ADB:Klafsky, Katharina

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Artikel „Klafsky, Katharina“ von Ludwig Ordemann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 181–183, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Klafsky,_Katharina&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 12:11 Uhr UTC)
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Klafsky: Katharina K., dramatische Sängerin, geboren am 19. September 1855 in dem deutsch-ungarischen Dorfe St. Johann als Tochter eines armen Flickschusters, † am 22. September 1896 zu Hamburg. Bereits im Alter von acht Jahren wurde das stimmbegabte Mädchen in den Kirchenchor von St. Johann aufgenommen und sang in den Messen Sopran- und Altsoli. Als Katharina fünfzehn Jahre zählte, ging sie nach Oedenburg und bald darauf nach Wien, wo sie einige Jahre als Kindermädchen ihr Leben [182] fristete, bis der Organist Neuwirth von der Elisabethkirche auf ihre stimmliche und gesangliche Begabung aufmerksam wurde. Er brachte Kathi zu Hasemann, dem Director der „Komischen Oper“, der die junge Magd, die im ärmlichen Kattunkleide mit geliehener seidener Schürze vor ihm erschien, als Chorsängerin der Komischen Oper engagirte. Durch die Förderung des Hofcapellmeisters Hellmesberger wurde es der Klafsky ermöglicht, einige Zeit den Unterricht der Marchesi zu genießen, dann verließ sie Wien, um als Chorsängerin an das Salzburger Stadttheater zu gehen, dessen Leiter die begabte Anfängerin auch in kleinen Opern- und Operettenpartien beschäftigte. Nach Beendigung der Spielzeit 1875/76 verheirathete sich die K. mit dem Kaufmann Liebermann, dem sie nach Leipzig folgte. Im Herbste 1876, nach Trennung der sehr unglücklichen Ehe, wurde die junge Frau von Angelo Neumann, dem Operndirector des Leipziger Stadttheaters, mit bescheidener Gage „für Chor und kleine Rollen“ engagirt. Bis 1879 wurde Frau K., entsprechend ihrer nur ganz allmählich vorwärts schreitenden gesanglichen Ausbildung (bei Rebling, Sucher und Paul Geisler, sowie später Hey) vorwiegend nur in sehr kleinen Partien beschäftigt (Brautjungfer, erster Knabe in Zauberflöte, Waltraute in Walküre etc.); im September 1879 sang sie dann zum ersten Male die Wellgunde in „Rheingold“ und im October desselben Jahres als erste große Wagnerrolle die Venus im „Tannhäuser“. Hieran schlossen sich 1880 und 1881 die Alice in „Robert der Teufel“, die Erste Dame in der „Zauberflöte“, die Recha in Halévy’s „Jüdin“, die Bertha im „Prophet“ und die Brangäne in „Tristan und Isolde“ (erste Aufführung in Leipzig am 2. Januar 1882). Während des Jahres 1882 war Frau K. Mitglied von Angelo Neumann’s Richard Wagner-Truppe (Aufführung der Ring-Tetralogie in allen europäischen Großstädten) und übernahm neben und in Vertretung der ihr innig befreundeten Reicher-Kindermann die Partien der Sieglinde und Brünhilde. 1883, nach überstandener schwerer Krankheit, trat Katharina K. unter Neumann’s Direction in den Verband des Bremer Stadttheaters, dem sie bis 1886 angehörte. Unter Anton Seidl’s und Paul Geisler’s Leitung entwickelte sich Frau K. hier zu einer dramatischen Sängerin allerersten Ranges. Mit jedem Auftreten entfaltete sich ihre umfangreiche Stimme voller und glänzender. Jetzt erst gewann ihr Gesang den großen, fortreißenden Zug, die aus tiefstem Innern strömende Beseelung und elementare Leidenschaftlichkeit, ihr Spiel jene überzeugende Wahrheit, die von da ab allen Leistungen der genialen Sängerin eigenthümlich waren.

Als Frau K. 1886 Mitglied des Hamburger Stadttheaters wurde, dessen größte Zierde sie zehn Jahre blieb, beherrschte sie neben den großen Wagnerpartien das gesammte classische Repertoir. Besonders in den hochdramatischen Rollen entfaltete sie die Macht und Fülle ihres wunderbar ausdrucksfähigen Soprans in hinreißenden und erschütternden Accenten. In allen Partien wurde sie eins mit dem dargestellten Charakter und erweckte durch die Wahrheit und suggestive Kraft ihres Spiels vollkommene Illusionen. Ihr Fidelio, ihre Isolde, Brünhilde, Elisabeth, Senta, Eva, Ortrud und Elsa in den Wagnerschen Musikdramen, ihre Eglantine, Recha, Rezia, Aida, Alceste, Norma, Valentine, Donna Anna, Frau Fluth u. s. w. entsprachen bis ins kleinste dem dichterischen und musikalischen Urbild, trugen aber in vielen charakteristischen Einzelzügen den Stempel einer genialen Eigenart. „Sie gehörte zu den Wenigen“, so heißt es in einem der ihr gewidmeten Nachrufe, „welche die Gestalten des musikalischen Dramas mit ihrem eigensten Leben und ihrer Persönlichkeit zu erfüllen vermögen, weil sie ein eigenstes Leben und eine große Persönlichkeit besitzen. Was die Schröder-Devrient ihrer Zeit gewesen, das [183] konnte die Kunst der K. vor unserem Auge und Ohr lebendig werden lassen. Was sie gab, das baute sie auf aus den geheimnisvollen Mächten der Seele. So war sie immer die gewaltige Zauberin, welche die Herzen zu trösten, zu begeistern und zu erschüttern wußte“.

Wie in Hamburg, Berlin und den übrigen deutschen Großstädten (Musteraufführungen in Stuttgart, München, Koburg u. s. w., Musikfeste in Köln, Aachen, Schwerin und Stuttgart), so hat Frau K. auch in Oesterreich, Frankreich, England, Italien, Rußland, Holland und Amerika durch zahlreiche Gastspiele ihrer Kunst begeisterte Verehrer gewonnen. Die größten Triumphe feierte sie noch 1895, ein Jahr vor ihrem Tode, in Amerika. Die dortigen Zeitungen nannten sie die idealste Isolde und Brünhilde, die größte Wagner-Interpretin ihrer Zeit, die gewaltigste Leonore („Fidelio“), mit der sich keine von allen Primadonnen der Neuzeit messen könne. Ihr Erfolg in allen größeren Städten der Union sei ein wunderbarer gewesen, wie ihn in den letzten 20 Jahren, seit Therese Tietjens und der jungen Patti, kein Künstler erzielt habe. Als sie nach der Heimkehr am 22. September 1896 unerwartet an den Folgen eines in Amerika erlittenen Sturzes in Hamburg starb, bewegte der Verlust dieser eminenten Sängerin alle Kreise Hamburgs aufs tiefste. – In zweiter Ehe war Frau K. mit dem Baritonisten Franz Greve († 1892), in dritter mit dem Capellmeister O. Lohse vermählt.

Vgl. Aus dem Leben und Wirken von Katharina Klafsky. Von Ludwig Ordemann. Hameln und Leipzig 1903.