ADB:Johann Ohnefurcht

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Artikel „Johann ohne Furcht, Herzog von Burgund“ von Karl Theodor Wenzelburger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 202–203, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johann_Ohnefurcht&oldid=- (Version vom 22. Mai 2019, 10:30 Uhr UTC)
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Johann ohne Furcht, Herzog von Burgund, geb. am 28. Mai 1371, der älteste Sohn Philipps des Guten von Burgund und dessen Gemahlin Margaretha II. van Male. Nachdem er schon im Alter von 14 Jahren als Graf von Nevers mit Margaretha, Tochter des holländischen Grafen Albrecht von Baiern, vermählt worden war, nahm er 1396 an dem Kreuzzuge Theil, der unter der Anführung Sigismunds von Ungarn unternommen wurde und mit der unglücklichen Schlacht bei Nicopolis endete, in der J. in die Gefangenschaft Bajazet’s I. gerieth (1396), aber noch in demselben Jahre durch ein Lösegeld von 200 000 Goldducaten befreit wurde. Seine tapfere Haltung in der Schlacht und sein kühnes Auftreten gegen Bajazet soll ihm den Beinamen „ohne Furcht“ verschafft haben. Durch den Tod seines Vaters (27. April 1404) erbte er nicht nur das Herzogthum Burgund, sondern zugleich die von seiner Mutter angebrachten Länder, als: die Grafschaft Flandern, Franche-Comté, Artois und Salins, die Herrschaft Mecheln; in Flandern wurde ihm aber erst nach dem Tode seiner Mutter gehuldigt und bei dieser Gelegenheit (21. April 1404) bewilligte [203] er den Vlamingen die meisten von diesen gestellten Forderungen. Jedoch blieb er nicht lange in seinen Erbländern, denn er wollte in Frankreich dieselbe Rolle spielen, die sein Vater daselbst als Mitglied der Regentschaft unter dem an Geisteszerrüttung leidenden Karl VI. gespielt hatte, dessen Bruder, Herzog Ludwig von Orleans sich aber heftig gegen die Theilnahme Johann’s an der Regentschaft widersetzte. Letzterem kam aber die allgemein in Frankreich herrschende Unzufriedenheit und der Haß der Pariser gegen Orleans zu statten, er stellte sich an die Spitze der Volkspartei und schon drohte der Ausbruch der Feindseligkeiten, als es noch in der letzten Stunde gelang, zwischen Orleans und Johann eine Versöhnung zu Stande zu bringen (Nov. 1405), bei der der Herzog von Orleans sich den Forderungen Johann’s fügte. Das Einvernehmen zwischen Beiden dauerte aber nicht lange, der alte Haß lebte wieder auf und der Burgunder ließ am 23. Novbr. 1407 seinen Gegner durch gedungene Meuchelmörder auf offener Straße in Paris niedermachen. Drei Tage nach vollbrachter That begab sich J. nach Flandern, kehrte aber, da er auf den Beistand der Pariser, sowie vieler französischer Großen, besonders aber auf den von Artois und Flandern rechnen konnte, bald wieder nach Paris zurück. Ein halb Jahr später zog er mit 16 000 Mann in das Lüttich’sche, um seinem Schwager Johann von Baiern gegen seine aufrührerischen Unterthanen zu helfen und der Sieg bei Othée (23. Sept. 1408) war zum größten Theile sein Werk. Nunmehr kehrte er wieder nach Frankreich zurück, sein Einfluß in der Regentschaft war größer, als jemals und er übte in Frankreich eine beinahe unbeschränkte Macht aus. Seitdem aber die orleanistische Partei im J. 1410 im Grafen Armagnac ein ebenso energisches, wie tapferes Haupt gefunden hatte, brach der Bürgerkrieg mit erneuter Macht aus. Paris schloß sich der burgundischen Partei an, welche sich hauptsächlich auf die unteren Volksklassen stützte und während der ersten Jahre auch das Uebergewicht hatte. Als aber 1415 der englisch-französische Krieg auf’s Neue ausbrach, kam Paris in die Gewalt der Armagnacs und ihr Führer war damit Herr von Frankreich. Auch die Schlacht von Azincourt stellte den Frieden zwischen den Parteien nicht her, ja die burgundische Partei neigte sich auf die englische Seite und während die Engländer eine Eroberung um die andere machten, wüthete der Bürgerkrieg in und um Paris in der gräulichsten Weise fort, das 1418 in Folge eines Volksaufstandes wieder in die Hände Johann’s fiel. Bei den darauf folgenden Mord- und Gräuelscenen kam auch der Graf von Armagnac um und nunmehr trat der Dauphin, der fünfte Sohn des Königs, an die Spitze der antiburgundischen Partei. Frankreich schien dem Untergang nahe, als es endlich gelang, eine Versöhnung zwischen dem Herzog von Burgund und den Orleanisten herbeizuführen. Schon besprach man sich über die Mittel, um vereint den Kampf gegen England zu führen, als J. bei einer Zusammenkunft, welche 1419 auf der Yonnebrücke in Montereau zwischen den Häuptern der beiden Parteien gehalten wurde, vom Gefolge des Dauphin niedergehauen wurde (10. Sept.). Sein Sohn und Nachfolger war Philipp der Gute, seine älteste Tochter war mit dem 1415 gestorbenen Dauphin Ludwig, dem Sohn Karl’s VI. verheirathet gewesen. Flandern, besonders Brügge, hatte unter ihm einen ungeheuren Wohlstand erreicht.

Vgl. de Barante, Histoire des Ducs de Bourgogne.