ADB:Klotz, Reinhold

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Artikel „Klotz, Reinhold“ von Heinrich Julius Kämmel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 231–233, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Klotz,_Reinhold&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 10:51 Uhr UTC)
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Klotz: Reinhold K., verdienter Philolog, geb. den 13. März 1807 zu Stollberg bei Chemnitz, † am 10. August 1870 in Kleinzschocher bei Leipzig. – Sohn eines evangelischen Pfarrers erhielt er seine erste Bildung durch diesen, [232] der den schwächlichen Knaben zugleich zu körperlicher Abhärtung anhielt, und besuchte dann das Lyceum zu Schneeberg, später die Nicolaischule zu Leipzig, wo Forbiger und Nobbe seine Lehrer wurden. An der Universität jener Stadt trat er in besonders enge Verbindung mit Gottfried Hermann, der ihn auch in seine griechische Gesellschaft aufnahm und in die akademische Thätigkeit überleitete, welche er 1831 begann. Hatte er nun schon durch seine ersten Schriften („Quaestiones Tullianae“, 1831 und „Quaestionum criticarum lib. I“, 1831) als tüchtiger Philolog sich bewährt, so erlangte er bald als Mitherausgeber der Neuen Jahrbücher für Philologie und Pädagogik ausgebreitete Geltung in den Kreisen der Fachgenossen, die ihn in dieser Thätigkeit bis 1856 mit großem Fleiße ausharren sahen. Im J. 1839 außerordentlicher Professor geworden, trat er als Mitdirector des philologischen Seminars an Hermanns Seite und in dieser Stellung blieb er auch nach Hermanns Tode (1848), als er, Nachfolger desselben in der Professur geworden, andere Vertreter der philologischen Studien zu Mitarbeitern erhielt. Berufungen in das Ausland lehnte er ab. – Der Kreis seiner Vorlesungen war ein sehr ausgedehnter: griechische Dichter und Prosaiker, in größerer Anzahl Dichter und Prosaiker der Römer, aber auch die lateinische Litteraturgeschichte, die lateinische Syntax und Stilistik, die philologische Kritik und die Encyklopädie der Philologie behandelte er. Seinen zahlreichen Schülern erwies er sich, soweit nicht sein ländlicher Aufenthalt sie ferner hielt, hilfreich und freundlich. Aber die ländliche Stille und die Beschäftigung mit ländlicher Arbeit, die ihn vielfach zu den Gewohnheiten seiner frühesten Jahre zurückführte und zugleich zu einem trefflichen Interpreten der Georgica Vergils werden ließ, gaben ihm auch wieder die Kraft zu erstaunlicher litterarischer Thätigkeit. Sein groß angelegtes lateinisches Handwörterbuch hat er leider nicht nach dem ursprünglichen Plane ausführen können (die dritte Auflage unter Mitwirkung von Lübker und Hudemann erschien 1862 in zwei starken Bänden) und sein Handbuch der lateinischen Litteraturgeschichte ist über den ersten Band (1846) nicht hinausgekommen; aber durch zahlreiche andere Leistungen erwarb er sich steigende Anerkennung in der philologischen Welt. Den ausdauerndsten Fleiß wandte er fort und fort den Werken Cicero’s zu, deren oft erneuertes Studium ihn zu einem Meister des lateinischen Stils machte, wovon noch das nach seinem Tode von seinem Sohne Richard 1874 herausgegebene Handbuch der lateinischen Statistik Zeugniß gegeben hat. Als Bearbeiter Ciceronischer Werke bewährte er sich besonders durch seine Ausgabe der Ciceronischen Reden (3 Bde., Leipzig 1833–35), in welcher auch den staatlichen und rechtlichen Institutionen die eingehendste Theilnahme zugewandt ist. Es folgte 1835 die Ausgabe der Tusculanen, wozu 1843 die Nachträge und Berichtigungen zu Cic. Disputt. Tusc. kamen. In der Bibliotheca Graecorum et Romanorum Teubneriana erschien dann 1851–56 die Gesammtausgabe Cicero’s, die schon 1858 eine zweite Auflage erlebte. Aber der Unermüdliche bearbeitete auch Stücke von Plautus und Terenz und gab Vergils „Georgica“ und eine Auswahl aus den römischen Elegikern heraus; aber zugleich ließ er den Euripides (in der von Jacobs und Rost unternommenen Sammlung) seinen Fleiß erfahren und schon 1834 hatte er den „Clemens Alexandrinus“ (in der Bibl. sacra patrum ecclesiae Gr.) herausgegeben. Daneben schrieb er noch für seine Jahrbücher zahlreiche Recensionen und eine Reihe von Programmen. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich noch durch eine neue Ausgabe des Werks von Devarius über die griechischen Partikeln, wenn er auch einsah, daß er dabei auf die durch Franz Bopp gewonnenen Grundlagen zurückzugehen hätte, was eine wesentlich andere Bearbeitung erfordert haben würde. K. war ein durchaus anspruchsloser Charakter, der das berechtigte Bewußtsein seines Werthes und seiner Verdienste niemals sonderlich [233] hervortreten ließ; in politischer Beziehung stand er fest auf Seite der Conservativen, was er in den stürmischen Jahren 1848 f. mannigfach bewährte. Seiner Familie war er in herzlicher Fürsorge allezeit zugethan, wie er Freunden und Schülern in Rath und That gern seine Treue bewies.

Ueber ihn s. den von seinem Sohne Richard geschriebenen Nekrolog in den Jahrb. für Phil. u. Pädagogik, 1871.