ADB:Kupelwieser, Leopold

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Artikel „Kupelwieser, Leopold“ von Bernhard Grueber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 405–407, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kupelwieser,_Leopold&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 23:34 Uhr UTC)
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Kupelwieser: Leopold K., Historienmaler kirchlicher Richtung, wurde am 17. October 1796 zu Piesting in Unterösterreich geboren, zeigte schon in zarter Kindheit Neigung zur Malerei und trat, nachdem er nur die Elementarschulen durchgemacht, erst dreizehn Jahre alt, in die Akademie der Künste zu Wien als Schüler ein. In den J. 1816–1818 kopirte er in der Gemäldegallerie zu Dresden mehrere Werke, malte dann ein lebensgroßes Bildniß des Kaisers Franz I. für den Sitzungssaal des Appellationsgerichtes in Prag, wodurch er sich einen bleibenden Ruf begründete und in den Stand versetzt wurde, Italien bereisen zu können. Obwol K. nur kurze Zeit (1824–1825) dort verweilen konnte, waren die Einwirkungen dieser Reise doch entscheidend für seine fernere künstlerische Thätigkeit. Angezogen von den Werken der alten Florentiner, vor allem des Fra Giovanni Angelico da Fiesole, widmete er sich fortan ganz der religiösen Kunst, und machte zuerst Studien nach den Fresken Fiesoles von solchem Feingefühl, daß man die Hand des ehrwürdigen alten Meisters selbst vor sich zu sehen glaubte. In seine Heimath zurückgekehrt, führte er seit 1825 zahlreiche Altarbilder für verschiedene Kirchen in Ober- und Unterösterreich, Böhmen und Ungarn aus, bis ihm die Erweiterung der Stadt Wien und die vielen Neubauten einen neuen Wirkungskreis eröffneten. Mit Führich die gleiche Anschauungs- und Sinnesweise theilend, schloß er sich enge an diesen an und führte gemeinschaftlich mit demselben die Fresken in der Altlerchenfelder- und [406] der St. Johanneskirche zu Wien aus, wobei selbstverständlich noch untergeordnete Kräfte mitwirkten. In Verbindung mit Führich und dem Architekten Karl Rösner stiftete K. den Severinsverein und veröffentlichte eine Reihe von Lithographien, um die katholischen Kunstbestrebungen in weitern Kreisen zu verbreiten. Im Jahre 1830 wurde er zum Corrector, 1837 zum ordentlichen Professor der Historienmalerei an der Wiener Akademie ernannt, in welcher Stellung er bis an sein Ende wirkte und viele tüchtige Künstler heranbildete. K. übte einen sehr nachhaltigen und erfreulichen Einfluß auf Neugestaltung der österreichischen Kunst, und machte sich besonders um das Aufblühen der Frescomalerei verdient. Wenn auch minder reich an Erfindungsgabe als sein Freund Führich, ist er frei von dessen Härten und Uebertreibungen, auch milder in seinem Auftreten: sein Styl ist geläuterter, die Zeichnung sicherer und der Ausdruck beseelter. Dazu kommt, daß K. die Technik des Malens vollständig beherrscht und allen seinen Werken das Gepräge feierlicher Einheitlichkeit zu geben weiß. Staunenswerth sind seine Leistungen im Fache der Frescomalerei, welche er mit einer Leichtigkeit und Eleganz behandelt, wie kein Zweiter seiner Zeitgenossen. In der 1841–1846 erbauten Kirche des heil. Johann v. Nepomuk zu Wien führte der Meister das große, in der Chornische befindliche Gemälde aus: den heil. Johannes in einer Glorie, umgeben von den Kirchenvätern. Dieses auch in räumlicher Hinsicht umfassende Werk, zeichnet sich durch feine Empfindung und kräftige Farbe aus, ist dabei trefflich in seiner prospectivischen Wirkung. Nebenher wurden als Staffeleibilder gefertigt: eine „Himmelfahrt Mariä“ für die Universitätskirche in Wien, „Mariä Geburt“ für die Stiftskirche zu Klosterneuburg, dann „Moses, den Herrn um Sieg über die Amalekiter anflehend“. Eine der letzten und zugleich liebeswürdigsten Arbeiten Kupelwieser’s ist das zwar nicht große aber mit unübertrefflicher Zartheit vollendete Altarbild für die Irrenhauskirche Slup zu Prag, „Mariä Verkündigung“ darstellend. So häufig diese Aufgabe von Künstlern ersten Ranges bearbeitet worden ist, so Gediegenes ein Albertinelli, Ghirlandajo, Raphael und Andere geleistet haben, wird doch dieses nur 6 Fuß hohe und 4 Fuß 6 Zoll breite Bild neben allen frühern und späteren Meisterwerken einen ehrenvollen Platz behaupten. Die beiden fast lebensgroßen Figuren vereinigen sich in dem gothischen an der Oberseite ausgeschweiften Rahmen zu einer pyramidalen Gruppe: auf der rechten Seite, schon etwas in das Mittelfeld des Bildes übergreifend kniet die betende Maria und schaut mit Staunen zu dem hereinschwebenden Boten auf. Demüthige Hingebung, Verschämtheit und Ueberraschung malen sich in dem lieblichen Gesichte, während der Engel seine Botschaft verkündet. Dieser ist ganz in ein lichtes Gewand eingehüllt und gleicht einem schönen Knaben: er verbeugt sich ehrerbietig vor der heiligen Jungfrau und deutet mit der Hand nach oben um seine göttliche Sendung auszudrücken. Jeder überflüssige Prunk wie auch die von den Kirchenmalern beliebten Hülfsmittel, Schriftbänder und Embleme, sogar die Heiligenscheine sind vermieden: man sieht weder typische Gesichter, noch ungebrochene Farben, wie bei Führich und seinen Anhängern, der Künstler hat nur das malerische Element zur Geltung gebracht. An der Ausmalung der Altlerchenfelderkirche in Wien hat sich K. neben Führich in hervorragender Weise betheiligt: es waren ihm die in der Kuppel und dem Querschiffe auszuführenden Wandgemälde übertragen worden, welche er mit anerkannter Meisterschaft vollendete, jedoch, wie es schon vielen Frescomalern erging, auf Kosten seiner Gesundheit. Die Kuppel enthält acht Darstellungen aus der heiligen Legende: die Marien am Grabe, die Verzückung des heiligen Franciscus u. a., unterhalb die vier Evangelisten. Im Querschiff sieht man zwei große Compositionen: „die thronende Maria“ und gegenüber „das Abendmahl“, nebenan einzelne Figuren, [407] Abraham und Melchisedech, Judith und Rachel. So glänzend die Ausführung dieser Werke hat sie der Künstler noch überboten in einem Deckengemälde, welches er für den großen Saal des Statthaltereigebäudes zu Wien geschaffen hat. Die Darstellung ist allegorischen Inhalts: Austria umgeben von den symbolischen Gestalten der Wahrheit, Gerechtigkeit, Stärke und Weisheit, als der vorzüglichsten Regententugenden, erblüht unter dem Schutze der Religion. Austria, die Kaiserkrone auf dem Haupte, Scepter und Wappenschild in der Rechten, thront auf Wolken und wird von der hinter ihr stehenden mit einem weiten Mantel bekleideten Figur der Religion leise umfangen. Auf der rechten Seite (vom Beschauer) stützt sich die Stärke auf eine Keule und hält einen Löwen fest, während die nebenan ruhende Weisheit in tiefem Sinnen begriffen ist und eine Pergamentrolle entziffert. Zu ihren Füßen liegen Bücher, Instrumente und andere Zeichen der Gelehrsamkeit. Dicht neben der Austria, schwingt sich der Genius des Ruhmes mit einem Lorbeerkranze empor, mit welchem er den Scepter umwindet. Weiterhin gegen links erblickt man die Wahrheit mit dem Spiegel in der Hand, eine vorzüglich schöne von Schwermuth angehauchte Gestalt, bei deren Schöpfung vielleicht Grillparzer etwas eingewirkt haben mag. Die Gerechtigkeit mit Wage und Schwert schließt diese Seite ab. Die Anordnung dieses Gemäldes, dessen Inhalt von Seite der Behörden festgestellt worden war, ist eben so einheitlich als leicht verständlich, das Ganze beurkundet hohen Adel und vollendete Meisterschaft und wurde sogleich nach seinem Entstehen als vorzüglichste Leistung der österreichischen Kunst erklärt. Es sind mehrere Abbildungen in Kupferstich und Lithographie veröffentlicht worden, ein in Umrissen gehaltener Stich ist auch den „Denkmälern der Kunst“, (Atlas zu Kugler’s Handbuch der Kunstgeschichte, Taf. 127, Fig. 2) beigefügt. Kupelwieser’s Leben war ein ruhiges, vom Glücke begünstigtes. Ohne in seiner Jugend mit Mangel und Kümmernissen aller Art ringen zu müssen, fielen ihm die Mittel zu seiner künstlerischen Ausbildung sozusagen ohne Mühe zu: er erwarb sich in Füger’s Schule eine tüchtige Technik, welche er durch fleißiges Kopiren guter alter Gemälde noch vervollkommnete. An frühzeitiger Anerkennung in dem damals (1818–1824) kunstarmen Oesterreich fehlte es nicht und schon in seinem vier und zwanzigsten Jahre galt er als vollendeter Meister. Seit 1830 als Lehrer an der Wiener Akademie wirkend, hat K. viele Schüler herangebildet, von denen der geistreiche Vogler mit Auszeichnung erwähnt zu werden verdient. K. war Mitglied der meisten Akademien in Europa, auch Inhaber verschiedener Orden und Ehrenstellen. Rastlos thätig, dabei gesellig und liebenswürdig im Umgange, war er stets bereit jüngern Künstlern mit Rath und That beizustehen und Nothleidende zu unterstützen. Begabt mit einer tiefreligiösen Sinnesweise lebte er in stiller Ruhe ganz der Kunst und seinen Arbeiten, seine Anschauungen weder verbergend noch zur Schau tragend. Die Anzahl der von seiner Hand in Oel ausgeführten Altarbildtr beträgt gegen achtzig, dazu kommen noch viele kleine Gemälde, welche er für Freunde oder Gallerien bestimmt hat. Einer festen Gesundheit bis in das sechzigste Jahr sich erfreuend, scheint er sich durch das anstrengende Malen auf nassen Kalk ein Leiden zugezogen zu haben, welches anfänglich nicht beachtet wurde, aber mehr und mehr um sich griff und am 17. November 1862 den Tod herbeiführte, nachdem er gerade einen Monat früher den sechs und sechzigsten Geburtstag gefeiert hatte.

Nekrologe in Wiener Zeitschriften. – Förster, Geschichte der neuen deutschen Kunst. – Klunzinger, Neuestes Künstlerlexikon. – Briefe und Mittheilungen von Kupelwieser’s eigner Hand.