ADB:Kenntmann, Johann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kenntmann, Johann“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 603, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kenntmann,_Johann&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 19:56 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Kennedy, Ildephons
Nächster>>>
Kepler, Johannes
Band 15 (1882), S. 603 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johannes Kentmann in der Wikipedia
GND-Nummer 118721852
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|15|603|603|Kenntmann, Johann|Wilhelm von Gümbel|ADB:Kenntmann, Johann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118721852}}    

Kenntmann: Johann K. (Kentmann), Arzt und Physikus erst in Meißen, dann in Torgau, zugleich berühmter Sammler und Naturforscher des 16. Jahrhunderts. Geb. am 21. April 1518 zu Dresden, † am 14. Juni 1574 zu Torgau, studirte K. auf verschiedenen Universitäten Medicin, begab sich hierauf nach Italien, wo er zwei Jahre lang in Padua zu seiner weiteren Ausbildung in der medicinischen Wissenschaft verweilte und kehrte dann in sein Vaterland zurück, um sich erst als praktischer Arzt in Meißen niederzulassen, später nach Torgau überzusiedeln. K. befaßte sich in eingehender Weise mit Mineralogie und Botanik, namentlich mit dem Einsammeln von Steinen und Pflanzen. Er darf als einer der ersten genannt werden, welcher eine systematisch geordnete große Sammlung von Mineralien anlegte und zugleich in dem ausgezeichneten Werke: „Nomenclator rerum fossilium, quae in Misnia praecipue et in aliis regionibus inveniuntur“, 1556, eingehend beschrieb. Von besonderem historischem Interesse ist das von K. gegebene Verzeichniß der 12 durch den Eislebener Bergbau in den dortigen Gruben unterschiedenen Gesteinslagen oberhalb des Todtliegenden, des lapis sterilis Kenntmann’s, nämlich zuoberst: 1) Gneist (daraus später das Wort Gneiß entstanden ist), ein harter Stein von Erdfarbe; 2) Schwegel, weniger hart, aschfarbig; 3) Oberrauhstein, rauchhart und erdfarbig; 4) Zechstein, hart, dunkel, aschfarbig; 5) Unterrauhstein, rauh, hart, aschfarbig; 6) Splitterstein; 7) Oberfäule, weich, aschfarbig; 8) Mitterstein; 9) Unterfäule oder Schwöhle; 10) Dachstein, hart wie Marmor, aschfarbig; 11) Norwerk oder Kam, dunkelaschfarbig und 12) Kupferschiefer, welcher abgebaut wurde. Von weiteren Schriften Kenntmann’s ist zu nennen: „Calculorum, quae in corpore ac membris hominum innascuntur genera XII; depicta, descripta“, 1565; „Regiment, wie man sich vor der Pestilenz hütten soll“, 1568; „Catalogus piscium fluvii Albis“ in Kreysig’s Bibl. venaticorum. In Bezug auf die Versteinerungen, welchen K. gleichfalls seine Aufmerksamkeit schenkte, schloß er sich der Ansicht seines berühmten Zeitgenossen Konrad Gesner in Zürich an und war geneigt, dieselben eher für Naturspiele und zufällige Gestaltungen, als für Ueberreste von Pflanzen und Thieren zu halten. K. beschäftigte sich auch viel mit der bildlichen Darstellung von Thieren und Pflanzen, und hinterließ im Manuscript ein umfangreiches Kräuterbuch mit 600 naturgetreu colorirten Pflanzenabbildungen, welches als eine Zierde der Dresdener Bibliothek aufbewahrt wird.

Poggendorff, Biogr. I, 1243. Jöcher, Gel. Lex., fortgesetzt von Rotermund III. Bd. 226.