ADB:Kober, Tobias

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Artikel „Kober, Tobias“ von Wilhelm Scherer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 359–360, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kober,_Tobias&oldid=- (Version vom 26. Juni 2019, 11:02 Uhr UTC)
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Kober: Tobias K., Arzt und Dramatiker aus Görlitz. Im Sommersemester 1593 ward er zu Leipzig immatriculirt; und noch 1594, als er schon Poeta laureatus war, studirte er daselbst Medicin, wie aus den Unterschriften seiner Widmungen unzweifelhaft hervorgeht. Aber schon 1593 verfaßte er einen medicinischen Tractat „De lacte“ und 1595 ward er auf Grund einer Dissertation „De paralysi“ in Helmstädt zum Dr. med. promovirt. Hierauf wurde er Feldarzt in Ungarn bei Kaiser Rudolfs II. Armee, und seine „Decades tres observationum medicarum castrensium Hungaricarum“, 1605, sind für die Seuchengeschichte der Zeit nicht ohne Interesse. Auch in seinen Dramen merkt man den Antheil an türkischen Dingen, der ihm durch einen solchen Wirkungskreis nahe gelegt werden mußte. Im J. 1607 hielt er sich zu Löwenberg in Schlesien auf. Er verfaßte ein Lobgedicht auf Breslau („Vratislavia sive Budorgis, celebris Elysiorum metropolis“, 1593) und mehrere lateinische, ein deutsches Drama. Aus dem fünften Buche der Aeneide schöpfte er den „Palinurus“ (Lips. 1593); aus dem dritten den „Anchises exul“ (Gorlic. 1594). Satirisch gegen die Wirthe wendet sich die Comödie „Hospitia“ (1594), worin u. a. ein Student, ein Kaufmann, ein soldatischer Prahlhans auftreten; den Prolog spricht Plutus. In der Tragödie „Sol s. Marcus Curtius“ (1595) spricht der Sonnengott den Prolog; M. Curtius soll ein Repräsentant derjenigen sein, die sich mit ebensolcher Vaterlandsliebe, Aufopferung und Kühnheit, wie er bewiesen, den Türken entgegenwarfen. In der Vorrede bemerkt der Verfasser, er habe in derselben Weise die übrigen sechs Planeten behandelt: „Lunam s. Carolum Burgundum“, „Mercurium s. Constantinopolin“, „Venerem s. Pyramum et Thisben“, „Martem s. Zedlicium“, „Iovem“, „Saturnum“. Bei diesen beiden fehlt das Thema: vermuthlich waren sie nicht fertig, sondern nur im allgemeinen beabsichtigt. Auch die drei erstgenannten sind bis jetzt nicht zum Vorschein gekommen, wol aber vom „Zedlitz“ eine deutsche Bearbeitung des Dichters selbst unter dem Titel: „Idea militis vere christiani“ (Liegnitz 1607). Es vereinigen sich darin schlesischer Localpatriotismus und Liebe zum deutschen Gesammtvaterland, glückliche Stoffwahl und geschickte Ausführung zu einem sehr angenehmen, frischen Ganzen, das man sogar mit einer gewissen Spannung verfolgt. Zur Familie v. Zedlitz stand der Dichter in persönlicher Beziehung; ihr ist die zweite Decas der Observ. med. gewidmet, und einen Zedlitz hatte er 1599 in Ungarn ärztlich behandelt. Ein älteres Mitglied des Geschlechtes zeichnete sich bei der Türkenbelagerung Wiens von 1529 aus: er ist der Held des Stückes. Ibrahim Pascha bittet den belagernden Sultan Soliman, zu erwägen, daß er nicht Weiber aus Asia, sondern Ritter aus Germania vor sich habe, „die Blum und Kern der Christenheit, so sich von Jugend auf zum Streit mit Harnisch, Waffen, Schwert und G’schoß ausrüst’t und besser sitzt zu Roß als irgend ein Volk auf Erden“. Soliman äußert den Wunsch, einmal einen Ritter in voller Rüstung aus der Nähe zu besehen. Das Vergnügen wird ihm bald zu Theil. Bei einem Ausfall der Wiener Besatzung geräth der Fähndrich Christoph v. Zedlitz aus Schlesien in türkische Gefangenschaft. Er weiß aber den Türken durch seine tapfere Haltung und sein stolzes mannhaftes Wesen zu imponiren, und das wird sehr gut durchgeführt. Er soll dem Sultan seine ritterlichen Künste [360] zeigen, verräth aber durch die Freude, mit der er seine Rüstung empfängt, den Gedanken, den er damit verbindet: einen Anschlag auf Solimans Leben. Aber seltsam ist, daß Ibrahim Pascha, der diese Absicht durchschaut und seinen Herrn dagegen schützt, sich dann als heimlicher Christ entpuppt und den Zedlitz von allerlei Verräthereien unterrichtet, welche gegen die Besatzung verübt werden. Zedlitz wird von den Türken vergiftet; es bleibt aber unklar, ob er schließlich daran stirbt. Er erhält seine Freiheit und verkündet in der belagerten Stadt den Abzug der Feinde. Der Verfasser sucht auch durch den komischen und charakteristischen Reiz der Mundart zu wirken: ein Schwabe sagt immer „ischt“ und macht eine etwas alberne Figur; ein jüdischer Verräther mauschelt; ein schlesischer Fuhrmann von dem Zedlitz’schen Gute spricht schlesisch, ein Fahnenjunker plattdeutsch. Gervinus vermuthet Einwirkung der Dramen des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig und nennt den „Zedlitz“ das erste Stück, das etwas von der Farbe eines historischen Dramas nach neuer Auffassung an sich trage.

Mittheilungen von W. Arndt aus der Leipziger Matrikel, von A. Hirsch aus Meibom’s Vorrede zu den Observ. med. (Helmst. 1675). Jöcher und Rotermund. Palm, Schlesische Provinzialblätter, N. F. 6, 7–13 (Bresl. 1867); Beiträge zur Gesch. der deutschen Litteratur (Bresl. 1877), S. 126.