ADB:Kling, Eugen

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Artikel „Kling, Eugen“ von Viktor Hantzsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 230–231, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kling,_Eugen&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 16:57 Uhr UTC)
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Kling: Eugen K., Afrikaforscher, ist am 26. Juni 1854 in Torgau als Sohn des Proviantamtscontroleurs Robert K. geboren. Durch die engen Beziehungen seiner Familie zum Officiersstande wurde er veranlaßt, sich der militärischen Laufbahn zu widmen. Nach Vollendung seiner Studien trat er bei dem 2. Württembergischen Feldartillerieregiment Nr. 29 ein. Als 1884 infolge der Erwerbung deutscher Schutzgebiete auch in Officierskreisen ein reges Interesse für Afrika erwachte, beschloß K., sich in den Colonialdienst zu begeben. Mit seltener Energie begann er sich deshalb alle diejenigen Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, die einem Forschungsreisenden unentbehrlich sind. Berathen und unterstützt durch Gustav Nachtigal studirte er die Litteratur über die Völker, Sprachen, Thiere und Pflanzen des tropischen Afrikas, bildete sein hervorragendes Zeichentalent weiter aus, arbeitete ½ Jahr hindurch auf der Sternwarte in Boggenhausen bei München, betrieb astronomische Ortsbestimmungen, topographische Aufnahmen, Höhenmessungen und meteorologische Beobachtungen, erlernte das Conserviren und Verpacken von Sammlungsgegenständen aller Art und brachte es in der Kunst des Photographirens zur Meisterschaft. Im Frühjahr 1886 stellte er sich dem Auswärtigen Amte für den Dienst in Afrika zur Verfügung, ohne jedoch sogleich Verwendung zu finden. Erst im Januar 1888 erfolgte seine Uebernahme in den Colonialdienst. Er wurde zunächst der Expedition des Stabsarztes Dr. Ludwig Wolf beigegeben, die das Innere des Togogebietes untersuchen sollte und als Stützpunkt für ihre Unternehmungen die Station Bismarckburg im Adelilande gründete. Hier stellte K. nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Beobachtungen an, sondern erkundete auch auf mehreren kleineren und größeren Rundreisen die nähere und weitere Umgebung der Station. So erforschte er im Juli 1888 die Landschaften Kebu und Aposso und vom Februar bis Anfang April 1889 die Verbindungswege zwischen Bismarckburg und der Küste. Ende April desselben Jahres verließ Wolf die Station, um eine Expedition nach dem wenig bekannten Innern des Reiches Dahome zu unternehmen. Leider erlag er bereits nach zwei Monaten dem Tropenfieber. K. übernahm nach der Abreise Wolf’s die Leitung der Station. Er umgab sie zum Schutze gegen Ueberfälle mit einem Pallisadenzaun, verbesserte die Gebäude, erweiterte die Pflanzungen, ergänzte die Vorräthe und war unermüdlich im Sammeln, Messen und Beobachten. Im Juli und August 1889 unternahm er einen Zug durch den südwestlichen Theil der Landschaft Adeli, um freundschaftliche Beziehungen zu den dortigen Häuptlingen anzuknüpfen. Im October desselben Jahres wollte er in gleicher Absicht den Wallfahrtsort Dipongo besuchen, doch nöthigten ihn anhaltende Regengüsse und schlechte Wege zur Umkehr. Glücklicher verlief bald darauf eine Reise nach dem Fetischdorfe Tziari in der Landschaft Adjuti, wo er mit dem einflußreichen Oberpriester Freundschaft schloß. Nachdem er noch in den letzten Wochen des Jahres 1889 durch einen Zug nach der Küste die Verbindungsstraßen gesichert und neue Vorräthe für die Station herbeigeschafft hatte, nahm er im Frühjahr 1890 zur Erholung einen längeren Heimathsurlaub und trat als Hauptmann und Batteriechef in [231] sein früheres Regiment zurück. Aber bereits im Frühjahr 1891 wurde ihm die Leitung einer neuen Expedition in das Hinterland von Togo übertragen. Zunächst bereiste er gemeinsam mit dem interimistischen kaiserlichen Commissar Grafen Pfeil die Grenzgebiete am Voltafluß, drang dann allein nach Salago vor und erreichte glücklich Tschantjo, dessen Herrscher seinerzeit durch Ludwig Wolf ein Gesuch um Schutz an den deutschen Kaiser gerichtet hatte. K. überreichte dem Häuptling Geschenke, schloß einen Schutzvertrag mit ihm ab und marschirte dann in nördlicher Richtung weiter nach der reichen und dichtbevölkerten Landschaft Barbar, deren Bewohner durch Wildheit und Hinterlist berüchtigt waren. Da alle seine Versuche, auf friedliche Weise die Erlaubniß zum Durchzug zu erlangen, an der Feindseligkeit der Eingebornen scheiterten und da es ihm der vielfachen Ueberzahl gegenüber unzweckmäßig erschien, einen gewaltsamen Durchbruchsversuch zu wagen, so sah er sich bei Kuande, der Hauptstadt von Barbar, zur Umkehr genöthigt. Als er auch auf dem Rückmarsche wiederholt Angriffen und Ueberfällen ausgesetzt war, zog er auf neuen Wegen wieder nach Salago und erreichte von dort aus über Kintemher und Kratschi die Station Bismarckburg. Hier befiel ihn als Folge der übermäßigen Anstrengungen und Entbehrungen des langen und höchst beschwerlichen Marsches ein gefährliches Darmleiden. Da es ihm an der nöthigen Pflege mangelte, ließ er sich im April 1892 nach der Küste bringen. Als sich aber auch hier keine erhebliche Besserung einstellte und nur ein schleuniger Klimawechsel noch Besserung erhoffen ließ, kehrte er im August nach Berlin zurück, wo er trotz sorgfältiger Pflege bereits am 15. September desselben Jahres starb. Der Tod dieses liebenswürdigen, begabten und unermüdlich thätigen Mannes war ein großer Verlust für die Afrikaforschung. Er galt als einer der besten Kenner des Togogebietes und hätte bei längerem Leben sicher noch Großes geleistet. Seine ausführlichen Reiseberichte, denen er mehrfach gute Karten und charakteristische Zeichnungen beigegeben hat, sind im 2.–5. Bande der Mittheilungen aus den deutschen Schutzgebieten, kürzere zusammenfassende Darstellungen seiner Erlebnisse im 9. und 10. Jahresberichte des Württembergischen Vereines für Handelsgeographie und in den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Erdkunde 1890 und 1892 erschienen. Seine Sammlungen wurden zum Theil dem Berliner Museum für Naturkunde einverleibt.

Schriftliche Mittheilungen der Colonialabtheilung des Auswärtigen Amtes in Berlin aus den Personalacten Kling’s. – Nachrufe in den colonialen und geographischen Zeitschriften, besonders Ausland 1892, S. 749 und Kolonialblatt 1892, S. 488–489.