ADB:Löhlein, Georg Simon

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Artikel „Loehlein, Georg Simon“ von Moritz Fürstenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 125, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:L%C3%B6hlein,_Georg_Simon&oldid=2501500 (Version vom 22. November 2017, 14:29 Uhr UTC)
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Band 19 (1884), S. 125 (Quelle).
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Loehlein: Georg Simon L. wurde geboren 1727 in Neustadt an der Heide im Coburgischen. Ueber seine Erziehung ist nichts bekannt geworden, man weiß nur, daß er seiner außerordentlichen Größe wegen bereits in seinem 16. Lebensjahre in Potsdam mit Gewalt zum Soldaten ausgehoben wurde, eben als er auf einer Reise nach Kopenhagen begriffen war. In der Schlacht bei Collin blieb er schwer verwundet unter den Todten liegen, wurde aber von den Kaiserlichen in ein Hospital gebracht und kehrte nach erfolgter Heilung in die Heimath zurück, wo er sich den Wissenschaften widmete und im Clavier- und Violinspiel vervollkommnete. 1760 ging er nach Jena, um dort zu studiren, scheint aber hauptsächlich Musik getrieben zu haben, da er 1761, als Musikdirector Wolf nach Weimar berufen wurde, an dessen Stelle trat. Zu jener Zeit wird sein Harfenspiel gerühmt. – Nach dem Hubertusburger Frieden wendete sich L. nach Leipzig, ertheilte dort Musikunterricht und erhielt bald eine Stelle bei der ersten Violine im „großen Concert“, in welchem er auch als Claviervirtuos auftrat. Nebenher errichtete er ein „wöchentliches Liebhaberconcert“, das Mittwochs stattfand und in welchem fast alle Instrumente von seinen Schülern besetzt waren, componirte fleißig, radirte viele seiner Werke selbst in Kupfer und reparirte sogar alte Violinen. Zu bedeutendem Ansehen gelangt, erhielt er 1779 einen Ruf als Kapellmeister an die Oberpfarrkirche zu St. Marien nach Danzig, starb aber dort bereits am 16. December 1781. Die Compositionen Loehlein’s erschienen von 1766 an bei Breitkopf in Leipzig und Guera in Lyon. Dieselben bestanden aus Partiten, Sonaten, 2 Trio’s (op. IV), einem Quartett (op. VI) und 7 Concerten (op. V, VII und VIII) für Clavier mit Begleitung von Streichinstrumenten, beziehentlich Orchester. Am bekanntesten wurde er durch seine Schulen, welche damals und noch geraume Zeit nachher sehr geschätzt wurden. Eine Clavierschule oder „Kurze und gründliche Anweisung zur Melodie und Harmonie, durchgehends mit praktischen Beyspielen erkläret“ erschien zuerst 1765 in Leipzig und Züllichau. Dieselbe erlebte noch vier Auflagen (1772, 1779, 1781 und 1797), zuletzt umgearbeitet und vermehrt von J. G. Witthauer. Der zweite Band von Loehlein’s „Clavierschule, worinnen eine vollständige Anweisung zur Begleitung der unbezifferten Bässe, und andern im ersten Bande fehlenden Harmonien gegeben wird: durch sechs Sonaten, mit Begleitung einer Violine, erklärt. Nebst einem Zusatze vom Recitativ“ erschien 1781 ebenfalls in Leipzig und Züllichau. Diese Schulen, namentlich der zweite Theil, lagen der von A. E. Müller im J. 1804 bei Frommann in Jena herausgegebenen Clavierschule zu Grunde, welche wiederum 9 Auflagen erlebte. – In Leipzig und Züllichau ließ L. 1774 noch folgendes Werk erscheinen: „Anweisung zum Violinspielen, mit praktischen Beyspielen und zur Uebung mit 24 kleinen Duetten erläutert“. Diese Violinschule erschien zum zweiten Male 1781 und zum dritten Male 1797 mit Verbesserungen und Zusätzen, auch mit 12 Balletstücken aus der Oper „Brenno“ vermehrt, herausgegeben von J. Fr. Reichardt.