ADB:Kozeluch, Johann Anton

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Artikel „Koscheluch, Johann Ant.“ von Rudolf Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 739–740, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kozeluch,_Johann_Anton&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 23:17 Uhr UTC)
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Koscheluch: Joseph Ant. K. (Koželuch), Tonsetzer, geb. zu Welwarn in Böhmen am 13. Decbr. 1738, † zu Prag am 3. Febr. 1814, erhielt den ersten Schul- und Gesangunterricht in der Vaterstadt, kam dann auf Verwendung des Grafen A. J. Kolowrat als Discantist nach Bresnitz, wo er zugleich im dortigen Profeßhause der Jesuiten die Lateinschule besuchte, widmete sich aber erst in Prag, wo seine Gesangstüchtigkeit erkannt wurde, ausschließlich der Musik. Rascher Folge zu Namen gekommen, berief ihn der Magistrat der Kreisstadt Rakonitz für die Leitung des Decanalkirchenchors, die K. jedoch nur kurze Zeit behielt, da er es vorzog, in die ihm seitens der Vaterstadt angetragene Chorregensstelle einzutreten. Aber auch in diesem Verhältnisse sich nicht am rechten Platze fühlend, finden wir ihn nach Ablauf weniger Jahre wieder in Prag als Mitglied des Domchors und berühmten Bassisten; erfahren auch, daß er im Drange nach Ausbildung in der Composition beim berühmten Organisten Jos. Seger Unterricht nahm und hierauf einige Jahre in Wien unter Gaßmann und Ritter v. Gluck seine Studien fortsetzte. Die neuerliche Rückkehr nach Prag brachte dann auch neue Erfolge. Gesucht vom Adel als vorzüglicher Meister für Gesang- und Clavierunterricht, erwarb ihn zugleich der Generalgroßmeister des ritterlichen Kreuzherrnordens für die Ordenskirche zu St. Franz als Chorregenten, wo K. auch vollauf Gelegenheit hatte, seine ganze Tüchtigkeit zu entfalten, um der Kirchenmusik in Prag zu neuem Aufschwunge zu verhelfen. Sein erfolgreiches Wirken in und durch diese Chorregentenstellung führte dann 1784, in welchem Jahre eine Neubesetzung der Capellmeisterstelle am Dome zu St. Veit nothwendig geworden, wol wie von selbst zur Berufung in diese erste kirchlich musikalische Würde der Landeshauptstadt. Unzweifelhafter Rechtschaffenheit stimmen denn auch die Chronisten darin überein, daß das dreißigjährige Walten Koscheluch’s als Domcapellmeister eine Glanzperiode bilde in den Annalen des Domchores. Uebereinstimmend charakterisiren sie ihn bei alledem als „eine äußerst bescheidene Natur“, die namentlich in letzter Zeit, außer den Vocalisten und Instrumentalisten des Domchores, sich jeder gesellschaftlichen Berührung entzog. Das musikalische Schaffen Koscheluch’s war ein ebenso mannigfaches als reiches, bestehend in Compositionen für Kirche, Theater und Kammer. Von den bekannt gebliebenen und von Kennern gewürdigten Werken sind hervorzuheben zwei Opern: „Alexander in Indien“ und „Demophon“; zwei große Oratorien: „Der Tod Abels“ und „Gioas Re de Giuda“ – 1777 in der Kreuzherrenkirche das erste Mal aufgeführt; eine Reihe von Messen größeren und kleineren Umfanges für fast alle Sonn- und Feiertage des Jahres: Litaneien Vespern, Gradualen, Offertorien und auch ein noch bis in die Neuzeit benütztes Te Deum in D. Außerdem hinterblieben von ihm eine Anzahl Arien und Duetten, sowie ein Requiem (im Manuscript). K. hinterließ drei Erben, zwei Söhne, Wenzel und Vincenz, und eine Tochter Namens Barbara, welche sämmtlich als Clavierspieler und Sänger zu Ehren kamen.

[740] Studie zur Geschichte der Musik in Böhmen von Jos. Proksch – im biogr. Denkmal „Jos. Proksch“ von Prof. Rud. Müller, Reichenberg 1874. Dlabacz, Künstlerlexikon; Jahrb. der Tonkunst von Prag und Wien, 1796.