ADB:Kühne, August

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Artikel „Kühne, August“ von Paul Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 430–431, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%BChne,_August&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 13:18 Uhr UTC)
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Kühne: Karl Ludwig August K., Bildhauer, † 1895, wurde am 29. Juli 1845 zu Stift Königslutter geboren, wo sein Vater Ernst Kühne Organist und zweiter Lehrer war; seine Mutter war die Tochter des Bäckermeisters Rödler in Wolfenbüttel. Der Wunsch des Vaters ging dahin, den Sohn, womöglich Theologie, studiren zu lassen. Da dieser aber zu wissenschaftlicher Arbeit weder Lust noch Anlage zeigte, sondern sich mehr zu praktischer Thätigkeit hingezogen fühlte, so wurde er nach seiner Confirmation (1859) zu einem Zeugschmied in die Lehre gegeben, bald nachher aber, weil der zarte Körper die schwere Arbeit nicht vertrug, zu dem Goldschmied Wilh. Jürgens in Wolfenbüttel. Hier leistete er in der Sonntagsschule im Zeichnen und Modelliren so Tüchtiges, daß Professor Georg Howaldt in Braunschweig ihn in seine Werkstatt aufnahm. K. beschloß, sich nun ganz der Bildhauerkunst zu widmen und ging im October 1865 nach Dresden, wo er bald in dem Atelier des Professors Ernst Hähnel Aufnahme fand. Seine erste Arbeit, die Statuette eines Siegfried, wurde zwar allgemein günstig beurtheilt, aber nicht verkauft. Das entmuthigte den mittellosen und bescheidenen Jüngling so sehr, daß er plötzlich die figürliche Plastik aufgab und sich schweren Herzens der Ornamentik zuwandte, die ihm eher Aussicht auf sicheren Lebensunterhalt zu gewähren schien. Zu Anfang des Jahres 1869 trat er in das Atelier des Ornamentisten Aug. Hauptmann ein. Als er aber im folgenden Jahre sich nach Wien begab und hier Schüler und Mitarbeiter des Professors Otto König wurde, kehrte er zur Figurenplastik zurück, und er hat dann auf diesem Gebiete, [431] namentlich dem der Kleinbildnerei, Hervorragendes geschaffen. Mit König, den er 1871 und 1873 nach Italien begleitete, verband ihn bald ein enges Freundschaftsverhältniß, das bis zu seinem Tode währte. An der Kunstgewerbeschule in Wien wurde er 1877 zum Assistenten, 1881 zum wirklichen Lehrer und 1884 zum Professor ernannt. Mit unermüdlichem, hingebungsvollem Eifer hat er sich dem Lehrberufe gewidmet; er verstand es trefflich junge und schlummernde Talente zu wecken und zu leiten und alle mit der Begeisterung für die Kunst zu erfüllen, die ihn selbst beseelte. In seinem eigenen Schaffen „verstand er es, zwischen Naturalismus und Classicismus glücklich zu vermitteln, er war ein im besten Sinne des Wortes moderner Künstler, der seine Anschauungen von der Antike stets durch das Studium der Natur und des Lebens berichtigt hat; und da seinem Wesen nur das Reine, Anmuthige, Liebenswürdige congenial war, so gelangte er auf diese Art zu einem erhöhten stilvollen Realismus der Darstellung, der Jedermann ergreifen und fesseln mußte“. Auf Bestellung hat K. wenig oder gar nicht gearbeitet; er schuf nur das, wozu innere Neigung ihn trieb. Auch sind leider nur wenige Werke von ihm in dauerhaftem Materiale ausgeführt worden. Bei seiner Wirksamkeit mußte K. auch stets mit seiner schwächlichen Gesundheit rechnen. Im Winter 1894 auf 95 hatte er eine schwere Lungenentzündung zu bestehen. Kaum genesen, nahm er seinen Unterricht wieder auf. Er erkrankte aufs neue, und auch das Bad Gleichenberg konnte ihm die gewünschte Heilung nicht gewähren. Auf der Rückreise ist K. zu Graz am 15. August 1895 gestorben; auf dem evangelischen Friedhofe liegt er hier begraben. Im October des Jahres veranstaltete das Museum für Kunst und Industrie in Wien eine Ausstellung der plastischen Werke des Künstlers, die sämmtlich der Kleinkunst oder dem Relief angehören. Im folgenden Jahre erschienen bei J. Löwy in Wien Reproductionen nach seinen Werken, 36 Lichtdrucktafeln, die uns 53 von Kühne’s Arbeiten, Statuetten und Reliefs, vorführen. Erbe des künstlerischen Nachlasses Kühne’s, der unverheirathet war, ist sein Freund Professor O. König geworden.

Vgl. Braunschw. Magazin 1895 S. 21–23, 46 u. 47; 1897 S. 56 und die hier verzeichnete Litteratur.