ADB:Johann von Nußdorf

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Artikel „Nußdorf(f), Johannes“ von Carl Brun in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 59–60, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johann_von_Nu%C3%9Fdorf&oldid=- (Version vom 10. Dezember 2019, 21:29 Uhr UTC)
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Nußdorf(f): Johannes (Hanns v.) N., gegen Ende des 15. Jahrhunderts Werkmeister am Basler Münster und als solcher Nachfolger von Vincenz Ensinger (1470–1475; s. A. D. B. VI, 153) und Vorgänger von Rumman Vesch[WS 1] aus Thann; † in Basel 1503. Ob Nußdorf’s ursprüngliche Heimath das Nußdorf in Würtemberg, dasjenige in Oesterreich an der Donau, oder eines der beiden Dörfer dieses Namens in Ungarn ist, läßt sich nicht nachweisen. Seit 1475 treffen wir den Meister in Basel; aus der Rechnung, welche in jenem Jahre die Münsterfabrik über die ihr gehörenden Häuser ausstellte, erfahren wir, daß er damals in einem Hause der heutigen Augustinergasse wohnte und zwar „ad anni spatium gratis, propter sua fidelia servitia circa structuram turris per eundem exhibita“. Bis 1480 hat er diesen Wohnsitz zinsfrei beibehalten. Schon 1475 wird N. in den Actenstücken „lapicida“ und „restaurator turris“ genannt. 1477 und 1478 erhält er als Steinmetz von der Fabrica operis 4 Saum Wein, und ist in späteren Documenten von ihm [60] die Rede, so wird ihm der Titel „Magister“, einmal sogar der Titel director operis zuertheilt. Aus Gesagtem geht hervor, daß die Thätigkeit Nußdorf’s in Basel zunächst darin bestand, den Ausbau des südlichen, 209 Fuß hohen Martinsthurms zu leiten. Fürs erste hatte er das bereits Vorhandene einer gründlichen Revision zu unterwerfen; was zu seinem Plane nicht paßte, mußte beseitigt, neues hinzugefügt werden. Da die Fundamente und die bereits stehenden Stockwerke sich als zu schwach erwiesen, um den Helm zu tragen, sah N. sich gezwungen, das Innere bis zur Höhe der Hauptgalerie in solidem Quaderbau, der die Mauerdicke auf mehr als 2 Meter brachte, auszufüttern. 1476 wurden ihm für Arbeiten, welche sich auf diese Fundamentirung beziehen, nach einander 30 Gulden ausbezahlt. Erst nach Michaelis 1488 waren die Vorbereitungen so weit gediehen, daß mit dem Ausbau selbst begonnen werden konnte. Bischof Caspar zu Rhin ließ für denselben im ganzen Bisthum Steuern sammeln, und 1489 wurde nach Genehmigung des Entwurfes Nußdorf’s der erste Stein zum Weiterbau gelegt. Der Werkmeister erhielt zur Aufmunterung an jenem Tage einen Goldgulden. Nun schritt das Werk schnell vorwärts, 1496 fehlte nur noch der Helm. Da hatte N. eine letzte Probe zu bestehen. Es wurden Stimmen laut über ungenügende Tragfähigkeit der Mauern und das Verlangen nach einer Untersuchung that sich kund. Diese wurde denn auch durch Vesch, den Vollender des Thurmhelms von St. Theobald in Thann, durch die Meister Lux von Constanz, Ortmann von Colmar und Andreas von Ueberlingen 1496 geführt. Sie fiel so sehr zu Gunsten Nußdorf’s aus, daß unverzüglich mit dem Weiterbau fortgefahren werden konnte. Am 23. Juli 1500 war der Helm fertig und ward dem „nüwen Turn“, wie der Martinsthurm in den Münsterrechnungen im Gegensatz zum Georgsthurm (Vetus campanile) heißt, die oberste Kreuzblume aufgesetzt. Zur Belohnung erhielt der Werkmeister an dem Tage zwei, jeder Geselle einen Goldgulden. – Noch mit einem andern Monumente Basels ist der Name Nußdorf’s eng verknüpft, mit der St. Leonhardskirche nämlich. An der Stelle des heutigen Baues stand ein uraltes, schon im 11. Jahrhundert geweihtes Gotteshaus, das jedoch am Lucastage 1356 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Man hatte es damals wieder aufgebaut, allein offenbar genügten den Chorherren des Stiftes die bescheidenen Verhältnisse der ursprünglichen Anlage nicht mehr, denn bereits 1480 schritten sie zu einem Neubau. N. wurde 1496 als Werkmeister angestellt und verpflichtete sich, innerhalb vier Jahren Mauern, Giebel, Pfeiler und Bogen zu errichten; für das Gewölbe war ein neuer Contract in Aussicht genommen. So entstand kurze Zeit vor dem Einzug der Reformation die jetzige St. Leonhardskirche, nach dem Münster Basels bedeutendstes Gotteshaus. Aus dem Leben Nußdorf’s, der im Constructiven jedenfalls ein Meister hohen Ranges war, wissen wir weiter nichts, um so willkommener ist es, daß uns am Martinsthurm der Meißel eines Zeitgenossen wenigstens seine Züge überliefert hat.

S. Basler Neujahrsblätter von 1850 (S. 22. 43) und 1853 (S. 9). – Rahn, Gesch. d. bild. Künste in der Schweiz, S. 476 u. f., 478, 484, 490 und 815. – La Roche, Zur Baugesch. der Façade des Basl. Münsters (Beiträge des Basl. Münsterbauvereins II) S. 28, 31, 38–44. – Th. Burckhardt. Piguet, Baucontract der St. Leonhardskirche zu Basel. Im Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde von 1878, S. 876–880.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Remigius Faesch (ca. 1460-1533), Baumeister in Thann und Basel; vgl. Wikipedia.