ADB:Fries, Lorenz (Chronist)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Fries, Lorenz“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 83–84, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fries,_Lorenz_(Chronist)&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 06:44 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Fries (Verweisung)
Band 8 (1878), S. 83–84 (Quelle).
Wikisource-logo.png Lorenz Fries bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Lorenz Fries in der Wikipedia
GND-Nummer 118536028
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|8|83|84|Fries, Lorenz|Franz Xaver von Wegele|ADB:Fries, Lorenz (Chronist)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118536028}}    

Fries: Lorenz F., geb. zu Mergentheim im J. 1491, wendete sich und mit Erfolg früh den humanistischen Studien zu und besuchte die Hochschulen von Leipzig, Wien und in der kritischen Zeit des Jahres 1518 Wittenberg; in Leipzig hat er sich, glaubwürdiger Ueberlieferung gemäß, die Würde eines Magisters der freien Künste erworben. In seine Heimath zurückgekehrt, trat er um 1520 als Geheimschreiber in die Dienste des Würzburger Fürstbischofs Konrad III. von Thüngen, der ihn bereits im J. 1524 durch die Verleihung eines kleinen Lehengutes und das Jahr darauf durch die Ernennung zum Rathe auszeichnete. Nach Allen hat F. im vollen Maße das Vertrauen seines Herrn in hohem Grade genossen. Vermöge seines Amtes stand er nicht nur an der Spitze des fürstbischöflichen Archivs und der Canzlei, sondern seine Stellung war zugleich eine hochpolitische, d. h. er war als Geheimschreiber auch an der Leitung der Staatsgeschäfte und der Führung der politischen Correspondenz betheiligt. Als der Fürstbischof im Mai 1525 in Folge des Bauernkrieges sich gezwungen sah, seine Residenz zu verlassen und bei dem Pfalzgrafen Ludwig in Heidelberg eine Zufluchtsstätte und Hülfe zu suchen, hat ihn F. begleitet und ist ca. 4 Wochen später mit den sieghaften Fürsten wieder nach Würzburg zurückgekehrt. Auch auf der blutigen Rundreise, die der Fürstbischof nach Niederwerfung des Aufstandes in Begleitung des Nachrichters durch sein Hochstift unternahm, hat sich F. an seiner Seite befunden. Im J. 1530 treffen wir F. auf dem Reichstage zu Augsburg, weiterhin in einer diplomatischen Mission in Prag und Wien, endlich in einer Mission bei Kaiser Karl V. in Worms, wo er mündlich den Standpunkt seines Herrn gegenüber der Bildung einer Liga gegen die schmalkaldischen Bundesverwandten zu vertreten hatte (s. Archiv des hist. Vereins für Unterfranken Bd. V. Heft 3. S. 73). Diese Vertrauensstellung Friese’s hat sich im wesentlichen unter den beiden nachfolgenden Fürstbischöfen, Konrad IV. von Bibra und Melchior v. Zobel, bis zu seinem am 5. Decbr. 1550 erfolgten Tode fortgesetzt. Seine Grabschrift rührt von seinem jüngeren Zeitgenossen, Joach. Camerarius, her, mit dem er wahrscheinlich in der Epoche seiner Universitätsstudien irgendwie in nähere Berührung gekommen war. Die Bedeutung Friese’s liegt neben seiner staatsmännischen Thätigkeit in seinen Leistungen als Archivar und Geschichtschreiber, die Zeugnisse seines archivalischen Wirkens und Arbeitens haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten und erfüllen mit stets neuer Bewunderung (vgl. Dr. L. Rockinger, M. L. Fries zum fränkisch-würzb. Rechts- und Gerichtswesen, München 1871, und Dr. Aug. Schäffler, Die hohe Registratur des M. L. Fries, Archiv des hist. Ver. für Unterfranken, Bd. XXII. Heft 1, S. 1–189), sie haben, wie die Aufzeichnungen, die in das Gebiet des fränkisch-würzburgischen Gerichts- und des Münzwesens fallen, einen unleugbar wissenschaftlichen Werth. Von den geschichtlichen Werken Friese’s haben wir an dieser Stelle zwei hervorzuheben, nämlich seine Geschichte der Bischöfe und des Hochstifts Würzburg, und seine Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken bez. im Hochstifte Würzburg. Das erstere umfangreiche Werk hat der Kanzler Ludwig in den „Geschichtschreiber von dem Bischoffthum Würzburg“, im J. 1713 in einem freilich möglichst incorrecten Texte veröffentlicht; der „Bauernkrieg“ war bis in die jüngste Zeit in nur unvollständigen Auszügen bekannt, doch hat der historische Verein zu Würzburg jetzt eine vollständige correcte Ausgabe desselben beschlossen und sind die ersten Lieferungen derselben bereits erschienen. Die „Chronik“ verräth unverkennbar die hohe humanistische Bildung des Verfassers, die schon angedeutet wurde; unter seine Vorbildern ist in erster Linie Aventin zu nennen, dessen freie nationale Gesinnung er theilt, ohne sie jedoch folgerichtig durchzuführen. Die nachhaltige Pietät und Begeisterung Friese’s gilt seinem Hochstift und erhöht den officiösen Charakter seiner Arbeit. Der kritische Werth der [84] Chronik ist gering; von der Mitte ungefähr des 13. Jahrhunderts an steigt der stoffliche, u. a. weil F. manches für uns inzwischen verlorene Material benützt hat. Nicht zu unterschätzen ist das formale Verdienst; F. handhabt namentlich die deutsche Sprache, für die er überhaupt lebhaft fühlte, in origineller kräftiger Weise. Das ausgeführte Werk reicht bis zum J. 1495; F. hat aber ohne Zweifel eine Fortsetzung desselben beabsichtigt, wie dies deutlich aus einem skizzirten bis 1548 reichenden Entwurfe hervorgeht, der von seiner eigenen Hand geschrieben ist und im Kreisarchiv zu Würzburg aufbewahrt wird. Von unverkennbarer Bedeutung ist die Schrift über den Bauernkrieg im Hochstifte Würzburg, zu der ihn Joachim Camerarius (s. dessen Epistoll. libri 5 post. p. 306) angeregt hat. Sie ist streng urkundlicher actenmäßiger Natur, das Werk eines Mannes, der den erzählten Vorgängen hinlänglich nahe stand. Seiner amtlichen Stellung und seiner conservativen Stimmung entsprechend ein grundsätzlicher, ja harter Gegner der Bewegung, hält F. im Durchschnitte mit seiner subjectiven Ansicht zurück und läßt meist nur die Thatsachen und Acten sprechen. Ein Theil des umfassenden und erschöpfenden Werkes, der im (Quasi-) Originalmanuscript selbst fehlt, hat sich in neuester Zeit wiedergefunden, nur gewisse Supplemente, auf die der Verfasser öfters verweist, sind bis jetzt verschollen geblieben. Ueber andere, zum Theil nur projectirte, zum Theil unsichere Schriften Friese’s vgl. die Skizze von C. Heffner und D. Reuß: Lorenz Fries, der Geschichtschreiber Ostfrankens. Eine litterar-geschichtliche Denkschrift, Würzburg 1853.