ADB:Lehr, Leopold Franz Friedrich

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Artikel „Lehr, Leopold Franz Friedrich“ von Karl Friedrich Ledderhose in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 151–152, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lehr,_Leopold_Franz_Friedrich&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 04:55 Uhr UTC)
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Lehr: Leopold Franz Friedrich L., Liederdichter, am 3. September 1709 geboren zu Kronenberg nicht weit von Frankfurt a/M., † am 26. Januar 1744. Sein Vater war nassauischer Hofrath. Beide Eltern hatten einen ernsten Sinn und suchten den begabten Sohn frühe zu Studien anzuhalten. Er besuchte das idsteinische Gymnasium, das er im J. 1727 mit glänzendem Zeugnisse verließ. Einst kam A. H. Francke auf einer Reise zu dem Hofrath L., der nichts Eiligeres zu thun hatte als seinen Sohn dem theuren Knecht Gottes zum Einsegnen vorzuführen. L. konnte es nie vergessen. Ehe er die Universität bezog, hielt er sich eine Zeit lang bei seinen Eltern auf. Von seinem sterbenden Vater erhielt er hier die mächtigsten Eindrücke auf sein Herz. In Jena studirte er Theologie unter Leitung des ebenso gelehrten als frommen Buddeus. Nach einem Jahre vertauschte er Jena mit Halle. Francke war zwar todt, aber in seinem Geiste wurde von seinen Freunden fortgearbeitet, besonders genoß L. das Vertrauen Freylinghausen’s, dessen Kinder er unterrichtete. Im J. 1731 folgte er dem Ruf nach Köthen als Lehrer der Prinzessinnen. Zum wohlverdienten Lohn ward er 1740 zum Diaconus in Köthen ernannt, wo er eine gesegnete Wirksamkeit entfaltete. Mehrere Rufe, die an ihn ergingen, schlug er aus, er konnte sich von seiner Gemeinde, die ihn liebte und ehrte, nicht trennen. In Köthen war es, wo seine dichterische Ader in geistlichen lieblichen Liedern sich entwickelte. Er arbeitete mit dem trefflichen Liedersänger Allendorf (Bd. I S. 349), damals Hofprediger in Köthen, für die Sammlung der sogenannten Köthnischen Lieder. Eines seiner schönsten Lieder, von denen einige den Weg in die Gesangbücher gefunden haben, ist das Lied: „Mein Heiland nimmt die Sünder an“, ein ächt evangelisches, inniges Lied. Wie sein Leben, so war auch sein Sterben erbaulich. Er predigte noch am Neujahrstage 1744 gewaltig, daß Alles ergriffen war, und reiste mit seiner Frau, Christina Maria geb. Stilke, in ihre Vaterstadt Magdeburg. In Kloster-Bergen und Magdeburg predigte er, Ewigkeitsgedanken durchzogen seine Seele. Er wurde bald bedenklich krank. Einem besuchenden Freunde sagte er: „Ich eile meiner Heimath zu. Dieses Lied habe [152] ich schon einige Jahre zuvor auf mein Ende gemacht.“ Sein Sterbebett verklärte sich zu einer lieblichen Kanzel, von welcher alle Besuchenden einen tiefen Eindruck mitnahmen. Wovon sein Herz voll war, davon strömte sein Mund über. Sein letztes Wort war der, in welchem sein Herz ruhte.

Vgl. Koch’s Kirchenlied, 4. Bd., S. 446 etc. und das Leben des L. F. F. Lehr nebst seinen Liedern, Schaffhausen 1850, von dem Unterzeichneten.