ADB:Kapff, Franziska von (1. Artikel)

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Artikel „Blumenreich, Franziska“ von Ludwig Julius Fränkel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 24–26, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kapff,_Franziska_von_(1._Artikel)&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 21:59 Uhr UTC)
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Band 47 (1903), S. 24–26 (Quelle).
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Blumenreich: Franziska B.[WS 1], bekannter unter ihrem litterarischen und früheren bürgerlichen Namen Fr. v. Kapff-Essenther, Romanschriftstellerin, geboren auf Schloß Waldstein bei Leitomischl am 2. April 1849, endete am 28. October 1899 zu Berlin durch absichtlichen Sturz aus einem Hotelfenster, infolge von Sorgen und Nervosität, die ihres letzten Gatten Verhalten erweckt hatte. Tragisch und romanhaft wie dieser Abschluß war ihr Leben. Ihr Mädchenname sogar ist zur Zeit fraglich. Einerseits heißt’s, sie sei vor Verheirathung mit einem Grazer Architekten v. Essenther Lehrerin gewesen und habe während dieser Ehe ihre litterarische Thätigkeit begonnen, nachdem sie mit der Novelle „Die Flucht“ (nach eigner Angabe mit der Novelle „Mein Weib“ und dem Feuilleton „Der Abgrund“) den 1. Preis einer Feuilletonconcurrenz der [25] „Wiener Allg. Ztg.“ gewonnen, diese Ehe aber gelöst, um den gleichaltrigen Schauspieler und Schriftsteller P. Blumenreich (seit 1900 in Wien) zu heirathen. Andererseits theilt Brümmer (s. u.) verläßlich, und meist auch mit ihren autobiographischen Notizen (s. u.) übereinstimmend, mit, sie habe, Tochter eines österreichischen Staatsbeamten Essenther, nach stiller Jugend in Kleinstädten Böhmens, durch Selbststudium das Lehrerinnenexamen erreicht, so daß sie einige Zeit eine Privat-Mädchenschule leitete; in Wien 1880 den Musik- und Kunstkritiker Otto v. Kapff (geb. 1855, noch jetzt Redacteur a. d. „Dtsch. Kunst- und Musikzeitung“ daselbst) geehelicht, welches Band getrennt worden sei, worauf sie 1887 besagtem Blumenreich die Hand gereicht. Die Ehe mit v. Kapff ist zweifellos, u. a. auch durch die Selbstverzeichnung in Kürschner’s „Litteraturkalender“ bis incl. Jahrg. 1888 erwiesen. Mit dem neuen Gatten, der damit vom Theater mehr zu der von ihr gepflegten Erzählung überging, lebte sie bis 1892 in Berlin. Er begründete 1889 eine der zahlreichen Correspondenzen, „Berliner Feuilleton“, wo der rasch bekannte Name der Frau mit ziehen sollte, und erneuerte es, nachdem sie 1892 bis 93 in Stuttgart gewohnt hatten (sonst immer in Berlin), 1894 vorübergehend als „Neues Feuilleton“. Weder dies noch des Mannes Redacteur-Thätigkeit am „Montag“ und dem Prachtwerke „Die deutsche Bühne in Wort und Bild“ sicherten die Existenz, für die meist der Frau rastlose Feder aufkommen mußte. Seit der verhängnißvollen Heirath 1887 lieferte sie einen Roman- oder Novellenband auf den andern, durch das Talent, leicht zu erfinden, treffend zu charakterisiren und spannend zu gestalten, begünstigt. Insbesondere als der materielle B. nach jenen Fehlschlägen sich auf Theaterspeculationen warf und am prächtigen Berliner „Theater des Westens“ betheiligte, aber 1896 damit, auch als Geschäftsführer des Theaters „Alt-Berlin“ ins Wasser und in Verdacht der Veruntreuung gerieth und nach Krach des Unternehmens März 1898 verurtheilt, nach Amerika entwich, steigerten Enttäuschungen und Widrigkeiten des aufreibenden Daseinskampfes die Aufregung der persönlich bescheidenen Frau derart, daß sie eine Heilanstalt aufsuchen mußte. Endlich versagten ihre Nerven völlig, und das führte jene Katastrophe herbei.

Lange vor der ununterbrochenen Reihe ihrer Prosaerzählungen, die mit den gekrönten novellistischen Wiener Sittenbildern (1884) anhub, liegen der Roman „Frauenehre“ (3 Bde., 1872; 2. Aufl. 1872) und das komische Epos „Die sociale Revolution im Thierreiche“ (1876); man kann diese zwei Erzeugnisse füglich als ihre Frühperiode bezeichnen. Der um 1884 erst aufkommende heutige Realismus in Stoff und Darstellung, den die „Wiener Sittenbilder“ bethätigten, erregte in der litterarischen und der Leserwelt sofort Aufsehen, zumal sie eine der ersten deutschen Schriftstellerinnen im Geschmacke der „Moderne“ ward. Leider trieb sie der Erwerbszwang immer mehr zu schneller Production, ohne daß sie sich Muße nahm, ihre meist tiefer greifenden Probleme (z. B. „Uebermenschen“, noch 1898 i. d. Unterhaltungsbeilage d. Wochenschrift „Fürs Haus“) zu vertiefen und auszureifen. Glücklichere Umstände hätten ihre Gaben gewiß stufengemäß entwickelt; denn sie verleugnete auch unter der Schreibhetze künstlerischen Ehrgeiz nie.

Lebensabriß, wol authentisch, nebst Bibliographie, bei Brümmer, Lex. d. dtsch. Dicht. u. Prof. d. 19. Jhs. I, 139 f. (u. 4|4 u. 5), wo die Specialschriften über österr. u. weibliche Litteraten ausgenutzt sind. Porträt: „Die Woche“ I, H. 34, Sp. 1326. Von der Autorin uncontrollirte Bibliographie Kürschner’s Litteraturkaldr. XXI, 658 s., desgl. bei S. Pataky, Lex. dtschr. Frauen der Feder I s. v. Todesnotiz mit Liste der Hauptschriften „Internat. Litteraturberichte“ VI, Nr. 22, 350. Originalbericht über das Lebensende im „Berliner Lokalanzeiger“ vom nächsten Tage, abgedruckt mit Nekrolog [26] „Münch. Neueste Nachr.“ 52. Jhrg., Nr. 502, S. 2, danach Auszug (mit Erwähnung des Romans „Die Lebensmüden“, 1896) „Augsb. Abendztg.“ 1899, Nr. 300, S. 7; Nachruf 249. Beil. d. „Allg. Ztg.“ v. 1899, S. 8; kurzer Nekrolog „Litterar. Echo“ II, 286; sensationell ausgeschmückt der Art. „Martyrium“ von R(ud.) P(resber) i. „Frankf. General-Anzeiger“ 1899, Nr. 258, 2. Bl. Als Beleg der ersten Aufnahme des Neudebüts „Wiener Sittenbilder“ vgl. z. B. Ph. Stein’s Besprechung i. „Litterar. Merkur“ IV, 230 f. Ueberaus bezeichnend für ihr durchaus modernes Stoffgebiet, ihre selbständige Auffassungs- und Vortragsart sind von ihren letzten Schriften die liebevoll ausgeführten Erzählungen, die „Kürschner’s Bücherschatz“ seit 1896 brachte: Nr. 5 „Die graue Mauer. Roman“, Nr. 66 „Der Werth des Lebens, Novelle. Der Ring des Polykrates, Novellette“, Nr. 130 „Jenseits von gut und böse. Roman“, „Kollegenehe“ 1900 (wol ihr, inhaltlich desto bedeutsamerer Schwanengesang) u. 4 Erzählungen in 1 Bdchn. 1900, alle drei Bändchen mit feinsinnigen, bei Nr. 5 discret autobiographischen wichtigen Vorreden mit Autogramm und Porträt (das bei Nr. 130 am treffendsten). Bei S. Pataky I (1898), S. 80 Biographie nach eigenen Mittheilungen, I, 200 Titelcopie der beiden Schriften von 1873 und 1876 s. v. Essenther, I, 408. Bibliographie bis 1897 s. v. Kapff-Essenther.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Über diese Person existiert in Band 51 ein weiterer Artikel.