ADB:Kupezky, Johann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kupetzky, Johann“ von Bernhard Grueber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 408–410, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kupezky,_Johann&oldid=- (Version vom 20. November 2019, 02:32 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Kuper, Johann
Nächster>>>
Kupffer, Adolph
Band 17 (1883), S. 408–410 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Kupetzky in der Wikipedia
GND-Nummer 121110559
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|17|408|410|Kupetzky, Johann|Bernhard Grueber|ADB:Kupezky, Johann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=121110559}}    

Kupetzky: Johann K., Maler, wurde 1666 zu Pösing in der deutschungarischen Gespannschaft Preßburg geboren, und war der Sohn eines armen Mannes, welcher zur Zeit der Religionsverfolgungen aus Böhmen flüchten mußte. Als Knabe von etwa zwölf Jahren wurde Johann zu einem Weber in die Lehre gegeben, entlief aber bald und trieb sich bettelnd in den österreichischen Grenzlanden herum, bis er zufällig die Bekanntschaft eines im Schloße des Grafen Czobor beschäftigten Malers machte. Diesem sah er einige Zeit bei der Arbeit zu, ergriff dann eine Kohle und zeichnete allerlei Verzierungen mit solchem Geschick an die Wand, daß der Maler den Grafen auf das Talent des Knaben aufmerksam machte. Der Graf fand Gefallen an dem lernbegierigen Jungen, sorgte für seinen Unterhalt und übergab ihn dem Maler Klaus, einem Schweizer, zur weitern Ausbildung. Bei diesem durchaus untergeordneten Meister, der sich in Wien niedergelassen hatte, verblieb K. über drei Jahre und lernte in dieser Zeit eigentlich nicht viel mehr, als Farben reiben, Anstreichen und ein bischen Kopiren. Dann trieb es ihn fort nach Italien, obgleich er weder Vorkenntnisse, Empfehlungen noch Geld besaß. Vergebens suchte er in Venedig unterzukommen, keiner von den dort beschäftigten Meistern wollte ihn aufnehmen, weil sein ärmliches Aussehen keine große Geschicklichkeit verhieß. Wieder zum Wanderstabe greifend, bettelte er sich bis Rom, wo er von den deutschen Künstlern freundlich aufgenommen und unterstützt wurde. Matthias Füßli d. J. verschaffte ihm einträgliche Arbeiten, Agricola und andere halfen mit Rath und That aus, daß der zwar vom besten Willen beseelte, aber einigermaßen verwilderte Kunstjünger gründliche Studien machen konnte. Nun ging es mit Riesenschritten vorwärts, nicht allmählich, wie sein Freund Füßli sich ausdrückte, sondern mit einem plötzlichen Sprunge erreichte K. seine künstlerische Vollkommenheit. Seine Gemälde fanden solchen Beifall, daß er viele Aufträge erhielt, und unter andern für den Fürsten Alexander Sobiesky volle zwei Jahre thätig sein mußte. Als anerkannter Künstler durchreiste K. in den J. 1705–1709 Italien, um die Meisterwerke in Neapel, Florenz, Bologna, Venedig und andern Städten kennen zu lernen, und hinterließ überall treffliche Arbeiten seiner Hand: dann folgte er einer Einladung des Fürsten Adam Liechtenstein, und begab sich, nachdem er zwei und zwanzig Jahre in Italien verlebt, nach Wien, wo er anfänglich nur für den Fürsten beschäftigt war. Sein Talent als Portraitmaler fand in kurzer Zeit allgemeine Anerkennung: Kaiser Karl VI. und seine jugendliche Gemahlin, Elisabeth von Braunschweig, dann Fürst Liechtenstein und viele Personen höchsten Ranges, ließen sich von ihm abbilden. Im J. 1716 wurde er von dem damals in Karlsbad weilenden Kaiser Peter I. von Rußland berufen, um dessen Portrait zu malen. K. vollendete dieses Bild mit solcher Meisterschaft, daß ihm der Kaiser noch viele Aufträge ertheilte und ihn als Hofmaler nach Petersburg berufen wollte. So vortheilhaft dieser Antrag, lehnte der Künstler dennoch ab, wie er schon mehrere Berufungen an Höfe zurückgewiesen hatte. Bald nach seiner Niederlassung in Wien heirathete er, bereits zwei und vierzig Jahre zählend, aus Dankbarkeit gegen seinen ersten Lehrer Klaus, dessen hinterlassene, in den bedrängtesten Verhältnissen lebende Tochter, welche Ehe mit einem Sohne und zwei Töchtern gesegnet war, sonst aber nicht ganz glücklich gewesen zu sein scheint. Das Glaubensbekenntniß des Meisters (er gehörte der Gemeinde der Böhmischen Brüder an) war Ursache von allerlei Zerwürfnissen, denn K. schwärmte für seinen Glauben und suchte [409] demselben hohe Beschützer zuzuführen. Weil er seine Gattin überredet hatte, in die Brüdergemeinde einzutreten, kam er mit der katholischen Geistlichkeit Wiens in Conflict, und hielt sich dort nicht mehr sicher. Um weitläufigen Verdrießlichkeiten zu entgehen, begab er sich mit seiner Familie plötzlich nach Nürnberg und wirkte dort bis an sein Ende als vielbeschäftigter Portraitmaler. Von nah und fern fanden sich Fürsten, Bischöfe und andere hochgestellte Personen ein, um von seinem Pinsel verewigt zu werden; der Kurfürst von Mainz, der Herzog von Gotha beriefen ihn zu sich, und von England und Dänemark aus wurden ihm Aufträge zu Theil. Wenige Künstler Deutschlands hatten sich so ungetheilter Anerkennung zu erfreuen, als K.; beinahe von allen europäischen Regenten waren ihm einträgliche Stellen angeboten worden, seine Neigung jedoch, ein unabhängiges Leben führen zu können, hieß ihn die glänzendsten Einladungen abzulehnen. Als Fürst Adam Liechtenstein ihm eine prächtige Wohnung in seinem Palaste zur Verfügung stellte, zog er ein bescheidenes Quartier in der Stadt vor, angebend, daß er dort ungestörter arbeiten könne. So sehr die hohen Herrn ihn auszeichneten, vermied er doch jede nähere Berührung mit denselben, und war überhaupt kein sehr geselliger umgänglicher Mann; dagegen ein treuer Freund und stets eingedenk aller in früherer Zeit empfangenen Wohltthaten. Mit Matthäus Füßli d. J., welcher um den Schluß des siebzehnten Jahrhunderts in Rom unter Luti studirte und Johann Caspar Füßli verblieb er in einem ununterbrochenen Verkehr und ernannte letzteren zu seinem Testamentsvollstrecker. Dem freundschaftlichen Umgang mit der Familie Füßli ist es zu verdanken, daß wir über Kupetzky’s Leben zusammenhängende Nachrichten besitzen. Sehr wohlhabend und in äußerlich günstigen Verhältnissen lebend überfiel den im hohen Alter fortwährend thätigen Meister eine tiefe Melancholie, als sein talentvoller und zärtlich geliebter Sohn starb. Er wollte fortan Niemanden mehr sehen und verschied bald nachher im J. 1740, indem er seine ihn überlebende Frau zwar als Haupterbin einsetzte, aber die Schulen, und namentlich die Armen Nürnbergs reichlich bedachte, auch den Salzburgschen Emigranten einen Theil seines Vermögens zuwandte. Bei seinem Leichenbegängnisse zeigte sich die protestantische Geistlichkeit der freien Reichsstadt Nürnberg ebenso intolerant, wie ehemals die katholische in Wien: der Anhänger der Böhmischen Brüder mußte am frühesten Morgen in aller Stille begraben werden. Neben einem ansehnlichen Baarvermögen hinterließ K. eine werthvolle Sammlung theils eigenhändig gefertigter, theils erworbener Kunstwerke, von denen eine ausgewählte Partie um den Preis von 16 000 Gulden verkauft wurde. Seine Schüler waren: Benjamin und Gabriel Müller, Brendel, Konrad Mannlich, Joh. Noah Bemmel, Ig. Roth und sein bereits erwähnter Sohn, welche alle sich zu namhaften Malern ausbildeten. Als Historienmaler konnte sich K. nicht über die Geschmacksrichtung seiner Zeit erheben, er gehörte zu den künstlerischen Eklektikern, welche aus den Werken Raphaels, Correggios, Tizians u. A. das Beste auszuwählen und sich anzueignen strebten, dabei aber in leere Virtuosität verfielen. Auch waren Darstellungen, welche sorgfältig überdacht und in allen Theilen mit Gewissenhaftigkeit durchgebildet sein wollen, nicht Sache des unruhigen und vielbeschäftigten Meisters: doch zeichnen sich alle seine hierher gehörigen Arbeiten durch einen kräftigen Auftrag und eine natürliche Farbengebung aus. Die meisten dieser Bilder trifft man in den Sammlungen zu Wien, namentlich in der Liechtenstein’schen Gallerie, sie bewegen sich in einem ziemlich engen Kreise und bestehen nur aus wenigen Figuren: man sieht einzelne Heiligenbilder, wie „Bartholomäus“, „Franciscus“, „Maria Magdalena“, heilige Familien, auch mythologische Darstellungen, wie den „Tod des Adonis“ u. dgl. mehr. Ansprechender wird K., wenn er eine Stufe tiefer steigt und das [410] Genrefach behandelt. Wo es gilt, frisch in das Leben hineinzugreifen und den malerischen Moment zu erfassen, leistet der Künstler treffliches. Allbekannt ist das schöne, von Bause gestochene Bild „Die Vertraute“, ebenso der sogenannte „Philosoph“, abgebildet in Kugler’s Atlas der Kunstgeschichte: nicht minder gelungen sind einige Gruppen von Bettlern und Musikanten. Am höchsten jedoch steht K. als Bildnißmaler. Welch ungemessene Verehrung ihm seinerseits zu Theil wurde, ersieht man aus nachstehenden Worten Füßli’s: „Um sich eine gründliche Einbildung von Kupetzky’s Köpfen zu machen, muß man die Stärke von Rubens, das Zarte und Geistige von Vandyck und den Schatten und die Zauberei von Rembrandt sich vorstellen.“ – Ohne in diese und ähnliche überschwängliche Lobreden einstimmen zu wollen, dürfen wir ihn unbedingt den ersten Meistern des Portraitfaches beizählen; ja ihm (von den Niederländern abgesehen) unter seinen deutschen Genossen die Palme zuerkennen. Die Auffassung seiner Bildnisse ist immer edel und dem Charakter der dargestellten Personen entsprechend, die Stellung lebendig, Farbe und Haltung naturgemäß und von feinster Nüancirung. Ob K., wie von mehreren Seiten behauptet wurde, den Rembrandt habe nachahmen wollen, darf bezweifelt werden: wo er sich diesem Meister nähert, geschah es zufällig, indem die Natur ihn auf denselben Weg leitete. Ebenso verhält es sich mit den Anklängen an Vandyck und Tizian. Vorzügliche Portraits seiner Hand enthalten beinahe alle Gallerien in Europa, vorzugsweise Wien, wo er am längsten, und in voller Manneskraft wirkte. Die schon genannten Bilder der kaiserlichen Familie gehören zu den besten; sehr charakteristisch ist die Gestalt des edlen Ritters „Prinz Eugenius“ aufgefaßt, ferner die des „Franz Rakoczy II. von Siebenbürgen“. Sein eigenes Portrait hat K. öfters gemalt, ein sehr gelungenes befindet sich in Stuttgart, ein zweites in Dresden. Die Pinakothek zu München besitzt das Bildniß eines jungen Mädchens, welches lustig und schelmisch aus dem Rahmen blickt; im Schloße Pommersfelden sah man vor einigen Jahren das mit besonderm Fleiß durchgeführte Kniestück eines reformirten Geistlichen, neben welchem sein Söhnchen steht. Man erkennt, daß der Dargestellte den nähern Freunden des Künstlers, wahrscheinlich auch der Brüdergemeinde angehört. Der Ausdruck des alten Mannes, welcher seine Predigt zu überlegen scheint, ist von höchster Wahrheit, und bildet zugleich einen interessanten Gegensatz zu dem harmlosen Kindergesichte nebenan: dabei ist das Ganze aufs feinste modellirt und von bewunderungswürdiger Harmonie. Dieses Bild soll nach England gekommen sein, genaue Nachrichten fehlen. Mit Vorliebe wählte K. für seine Portraits das Format des Kniestücks und eine Höhe von 3–4 Fuß neben entsprechender Breite. Nach ihm haben gestochen: Balzer, Bause, Joh. Jak. Haid, Kraupertz, Schmutzer, Vogel und Westermayer. Bernhard Vogel veröffentlichte unter dem Titel: Joh. Kupetzky imagines et picturae quotquot earum haberi potuerunt, antea arte quam vocant nigra incisae a Bernh. Vogelio, jam vero similiter continuatae opera et sumptibus V. D. Preisleri, eine Sammlung von 73 Bildnissen.

Füßli, Allgemeins Künstlerlexikon, Zürich 1773. – Abbildungen und Lebensbeschreibungen der böhmischen und mährischen Gelehrten und Künstler. – Lipowsky, Bairisches Künstlerlexikon. – Meusel, Museum für Künstler und Kunstliebhaber. – Eigene Untersuchungen.