ADB:Krug, Leopold (Großkaufmann)

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Artikel „Krug, Leopold“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 401–403, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Krug,_Leopold_(Gro%C3%9Fkaufmann)&oldid=- (Version vom 18. Oktober 2019, 10:05 Uhr UTC)
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Krug: Karl Wilhelm Leopold K., Großkaufmann und Förderer wissenschaftlicher Sammlungen, geboren auf dem Rittergute Mühlenbeck hinter Pankow bei Berlin am 1. September 1833, † zu Groß-Lichterfelde bei Berlin am 5. April 1898, erhielt eine sorgfältige Erziehung zuerst durch Privatunterricht im elterlichen Hause, dann auf dem Berliner Joachimsthal’schen Gymnasium und dem Gymnasium zum grauen Kloster, das er Ostern 1854 mit dem Reifezeugniß verließ. Nach kurzer Lehrzeit in dem Bremer Handelshause von Spießer, verließ K. 1857 Europa und trat in Puerto Rico in das Weltgeschäft von Lahmeyer & Co., nachmals Schulze & Co. in Mayaguez an der Westküste der Insel ein. Seine hervorragende kaufmännische Intelligenz machte ihn im Laufe der Zeit zunächst zum Theilnehmer und schließlich zum alleinigen Inhaber der Firma. Die deutsche und englische Regierung ernannten ihn zu ihrem Viceconsul, die spanische erhob ihn 1871 wegen seiner großen Verdienste um das Emporblühen der Insel zum Range eines Granden von Spanien. Seine von Geschäften freie Zeit benutzte K., um seinen naturwissenschaftlichen Neigungen zu folgen und zunächst auf zoologischem Gebiet in der näheren und entfernten Umgebung von Mayaguez zu sammeln.

Der Erfolg dieser jahrelangen Thätigkeit war das Zustandekommen einer umfangreichen Sammlung vorzüglich präparirter Objecte aus den verschiedensten Abtheilungen des Thierreichs, unter denen K. mit Vorliebe die kleinsten und unscheinbarsten Formen, namentlich der Insectenwelt bevorzugte. Um aber eine Untersuchung der Insel in gründlicherer Weise als seine Zeit ihm gestattete durchzuführen, veranlaßte K. den auf Cuba ansässigen Zoologen Johannes Gundlach, mehrere Expeditionen in den westlichen und nordwestlichen Theil der Insel zu unternehmen, wofür K. die Kosten bestritt. Die auf diese Weise entstandene Sammlung mit Einschluß seiner eigenen, überließ K. später dem Berliner Zoologischen Museum, das die Bearbeitung des reichen Materials veranlaßte. Auf Grund desselben erschien eine Reihe von Publicationen, die in dem unten angegebenen Nachrufe von I. Urban verzeichnet sind. Neben den Thieren und Pflanzen nahmen auch die karibischen Alterthümer Krug’s Interesse in Anspruch. Er veröffentlichte selbst darüber eine kleine Schrift: „Indianische Alterthümer in Portorico“ in dem 8. Bande der Zeitschrift für Ethnologie (1876) überließ aber im übrigen mit der ihm eigenen Liberalität die gesammelten Gegenstände dem ethnographischen Museum in Berlin. Für die Flora der Insel wurde K. interessirt durch seinen juristischen Beirath, den ihm befreundeten Advocaten Domingo Bello y Espinosa. Mit ihm gemeinsam suchte er die gesammelten Pflanzen nach vorhandenen Werken zu bestimmen. Da jedoch die litterarischen Hülfsmittel nicht immer sichere Bestimmungen ermöglichten, so wollte K. sein Pflanzenmaterial conserviren, um es später in Deutschland nachzuprüfen. Allein die üblichen Conservirungsmethoden versagten infolge des Klimas und der Insectenplage und so entschloß sich K. kurzer Hand, die Pflanzen nach der Natur zu malen, wobei er in seiner Frau eine verständnißvolle Gehülfin fand. Auf diese Weise entstanden 340 in 3 Bänden zusammengefaßte Tafeln, welche außer dem Habitus die Farben von Blüthen und Früchten naturgetreu wiedergaben zum Theil mit einigen analytischen Details. Im J. 1876 kehrte K. nach Aufgabe seines Geschäftes nach Berlin zurück. Frei von jeder pflichtmäßigen Berufsthätigkeit konnte er sich jetzt seiner Lieblingswissenschaft, der Botanik, ausschließlich widmen. Um seinen Plan, eine Herausgabe der Flora von Puerto-Rico, ausführen zu können, setzte er sich mit dem damaligen Custos, jetzigem Unterdirector des botanischen Gartens, Geh. Regierungsrath Prof. Dr. I. Urban in Verbindung und beide Männer vereinigten sich in jahrelanger mühevoller Arbeit zu einem [402] Unternehmen, das weit über die ursprüngliche Idee hinauswuchs, nämlich zur Schaffung eines großen westindischen Herbars, das inbezug auf Vollständigkeit der in ihm vertretenen Arten, auf Güte der Exemplare und saubere und sorgfaltige Etiquettirung seines gleichen in irgend einem botanischen Institute kaum finden dürfte. Es bildet jetzt als Herbarium Krug et Urban einen höchst werthvollen Bestandtheil der Sammlungen des Berliner botanischen Museums, dem es in hochherziger Weise als Geschenk überwiesen wurde. Das erste Ziel, welches beide Männer ins Auge faßten, war eine planmäßige Erforschung von Puerto-Rico, namentlich der höheren Gebirge der Ostseite. Sie gewannen hierfür den durch seine Orientreisen vortheilhaft bekannten Botaniker P. Sintenis, der von 1884–87 alle Theile der Insel, mehrere wiederholt und zu verschiedenen Jahreszeiten bereiste und die stattliche Zahl von gegen 10 000 Nummern, einschließlich der trockenen, oder in Alkohol aufbewahrten Präparate von Früchten, Samen, Hölzern, Rinden u. s. w. zusammenbrachte. Die Reisekosten bestritt wiederum K. Während der Sintenis’schen Expedition trat Urban mit dem Commandanten der dänischen Truppen auf der Insel St. Thomas, Baron H. Eggers in Verbindung, der auch als botanischer Sammler und Schriftsteller sich bekannt gemacht hatte. Dieser unternahm von 1887–90 mehrere Reisen nach St. Domingo, Jamaica, Cuba und den kleinen Antillen und gewann eine Ausbeute von im ganzen über 5000 Nummern und auch zu diesen Reisen steuerte K. erhebliche Summen bei, während einen namhaften Beitrag die Berliner Akademie der Wissenschaften bewilligt hatte. So bildeten die Sintenis’sche und Eggers’sche Sammlung den Grundstock des Herb. Krug et Urban. Dazu kamen noch einige durch Kauf und Tausch erworbene Sammlungen, so daß das Herbarium gegenwärtig 600 Mappen umfaßt und mit Ausnahme der niederen Kryptogamen alle aus Westindien bisher bekannten Pflanzenformen besitzt. Die wissenschaftliche Bearbeitung des reichen Materials lag vorzugsweise in der Hand I. Urban’s, in dessen unten angeführtem Nachrufe auch die auf Grund dieser Pflanzenschätze erschienenen Publicationen erwähnt sind. K. leitete die Verwaltungsgeschäfte. Der Umfang des Herbars stellte an seine Arbeitsleistung bei dem Etiquettiren und Catalogisiren, bei der Vertheilung nach Familien, Gattungen und Arten, der Herrichtung der Doubletten und der Führung der Verleihungsliste sehr erhebliche Ansprüche. Aber diese Arbeit war ihm Genuß und zuletzt Trost in seiner Krankheit, welche ihn infolge eines Herzleidens von 1888 an immer stärker heimsuchte, so daß er sich zuletzt sein Arbeitsmaterial nach seiner in Groß-Lichterfelde bei Berlin gelegenen Villa schaffen ließ. Außer dieser administrativen Thätigkeit ist K. auch litterarisch hervorgetreten. Während der Jahre 1884–1898 fertigte er einen „Catalogus plantarum omnium Indiae occidentatis“ an, der als Manuscript erschienen ist und für jeden auf die Flora Westindiens bezüglichen Pflanzennamen ein Quartblatt enthält, auf dem alle unter diesen Namen ermittelten Litteraturnachweise nebst Vaterland niedergeschrieben sind, eine mit peinlichster Sorgfalt ausgeführte Arbeit, die für den Monographen westindischer Pflanzenfamilien von unschätzbarem Nutzen ist. Ferner verfaßte er unter dem Titel: „Nomina vernacula plantarum Indiae occidentalis“ 1868–93 ein dreibändiges Werk, das ein alphabetisch geordnetes Verzeichniß aller Vernacularnamen westindischer Pflanzen bringt und von seinem erstaunlichen Fleiße ebenfalls rühmliches Zeugniß ablegt. Beide Werke überwies K. dem botanischen Museum in Berlin, dem er außer den schon genannten Sammlungen noch andere Zuwendungen machte. Dazu gehören eine Sammlung von Herbarpflanzen und Museumsgegenständen, die Baron Eggers in Ecuador gesammelt hatte und ferner seine pecuniäre Unterstützung beim Erwerbe fremder Sammlungen.

[403] Der Grenzen seines Könnes sich wohlbewußt, verzichtete K. auf eine eigentliche wissenschaftliche Bearbeitung der Sammlungen, wofür er sich in seiner Bescheidenheit nur als Dilettant fühlte. Ihm genügte es, das Material zur Verwerthung durch Fachbotaniker herbeigeschafft zu haben. Mit seiner eignen Person zurückzutreten lag in seinem, auf das Ideale angelegten Charakter. Es erfreute ihn wohl die Anerkennung, die ihm die preußische Regierung durch Verleihung des Professortitels und der botanische Verein der Provinz Brandenburg durch Ernennung zum Ehrenmitgliede erwies, gesucht aber hatte er sie niemals. Leider sollte er sich dieser Auszeichnungen nicht lange erfreuen. Im J. 1895 erkrankte K. schwer an Gelenkrheumatismus und wenn seine kräftige Natur diesen Anfall auch noch einmal überwand, so wiederholten sich doch seine Herzaffektionen in immer bedrohlicherer Weise, bis er ihnen schließlich nach nur kurzem eigentlichen Krankenlager im Alter von 64 Jahren erlag.

Nachrufe von I. Urban in: Berichte d. Deutsch. bot. Gesellsch. Bd. XVI, 1898 und K. Schumann in: Verhandl. des bot. Vereins der Provinz Brandenburg Bd. XXXX, 1898.