ADB:Kirchhoff, Lambert

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Artikel „Kirchhoff, Lambert“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 12–13, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kirchhoff,_Lambert&oldid=- (Version vom 22. Juni 2021, 07:12 Uhr UTC)
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Kirchhoff: Lambert K., Sohn des Rathsherrn Bartold K., † nach 1574, in ererbter Familientradition ein Gegner des aufstrebenden Zunftregiments, Rathsherr in Rostock seit 1560. Inscribirt an der Universität 1529, erwarb [13] er später den Grad des Dr. jur. In den Wirren wegen des räthlichen Superintendenten Draconites suchte er, während die aufsässige Geistlichkeit die Gemeinde bearbeitete und zu dem Verlangen nach Beseitigung des Patrizier-Regimentes brachte, mit seinem Bruder, dem juristischen Professor Laurentius K., eine conservative Gegenbewegung Ende des J. 1559 herbeizuführen. Schon seine Familientraditionen und die Verschwägerung mit der Familie Kron machten ihn unbeliebt; als er im Rath saß, steigerte sich der Haß in den Unruhen wegen des Kittelius und wegen der Accise, da die Zünfte auf einer directen Vermögenssteuer bestanden. Als die Sechziger alle Stadtgüter an sich nahmen, griff er als Weddeherr 1565 ein, mußte darüber aber flüchten, besonders weil sein Bruder in Herzog Johann Albrechts Dienst getreten war. Die Sechziger verlangten vom Rath sein Todesurtheil, freilich vergeblich, versuchten ihn aber auf den benachbarten Edelhöfen mit der Stadt Bewaffneten einzufangen. Vermuthlich hatte er oder sein Anhang schon 1564 den Herzog Ulrich vermocht, den Hauptführer des Aufruhrs gegen den Rath, den Seidenkrämer Andreas Junker, der sich nach Güstrow gewagt hatte, gefangen zu nehmen, wo denn alsbald die K.-Kron’sche Sippe Anklage gegen ihn erhob. Mit Herzog Johann Albrecht kamen die K. in die Stadt zurück, es ist noch ein früher ungedrucktes Schandlied auf Lambrecht K. aus dieser Zeit vorhanden. Es wird sich nicht leugnen lassen, daß der beiden Brüder Einfluß von großer Einwirkung auf die aus diesen Wirren 1563 hervorgehende Weiterentwickelung der Universität gewesen (s. den Art. Laurentius K.). Er war am 24. Juni 1574 noch als Commissar im Nonnenkloster Ribnitz anwesend und starb als Camerarius der Stadt Rostock. Seiner Schwester Anna Gemahl wurde Balthasar Gule (später Gaule), geboren zu Wittstock, inscribirt an der Universität im Herbst 1546, Rostocker Rathsherr 1. Novbr. 1567, Bürgermeister 1. Aug. 1568, † 28. Nov. 1582. Auch der anfangs erbittertste Führer der Sechziger 1562 und 63, der nachher aber umschlug, Balthasar Schmidt hatte eine K. zur Frau.

Vgl. Ungnaden, Amoen. Lucas Bacmeister bei v. Westphalen, Mon. ined. I. Wiggers in Lisch, Jahrb. XIX, S. 110. 122. Rostocker Nachrichten, 1838. Jahrb. f. niederd. Sprachk. 1, 57.