ADB:Kaupert, Johann August

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Artikel „Kaupert, Johann August“ von Viktor Hantzsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 89–91, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kaupert,_Johann_August&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 09:28 Uhr UTC)
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Kaupert: Johann August K., Topograph und Kartograph, ein jüngerer Bruder des Bildhauers Gustav K., wurde am 9. Mai 1822 zu Kassel als 3. Sohn des Goldschmieds und Graveurs Christian Wilhelm K. geboren. Er besuchte die Schulen seiner Vaterstadt und erlangte unter Anleitung seines Vaters schon frühzeitig große Geschicklichkeit im Zeichnen und Kupferstechen. Deshalb beschloß er sein Leben ganz diesen Fertigkeiten zu widmen. Im April 1841 trat er als technischer Hilfsarbeiter bei der kurhessischen topographischen Landesvermessung in Kassel ein, die damals unter der trefflichen Leitung des wissenschaftlich hervorragend tüchtigen Obersten Wiegrebe und des Hauptmanns Pfister stand. Beide ließen es sich angelegen sein, den jungen Zeichner gründlich für seinen Beruf auszubilden. Mit unermüdlichem Fleiße eignete er sich bald alle erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten an und gewann das Vertrauen seiner Vorgesetzten in hohem Grade, so daß ihm bereits 1850, obwohl er nicht Militär war, die Leitung der Meßtischaufnahmen übertragen wurde. Er reiste nun alljährlich während des Sommers im Lande umher, nahm persönlich gegen 60 Quadratmeilen auf und revidirte außerdem einen großen Teil der übrigen Vermessungen. Später war er wesentlich an der Bearbeitung und Herausgabe mehrerer großer amtlicher Kartenwerke beteiligt, so der Niveaukarte (1857–1861, 129 Bl. in 1 : 25 000), des Topographischen Atlas (1840–1858, 40 Bl. in 1 : 50 000) und der beiden Generalkarten (1860, 2 Bl. in 1 : 200 000 und 1 Bl. in 1 : 300 000) des Kurfürstenthums Hessen. 1860 erging an ihn durch Vermittlung des als Kartenzeichners bekannten Hauptmanns Emil von Sydow der Antrag, in die topographische Abtheilung der mit dem preußischen Generalstab verbundenen Landesaufnahme einzutreten. Er reichte daraufhin bei seiner vorgesetzten Behörde ein Abschiedsgesuch ein, erhielt jedoch statt der erbetenen Entlassung wider alles Erwarten die ehrenvolle Ernennung zum technischen Vorstand des Bureaus der allgemeinen Landesvermessung mit der Verpflichtung zur Uebernahme aller beim hessischen Generalstabe vorkommenden topographischen Arbeiten. Gleichzeitig wurde er beauftragt, den zum Generalstab commandirten Officieren Vorträge über topographisches Aufnehmen und Zeichnen zu halten. So blieb er noch eine Reihe von Jahren in Kassel. Als infolge der kriegerischen Ereignisse des Jahres 1866 Kurhessen seine politische Selbständigkeit verlor, fand er sich rasch mit den neuen Verhältnissen ab, umsomehr als sich ihm nunmehr begründete Aussichten auf einen weit umfassenderen Wirkungskreis eröffneten. Schon 1864 hatte er in Berlin gelegentlich einer Conferenz der Commission für mitteleuropäische Gradmessung persönliche Beziehungen zu [90] den Leitern der preußischen Militärtopographie angeknüpft. Zunächst wurde ihm 1866 die technische Direction der topographischen Aufnahme des ehemaligen Herzogthums Nassau übertragen. Nach der Vollendung dieses Werkes kam er 1869 als Vermessungsdirigent der topographischen Abtheilung des Großen Generalstabs nach Berlin. Als 1870 der Krieg gegen Frankreich ausbrach, wurde er der unter dem Befehl des Obersten v. Sydow stehenden Kriegskartenabtheilung zugewiesen. Diese Zeit war die arbeitsreichste seines Lebens. Tag und Nacht mußte er sich der Herstellung des nöthigen Kartenmaterials für die im Felde stehenden Truppen widmen. Allgemeine Anerkennung erwarb er sich namentlich durch seinen Festungsplan von Paris, den er auf Grund überaus dürftiger Vorlagen in kürzester Zeit entwarf und nach dem die Belagerer mit Erfolg ihre Maßnahmen gegen die eingeschlossene Stadt trafen. Auch zeichnete er noch während des Krieges große Specialkarten der einzelnen Schlachtfelder, auf denen dann die betheiligten Officiere die Truppenbewegungen und den Gang der Ereignisse eintrugen. Später dienten diese Blätter als Hauptquellen für die Karten des Generalstabswerkes über den Verlauf des Feldzugs. Nach Wiederbeginn der friedlichen Thätigkeit widmete sich K. vor allem der Arbeit an den Meßtischblättern der preußischen Landesaufnahme in 1 : 25 000. Besondere Verdienste erwarb er sich auch durch die Ausbildung von vielen jungen Feldmesern zu tüchtigen Ingenieurgeographen. 1874 ließ er ein für die Fachkreise wichtiges Werk „Hypsometrische Tabellen zum Gebrauche bei topographischen Aufnahmen, besonders für die Meßtischaufnahmen der topographischen Landesvermessung des Kgl. Preußischen Großen Generalstabs“ erscheinen. Als 1875 der Generalfeldmarschall Moltke eine Neuorganisation der Landesvermessungsbehörden vornahm, wurde K. der kartographischen Abtheilung der Landesaufnahme des Großen Generalstabs überwiesen und mit der Redaction der „Karte des Königreichs Preußen“ in 1 : 100 000 beauftragt, die dann 1880 auf Grund einer Vereinbarung zwischen den betheiligten Regierungen in der „Karte des Deutschen Reiches“ aufging. Daneben mußte er den Officieren des Generalstabs Vorträge über die Technik der Landesaufnahme halten. Ein neues Feld für seine Thätigkeit eröffnete sich ihm noch im Jahre 1875, als er mit längerem Urlaub nach Athen ging, um im Auftrage der Centraldirection des Deutschen Archäologischen Instituts gemeinschaftlich mit Ernst Curtius eine topographisch-archäologische Aufnahme von Athen und Umgebung vorzunehmen. Nach der Heimkehr gab er auf Grund seiner Studien eine „Reconstruction des antiken Athen zur Zeit des Periegeten Pausanias“ heraus. 1877 begab er sich mit Curtius abermals nach Athen, um seine früheren Vermessungen zu ergänzen. Als Frucht dieses zweimaligen Aufenthaltes erschien 1878 bei Dietrich Reimer in Berlin der von beiden Freunden gemeinsam bearbeitete wahrhaft classische „Atlas von Athen“ in 12 Blättern, ferner ein Aufsatz Kaupert’s über die Befestigungsmauern von Alt-Athen (Monatsberichte der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin 1879, S. 608–638, mit 1 Tafel), ein Plan der Akropolis mit nächster Umgebung in 2 Blättern (in Pausaniae descriptio arcis Athenarum, herausgegeben von Adolf Michaelis, Bonn 1880) und eine Doppelkarte nebst Situationsplan von Olympia und Umgegend in dem Olympiawerke von E. Curtius und F. Adler (Berlin 1882). Alle diese Arbeiten waren nur Vorstudien für sein Hauptwerk, die gemeinsam mit Curtius entworfenen „Karten von Attika“ in 1 : 25 000 (Berlin 1892 ff.). Von sonstigen litterarischen Veröffentlichungen Kaupert’s sind noch zu nennen verschiedene Beiträge zu Niemann’s Militär-Handlexikon (Stuttgart 1880 bis 1881), namentlich über topographisches Aufnehmen, Zeichnen und Terrainkunde, [91] sowie der Artikel über Landkarten in Ersch und Gruber’s Allgemeiner Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Section 2, Theil 41, Leipzig 1887, S. 346–360). Nachdem er in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte, begannen seine geistigen und körperlichen Kräfte allmählich abzunehmen. Am 11. Februar 1899 starb er zu Berlin. An Ehrungen und Anerkennungen hat es ihm während seiner langjährigen und ergebnißreichen Thätigkeit nicht gefehlt. Graf Moltke pflegte ihn als seinen „stillen Gehilfen“ zu bezeichnen. Das Kaiserliche Archäologische Institut erwählte ihn 1879 zum correspondirenden, später zum wirklichen Mitgliede. Die philosophische Facultät der Universität Straßburg ernannte ihn wegen seiner topographischen und kartographischen Leistungen 1889 zum Ehrendoctor. Sein Landesherr verlieh ihm mehrere Orden und den Titel eines Geheimen Kriegsraths.

Beilage zur Allgemeinen Zeitung 1892, Nr. 108. – Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik XIV (1892), S. 521–524 (mit Bildniß).