ADB:Johann III. (Bischof von Würzburg)

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Artikel „Johann III. von Grumbach“ von Theodor Henner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 450–451, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johann_III._(Bischof_von_W%C3%BCrzburg)&oldid=- (Version vom 6. April 2020, 15:20 Uhr UTC)
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Johann III. von Grumbach, Bischof von Würzburg (1455–1466), stammt aus jener fränkischen ritterschaftlichen Familie, deren Name im folgenden Jahrhundert durch Wilhelm v. Grumbach eine so tragische Berühmtheit erlangte. Schon 1408 kam er in den Besitz einer Domherrenpfründe in Würzburg, 1432 wurde er Propst. In dieser letzteren Stellung scheint er während der Regierung Bischof Gottfriedes IV. von Limpurg der Führer einer Gegenpartei im Kapitel gewesen zu sein, und auch nach seiner am 14. April 1455 erfolgten Erwählung zum Nachfolger Gottfrieds erscheint er als der gerade Gegensatz zu seinem Vorgänger. Hatte dieser zu einer Zeit, wo die Lage im Reich bereits eine hochgespannte war, es verstanden, sich zum großen finanziellen Vortheil seines Stifts im Ganzen mehr in einer zurückhaltenden Stellung zu behaupten, so tritt dagegen J. mit der ausgesprochensten Kampflust und nicht ermüdender Energie in die Action ein, besonders wenn es galt, mit einem wirklichen oder vermeintlichen Widersacher der Rechte seines Stifts einen Strauß auszufechten. Schon wenige Wochen nach seiner Erhebung leistete er (Juli 1455) dem Pfalzgrafen Friedrich in einer Fehde mit dessen Vetter Ludwig von Veldenz Beistand. In den nächsten Jahren hatte er, wie auch schon sein Vorgänger, mehr als eine Fehde mit widerspenstigen Adlichen zu bestehen, so unter Anderem im März 1458 mit den Ganerben der Burg Steckelberg, bei denen er vergebens ein Mitbesetzungsrecht geltend zu machen suchte; dafür bezwang er die Veste nach 12tägiger Belagerung. Mit Mainz, wo man ihn für den geheimen Anstifter einer Fehde mit Erasmus v. Eberstein hielt, kam es 1458 wenigstens zu einem längeren Federkrieg. Den Mittelpunkt seiner Regierungsthätigkeit bildet aber vor Allem die Stellungnahme in dem großen Kampfe, der damals ganz Deutschland in Athem hielt, in dem Kampfe zwischen der brandenburgischen und wittelsbach’schen Politik. Mit den Führern beider Parteien sah sich J. zunächst durch Verträge verbunden, nämlich mit Pfalzgraf Friedrich seit 1456 auf Lebenszeit, mit dem Markgrafen Albrecht seit 1457 auf 10 Jahre. Wenn er dann doch auf das Entschiedenste der wittelsbach’schen Partei sich anschloß, so findet das seine ganz naturgemäße Erklärung darin, daß mit dem Markgrafen Albrecht wegen dessen Territorialpolitik, die auf immer weitere Ausdehnung der Zollern’schen Macht in Franken gerichtet schien, ein dauernder Bund unmöglich war. Ein Vorspiel zu den kommenden großen Ereignissen bildete der Streit mit den Ganerben von Widdern a. d. Jaxt 1458, da sich diese einem Urtheil des Nürnberger Landgerichts, dessen Inhaber eben der Markgraf war, nicht fügen wollten und die Hülfe ihrer Lehnsherren Pfalz [451] und Würzburg anriefen; allein Albrecht Achilles kam ihnen mit Zerstörung der Burg zuvor. J. half dann dem Herzog Ludwig von Baiern-Landshut bei der Belagerung von Donauwörth; und als andererseits Papst Pius II. auf der bekannten Versammlung zu Mantua dem Markgrafen, um ihn noch mehr an die Sache des Kaisers zu fesseln, lockende Aussichten auf ein fränkisches Herzogthum eröffnete, da konnte es nicht mehr auffällig erscheinen, daß beim Ausbruch des großen Krieges 1460 sowol Würzburg wie Bamberg mit Herzog Ludwig von Baiern und König Georg von Böhmen ihr Bündniß machten, wobei man für Würzburg bereits wichtige Gebietserweiterungen auf Kosten des Markgrafen ins Auge faßte. Während der vier Jahre dieses Kampfes blieb J. der einmal ergriffenen Sache getreu; nur vorübergehend trachtet er die Gnade des mit dem Markgrafen eng verbundenen Kaisers nicht völlig zu verscherzen. Die Lage, in der er sich dabei befand, war keine leichte; denn seine Ritterschaft, auf die er ja doch vorzugsweise rechnen mußte, konnte erst durch größere Zugeständnisse zur Hülfeleistung bewogen werden. Dazu kam weiterhin allgemeiner Unwille in Franken darüber, daß er „ungläubige böse Ketzer“ (die Böhmen) ins Stift bringe. Um so bemerkenswerther ist, daß er doch stets im entscheidenden Augenblick mit einer stattlichen Macht auf dem Platze war und wiederholt konnte er selbst einem Albrecht Achilles gegenüber glückliche Proben seiner eigenen Kriegskunst ablegen. Im Ganzen wogte der Kampf, was speciell die fränkischen Territorien betrifft, mit wechselndem Glück hin und her; gegenseitige Verheerungen, Städtebelagerungen u. dgl. spielen dabei eine Hauptrolle. Durch den Prager Frieden (August 1463) wurde, wie für die Gesammtheit, so auch für Franken dem Kriege ein Ende gesetzt, und an den dem Markgrafen abgerungenen Vortheilen konnte J. für sein Stift vor Allem darin theilnehmen, daß die Macht des gefürchteten Nürnberger Landgerichts und damit die herrschende Stellung der Zollern in Franken endgiltig gebrochen war. – Die letzten Lebensjahre des bereits hochbetagten J. sind erfüllt von einem 1463 beginnenden Streit mit Bamberg, der von geringfügiger Ursache – dem Weiderecht eines würzburgischen Lehensmanns – ausgehend, immer größere Ausdehnung gewann. Schon drohte nach fruchtlosen Vermittlungsversuchen die alte Parteigruppirung sich erneuern zu wollen, indem Baiern und Böhmen sich auf Seite Würzburgs stellten, Bamberg dagegen die Hilfe des Markgrafen zu erwarten hatte. Allein eben in dem Augenblicke, als die Spannung den höchsten Grad erreicht hatte, wurde J. durch einen plötzlichen Tod am 11. April 1466 diesen Händeln entrückt. Seine Leiche wurde im Dom beigesetzt. Als nicht zu unterschätzender territorialer Erfolg Johanns verdient genannt zu werden, daß er 1457 mit Benutzung einer finanziellen Klemme der Grafen von Castell deren Grafschaft zu einem würzburgischen Stiftslehen zu machen wußte. Im Uebrigen ließ J. seinem Nachfolger Rudolf v. Scherenberg, besonders was die finanzielle Restauration des Hochstifts anlangt, das Beste zu thun übrig. Man darf ihn wol als eine Natur bezeichnen, die, ohne mit hervorstechenden Fehlern behaftet zu sein, doch mehr zur Führung des Schwertes als des Krummstabes geboren war.

L. Fries, Wirzb. Chronik (alte Ausg.), S. 813–846. Ussermann, Episcop. Wirceburg. Vgl. J. Würdinger, Kriegsgesch. v. Baiern, Franken, Pfalz u. Schwaben von 1347–1506. 2 Bde.