ADB:Knapp, Johann Georg

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Artikel „Knapp, Johann Georg“ von Gustav Kramer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 267–269, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Knapp,_Johann_Georg&oldid=- (Version vom 22. Mai 2019, 21:28 Uhr UTC)
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Knapp: Johann Georg K., geb. zu Oehringen in Franken den 27. Dec. 1705, † den 30. Juli 1771, war der Sohn eines hohenlohischen Kammerraths. Nach Beendigung seines vorbereitenden Unterrichts bezog er die Universität Altdorf, die er aber im J. 1723 mit Jena vertauschte, wo Buddeus während eines dritthalbjährigen Aufenthalts bei seinen mit großem Ernst betriebenen Studien überwiegenden Einfluß auf ihn ausübte. Von dort begab er sich nach Halle. Hier trat er alsbald in nahe Beziehung zu Francke, übernahm zunächst Unterricht an der lateinischen Schule, trat dann in das unter Freyer’s Leitung stehende Seminarium selectum praeceptorum und ging zum königl. Pädagogium [268] über. Im J. 1728 wurde er ordentlicher Lehrer an demselben, zugleich mit dem späteren Consistorialrath J. Hecker, mit welchem er eng befreundet war. In dieser Stellung blieb er bis 1732, wo er von Friedrich Wilhelm I. als Prediger am Cadettencorps nach Berlin berufen wurde. Indessen schon im Jahre 1733 kehrte er nach Halle zurück, um die Adjunctur bei der theologischen Fakultät und die Oberaufsicht über die lateinische Schule zu übernehmen. Von da an entwickelte sich sein Leben in dieser doppelten Stellung weiter: im Jahre 1737 wurde er außerordentlicher, im J. 1739 ordentlicher Professor der Theologie, und in eben diesem Jahre nach dem in demselben erfolgten Tode von J. A. Freylinghausen Condirector des Waisenhauses. In dem darauf folgenden Jahre erwarb er auf Drängen seiner Freunde die theologische Doctorwürde. Als im J. 1769 G. A. Francke gestorben, folgte er ihm als Director des Waisenhauses und des königl. Pädagogiums, bekleidete aber dieses Amt nicht volle zwei Jahre. Im J. 1748 verheirathete er sich. Die Frucht dieser Ehe war ein einziger, 1753 geborener Sohn, Georg Christian (s. o.), der später seinen Vater als Theologe weit überragen sollte. Das ist der kurze Abriß seines einfachen äußeren Lebens. Was seinen Charakter anbetrifft, so war er ein Mann von größter Einfachheit und Bescheidenheit, von der strengsten Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung seiner Pflichten, und was die Wurzel von alle dem war, von tiefer, aufrichtiger Frömmigkeit, von einer Kraft des Gebets, wie Wenige. So wird erzählt, daß er in einer Erbauungsstunde, als beim Anfang derselben der Donner der Kanonen von der Schlacht bei Roßbach her vernommen wurde, zu beten begann und mit steigender Inbrunst unter dem tiefsten Eindruck der Zuhörer bis zum Schluß darin fortfuhr. Dabei verband er mit dem vorherrschenden Ernst seines Wesens die größte Freundlichkeit und wurde deshalb allgemein im höchsten Grade, nach Tholuck’s Ausdruck, „wie ein Heiliger“ verehrt. Wenn das Directorat des jüngeren Francke eine Zeit hoher äußerer Blüthe der Anstalten des Waisenhauses war, und die Zahl der in denselben befindlichen Zöglinge damals außerordentlich anwuchs (in der lateinischen Schule bis zu 550), so wurde dies neben den gewährten sehr reichen Beneficien, doch gewiß vornehmlich der tüchtigen, wenigstens zum Theil in den Händen Knapp’s befindlichen Leitung verdankt. In seinen akademischen Vorträgen bewahrte er, während eine neue Richtung, die in Semler culminirte, bereits begonnen hatte, den Standpunkt seiner Lehrer. Ueber seine Wirksamkeit als Docent gibt ihm Semler, ein gewiß unverdächtiger Zeuge, in seiner Autobiographie ein überaus ehrendes Zeugniß. Er spricht es aus, daß er diesem Manne, den er als angehender Student hörte, sehr viel von moralischer Gleichheit des Gemüths und Rechtschaffenheit verdankte. „Er redete“, fährt er fort, „sehr schön und leicht Latein, und veränderte nach dem Unterschiede der Sachen Stimme und Stellung sehr glücklich. Obgleich er im Winter bei Licht las zwischen zwei Klassen, zwischen denen der Katheder stand, war doch nie eine Unordnung unter den Zuhörern, die stets über 150, auch oft über 200 waren“. Dabei ist zu bemerken, daß er, wie es in der theologischen Fakultät vom Anfang an hergebracht war, stets gratis las. Außer den Vorlesungen wirkte er unter den Studirenden noch besonders segensreich durch den in der sogenannten Schulkirche namentlich für sie eingerichteten Gottesdienst, den er von dem Anfang seiner Verbindung mit der theologischen Fakultät bis an sein Lebensende hielt. Als Schriftsteller hat er trotz seiner mannichfaltigen und gründlichen Gelehrsamkeit außer den Schriften, die seine Stellung als Professor forderten, wie eine Anzahl Disputationen und Programmen, nur eine Reihe populärer Beiträge zu den wöchentlichen Hallischen Anzeigen, die sämmtlich theologische Fragen behandelten, verfaßt. Auch erschienen, nachdem er Director geworden, mehrere Stücke der Missionsberichte unter seinem Namen. Im übrigen [269] war die Dauer seiner Direction zu kurz, als daß er eine besondere Wirksamkeit während derselben hätte entwickeln können; zudem hatte er bei seinem Antritt bereits ein hohes Alter erreicht, und mit manchen allmählich sich geltend machenden äußeren und inneren Schwierigkeiten zu kämpfen, welche nicht leicht zu überwinden waren.

Gottlieb Anastasius Freylinghausen, Wohlverdientes Ehrengedächtniß gestiftet dem etc. Dr. Johann Georg Knapp, Halle 1772.