ADB:Kobes, Alois

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Artikel „Kobes, Alois“ von Franz Stanonik in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 364–366, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kobes,_Alois&oldid=- (Version vom 21. September 2021, 06:03 Uhr UTC)
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Kobes: Alois K., Missionär, apostolischer Vicar für Senegambien, wurde am 17. April 1820 zu Fessenheim im Elsaß geboren. Als Studirender der Theologie im Priesterseminar zu Straßburg wurde er 1840 mit Franz Maria Paul Libermann bekannt, welcher vom Judenthum zum Katholicismus übergetreten war und sich damals, obwol selbst noch nicht Priester, auf das Werk der Negerbekehrung an der Westküste von Afrika vorbereitete. Durch die Unterredungen mit Libermann wurde auch K. mit einem glühenden Verlangen entzündet, sich der Negermission zu widmen. Nachdem er die Priesterweihe empfangen und zwei Jahre in der Seelsorge gedient, trat er 1846 in die von Libermann gegründete Congregation vom heil. Herzen Mariä. Nachdem er sein Probejahr bestanden, schlug ihn Libermann ungeachtet seiner Jugend zum Coadjutor des apostolischen Vicars für Senegambien und die beiden Guinea, Bessieux, vor. Gegen Ende 1848 wurde er vom Bischofe von Straßburg zum Bischofe von Methone (Modon) in part. infid. geweiht, worauf er dann bald in sein Missionsgebiet abreiste. Die Schwierigkeiten, mit denen er hier zu kämpfen hatte, hat er fünf Jahre später in einer Denkschrift an die Centralverwaltung des Vereins der Glaubensverbreitung eingehend dargelegt. Er sagte da unter Anderem: „Mag man auch das Klima der Westküste von Afrika nicht das ungesundeste von der Welt nennen, jedenfalls wird es schwer halten ein noch ungesunderes zu finden. Es ist das eine Thatsache, welche leider jedes Jahr mit unwiderleglichen Zahlen in den Todtenbüchern der Handelsstationen und Militärposten verzeichnet steht und welche besonders das Mutterhaus unserer Congregation so bitter beklagt, da es seit 11 Jahren von den 75 hierher geschickten Missionären nicht weniger als 42 verloren hat. Jetzt stehen wir mitten unter einer abgöttischen Bevölkerung von ungefähr 50 Millionen, die ein Land bewohnt, [365] welches sich vom 17° nördlicher Breite bis zum 17° südlicher Breite erstreckt. Zu allen diesen Völkern, die durch unwegsame Urwälder, Gebirge, Sümpfe und Flüsse, wie auch durch eine große Mannigfaltigkeit ihrer Sprachen von einander getrennt sind, sollen wir 2 Bischöfe, 15 Priester, 11 Laienbrüder und 19 Ordensschwestern gehen.“ … Doch schrak der Missionär vor diesen Schwierigkeiten nicht zurück. Er unterzog sich den mühevollsten Reisen, dem schwierigen Studium der Sprachen, den Gefahren des Klima’s und sann nebenbei auf die wirksamsten Mittel, den verschiedenen Mißständen abzuhelfen. Vor Allem setzte er es in Rom durch, daß wenigstens für den Anfang noch andere Ordenspriester sich mit seiner Congregation in die Arbeit theilten. Ferner dachte er schon damals an eine Theilung des übergroßen Gebietes in mehrere Missionsfelder und gründete auf jenen Punkten, die er aus persönlicher Erfahrung als die bestgelegenen erkannt hatte, Niederlassungen, welche später in der That die Mittelpunkte der einzelnen Vicariate wurden. So bestanden schon 1854 die Häuser von Bakel, Dakar, Joal, St. Maria von Gambia, St. Joseph von Benga und St. Maria vom Gabun, von denen das Centralstudienhaus von Dakar das wichtigste war. Hier gründete K. zwei Anstalten, welche für den Fortbestand seines Werkes von der größten Tragweite waren. Erstlich das Seminar oder Scholasticat für die Mission, dessen Zöglinge mit großer Umsicht aus den Waisenhäusern gewählt wurden, wo sie von Kindheit an in der christlichen Religion unterrichtet wurden. Sie empfangen erst den lateinischen Unterricht und siedeln dann, wenn sie Talent und Neigung für den Priesterstand zeigen, in das Seminar über, wo sie in der Theologie ausgebildet werden. Im J. 1864 hatte K. die Freude, den ersten schwarzen Priester zu weihen. 1871 zählte das Seminar 27 Theologen, darunter 5 schwarze Priester. Ein zweites wichtiges Werk, welches K. 1858 gründete, war eine Congregation von schwarzen Klosterfrauen (der „Töchter des heil. Herzen Mariä“) für den Unterricht und die Erziehung der weiblichen Jugend und für den Dienst in den Waisen- und Krankenhäusern. Wo sich nun die Missionäre niederließen, Schulen eröffneten und Straßen nach dem Inneren anlegten, da siedelten sich ringsum die Neubekehrten an und es entstanden größere Ortschaften, deren Bewohner die Umgegend urbar machten und von eingebornen christlichen Häuptlingen regiert wurden. Eine eigene Buchdruckerei in St. Joseph in Ngasobil hatte den Zweck, durch volksthümliche Bücher in der Landessprache die Religion und Gesittung unter dem Volke zu verbreiten. Der apostolische Vicar benutzte auch die unfreiwillige Muße seiner Krankheiten dazu, um eine woloffische Grammatik auszuarbeiten, deren Regeln er im vollsten Sinne des Wortes den Lippen der Neger ablauschte. Im J. 1863 erfolgte endlich die Trennung des ungeheuren Vicariats der westafrikanischen Küste in mehrere getrennte Jurisdictionen, von denen Senegambien allein dem Msgr. K. verblieb. Dieser sah seitdem die Zahl seiner Mitarbeiter und die von ihm ins Leben gerufenen frommen Anstalten in erfreulicher Weise zunehmen und in gleichen Verhältnissen auch die Menge der Neubekehrten. Mit der Zeit wächst auch ein christlich gebornes Geschlecht unter den Negern heran, welches einen festen Kern für die Mission abgeben und eine Pflanzschule für christliche Charaktere unter dem kindisch wankelmüthigen Negervolke bilden wird. Im J. 1869 kam K., der auch schon früher theils in Angelegenheiten seiner Mission, theils wegen seiner angegriffenen Gesundheit häufig nach Europa gereist war, nach Rom zum Vaticanischen Concil. Bevor jedoch dieses geschlossen war, riefen ihn die durch den deutsch-französischen Krieg auch im französischen Senegambien entstandenen Wirren in seine Mission zurück, wo er am 11. October 1872 zu Dakar dem Tropenfieber erlag.

[366] Vgl. Die katholischen Missionen. Illustrirte Monatschrift. (Freiburg i. Br., Herder). 1877 S. 48 ff., 101 ff., 1878 S. 56 ff., 100 f., 150. – Moroni, Dizionario di erudizione storico-eccl. XCVIII, 300.