ADB:Kleef

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Artikel „Kleef, van“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 73–74, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kleef&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 22:26 Uhr UTC)
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Kleef: van K., eine zahlreiche Künstlerfamilie, deren Glieder sich meist in Antwerpen aufhielten. – Hendrik v. K. (auch Cleef oft geschrieben), der ältere, Landschaftsmaler, geb. zu Antwerpen, † ebenda 1589. Er unternahm Reisen nach Italien, Spanien und zeichnete oder malte überall merkwürdige Ansichten, Ruinen, Monumente, wie sie eben seinen Geist anregten. Solche kommen noch in Sammlungen mit seinem Monogramm H V C vor, wie in der Albertina, im Berliner Cabinet. Achtunddreißig dieser Zeichnungen erschienen in einer Folge gestochen unter dem Titel: „Ruinarum varii prospectus … excusae per Phil. Galleum“ und sind dem Patrizier Rutger van den Haept in Antwerpen gewidmet. Einzelne römische Gebäude und Ruinen hat er auch selbst gestochen und sie: „Henric. Clivensis fecit“ bezeichnet. In der Malerei hat er die Manier des Franz Floris angenommen und es ist wahrscheinlich, daß er mit seinem Bruder Marten dessen Schüler war. Aus Italien kam er 1533 nach Antwerpen zurück und wurde hier in die Malergilde als freier Meister aufgenommen. Er malte zuweilen auch auf Bilder des Franz Floris die landschaftlichen Hintergründe. – Marten v. K., des Vorigen Bruder, mit ihm auch wahrscheinlich ein Schüler von Floris. Ueber seine Lebensverhältnisse ist nichts bekannt, er soll ein Alter von 50 Jahren erreicht haben und um 1577 gestorben sein. Er malte anfangs große Bilder, später warf er sich auf kleine, die er mit kleinen Figuren staffirte. Er scheint bedeutend jünger als sein Bruder gewesen zu sein, da er erst 1551 in die Malergilde aufgenommen wurde. Im Belvedere zu Wien ist ein Bild mit einer Bauerngesellschaft in der Stube von seiner Hand. In Landschaften von Giller van Conningsloo brachte er Staffagen an. Vorzüglich gelangen ihm Volksscenen mit vielen kleinen Figuren. In Schleißheim ist von ihm ein Bild mit einer jungen Bauernbraut, die für das Brautgemach entkleidet wird. Hans Bol stach nach seiner Zeichnung zwei Blätter mit Allegorien auf den guten Hirten und den Miethling. Marten hatte vier Söhne, die auch Maler waren, Joris und Gillis starben jung, Marten jun. besuchte Spanien, Claes lebte noch 1604 in Antwerpen. Weitere Nachrichten fehlen. Nach einer Meldung soll Marten jun. mit einer Propaganda nach Indien gekommen sein. – Wilhelm v. K., der 1518 in die Malergilde zu Antwerpen aufgenommen wurde, soll ein Bruder des Hendrik und Marten gewesen sein. Nach dem Datum der Aufnahme in die Gilde müßte er älter als diese beiden sein. Dann könnte man ihm kaum das Blatt mit den Initialen W. C. I. E. F. (Wilhelmus Clivensis invenit et fecit. wie man in Holland liest) und 1586 zuschreiben, welches eine Madonna mit dem Kinde im Schooße darstellt, das einen Vogel am Bindfaden hält. Andere wollen darum Wenceslaus Coeberger lesen, was mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat. – Man bezeichnet als Wilhelms Sohn den Josse (Joseph) v. K., genannt der „Zotte K.“ Dieser war Doyen der Lucasgilde zu Antwerpen in den J. 1519, 20 und 25. Er war ein guter Colorist und malte treffliche Bildnisse. Als König Philipp von Spanien sich wegen seiner Vermählung mit Maria von [74] England in London aufhielt, soll sich Josse mit mehreren seiner Bilder dahin begeben haben, um sie durch Vermittelung seines Landsmannes Antonio Moro an den König zu verkaufen. Da dieser aber Bilder Tizian’s den seinigen vorzog, so wurde er rasend und verlor den Verstand. König Philipp war 1554 in England; nun aber soll Josse in jungen Jahren, man sagt bereits 1536, gestorben sein. Damit fiele die ganze Geschichte mit der Reise nach London und der Ursache der Verrücktheit in nichts zusammen. Natürlicher und wahrscheinlicher klingt die Nachricht, daß Josse von Natur aus einen eitlen, excentrischen und übermüthigen Charakter hatte, woraus sich schließlich völliger Wahnsinn entwickelte. So soll er mit Terpentin getränkte Kleider getragen und andere originelle Einfälle ins Werk gesetzt haben. Gemälde seiner früheren Zeit suchte er unter dem Vorwande, sie zu verbessern, an sich zu bringen, um sie dann zu vernichten. So erklärt sich die Seltenheit seiner Werke. In Windsor ist sein und seiner Frau Bildniß. – v. Mander führt noch einen Josse v. K. an, der 1511 in die Künstlergenossenschaft aufgenommen wurde und der mit dem „Zotte“ nicht zu verwechseln ist. Er malte oft Marien mit Engelgruppen. Ob und inwiefern er mit der Familie v. K. verwandt ist, bleibt noch zu beweisen.

v. Mander, Heinecke, Bartsch, Passavant, Siret, Immerzeel, Kramm.