegten Studiengang erlangte er durch Resignation eines älteren Bruders im J. 1593 eine Domherrenpfründe in [452] Bamberg, 1596 eine solche in Würzburg und 1604 das Decanat des Ritterstifts Komburg. Als dann im J. 1609 der Bamberger Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel starb, wurde J. G. am 21. Juli d. J. zum Nachfolger gewählt. Man darf diese Wahl unzweifelhaft als eine sehr bedeutsame betrachten, denn zu einer Zeit, wo das Reich sich immer mehr in zwei große feindliche Heerlager zu scheiden begann, hing von dem Schicksal der reichen im Herzen Deutschlands gelegenen fränkischen Bisthümer nicht wenig ab. Was man nun von dem Neugewählten erwarten zu dürfen glaubte, geht am besten hervor aus der lebhaften Befriedigung, der man darüber in Rom wie am Münchener Hof Ausdruck gab; wird doch eine Persönlichkeit, wie Cardinal Bellarmin, nicht müde, ihn wiederholt mit den höchsten Lobsprüchen auszuzeichnen, gleichwie auch später der Päpstliche Nuntius Caraffa voll der Anerkennung für ihn ist. Daß man sich in diesen Kreisen über J. G. in der That nicht getäuscht hatte, beweist seine ganze weitere Wirksamkeit. Bereits sein vorletzter Vorgänger Neithard v. Thüngen war eifrigst bestrebt gewesen, den im Bamberg’schen sehr verbreiteten Protestantismus wieder zu verdrängen, und dieses Beginnen fand nun durch J. G. seine erfolgreiche Vollendung; er hat zu diesem Zweck die Jesuiten in sein Stift berufen und ihnen das Unterrichtswesen übergeben. Entscheidend war ferner seine Erhebung für den Eintritt Bambergs in die Liga. Dem Vorgänger Johann Philipp von Gebsattel hatten die Gründer dieses Bundes mißtraut, jedoch der Regierungswechsel schaffte sofort volle Klarheit; Bamberg zählt mit dem Nachbarstift Würzburg von da an zu den wichtigsten und leistungsfähigsten Bundesgliedern. Ebenso ist es nach vorübergehender Auflösung der Liga in Folge der Spannung zwischen den Höfen von München und Wien der Initiative Johann Gottfrieds mit zuzuschreiben, daß 1607 eine Wiederherstellung des Bündnisses unter Leitung Maximilians von Baiern zu Stande kam. Ein solches fortgesetzt eifriges Eintreten für die katholische Sache macht es dann auch um so leichter erklärlich, daß man J. G. am 5. November 1617 in Würzburg zum Nachfolger eines Julius Echter wählte. Zum ersten Mal erscheinen hier die beiden Nachbarbisthümer in einer Hand vereinigt. Gerne wurde in Rom die für solche Fälle nöthige Zustimmung ertheilt, denn man fühlte hier wol eben so sehr wie am betreffenden Orte selbst, wie wichtig es für die Behauptung dieser von mehr als einer Seite bedrohten Stifter sei, wenn in so bewährter Hand die Zügel vereinigt würden. J. G. hatte übrigens schon 1609 in Würzburg die Propstei des Stiftes Haug und 1610 die gleiche Würde im Domstift erhalten. Mit also vereinigten Kräften konnte er dann beim Ausbruch des 30jährigen Krieges mit um so größerem Nachdruck handelnd auftreten. Das stattliche Contingent an Fußtruppen und Reiterei, welches Bamberg und Würzburg unter der Leitung tüchtiger Führer, der Obersten Bauer v. Eiseneck und Herzelles zum ligistischen Heere stellten, nahm an den Feldzügen der Jahre 1620–1622 hervorragenden Antheil, allerdings unter nicht geringen Verlusten. Auch als Ernst v. Mansfeld wiederholt mit einem Einfall in die Stifter drohen ließ, änderte J. G. die einmal eingenommene Stellung in keiner Weise. Uebrigens nicht nur in dem engeren Kreise der Liga, sondern auch am kaiserlichen Hofe genoß J. G. fortgesetzt großes Ansehen. So bestellte ihn Kaiser Rudolf II. zu seinem Commissar für den Nürnberger Kurfürstentag 1611. Ferner nahm er erheblichen Antheil an dem Regensburger Reichstag des Jahres 1613, worauf ihn Kaiser Matthias mit mehreren diplomatischen Sendungen nach Italien betraute; Papst Paul V. trug ihm bei dieser Gelegenheit den Cardinalshut an, was er aber ausschlug. Als Kaiser Ferdinand II. von der Krönung zu Frankfurt zurückkehrte, empfing ihn J. G. mit besonderem Gepränge in Würzburg. Es war der letzte Akt in seinem Leben, daß er einer dringenden Einladung jenes Kaisers zu dem wichtigen Regensburger Reichstag im October 1622 Folge leistete, wo ihn dann eine [453] heftige Krankheit äußerst schnell am 29. December 1622 im besten Mannesalter hinwegraffte. Seine Leiche wurde im Dom zu Bamberg beigesetzt. Persönlich war J. G. ein Mann von großem Wohlthätigkeitssinn und tadellosem Wandel, ja von ascetischer Strenge. Wenn er in seinen beiden Stiftern die völlige Wiederherstellung des alten Kirchenwesens, jedoch zugleich mit den nöthigen Reformen, sich zur wichtigsten Aufgabe setzte, so hat er selbst keine Mühe gescheut, durch eigenes eifriges Umherreisen, Visitiren, Predigen, wie durch strenge Ueberwachung der Sitten beim Klerus wie in den Klöstern mit dem eigenen Beispiel voranzugehen. Alles das berechtigt wol zu dem Schlußurtheil, daß J. G. in der Geschichte der Restauration des Katholicismus in Deutschland eine bedeutsame Stellung beanspruchen darf. Erwähnung mag noch finden, daß 1618 von ihm eine reformirte Ordnung des sogenannten kaiserlichen Landgerichts des Herzogthums zu Franken erlassen wurde.

Gropp, Collectio noviss. script. et rer. Wirceb. Tom. II u. III. Ussermann, Episcopatus Bambergensis. Dess. Episcopatus Wirceburgensis.