ADB:Lehrberg, Aron Christian

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Artikel „Lehrberg, Aron Christian“ von Heinrich Diederichs in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 152, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lehrberg,_Aron_Christian&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 16:48 Uhr UTC)
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Lehrberg: Aron Christian L., war geboren zu Dorpat den 7. August 1770. Er wuchs unter den kümmerlichsten und bedrängtesten Verhältnissen auf, zeichnete sich aber durch Fleiß und Begabung auf der Hauptschule so sehr aus, daß es ihm durch die Unterstützung theilnehmender Menschenfreunde möglich wurde, 1788 die Universität Jena zu beziehen. Hier studirte er als Berufsfach Theologie, widmete sich jedoch mit dem größten Eifer der Völkerkunde, Philosophie und Pädagogik und stand auch mit Schiller in persönlichem Verkehr. Da die zugesagten Unterstützungen ausblieben, wurde er aus schwerer Bedrängniß durch die Großmuth des livländischen Kreismarschalls v. Bock befreit, der ihm die Mittel zum Besuch anderer Universitäten und weiterer Reisen gab, unter der einzigen Bedingung, daß er später der Erzieher seiner Söhne werde. L. studirte nun ein Jahr in Göttingen und hielt sich dann längere Zeit in Frankreich und in England auf, von wo er am Ende 1794 nach Dorpat zurückkehrte. Zwölf Jahre lang war er darauf Erzieher im Hause des Herrn v. Bock, zuerst in Dorpat, dann in St. Petersburg. Er nahm lebhaften Antheil an den Vorarbeiten für die Begründung einer Universität in Dorpat und deren Errichtung im J. 1802 erfüllte ihn mit großer Freude. 1807 wurde er Adjunct und bald nachher außerordentlicher Akademiker der Wissenschaften in St. Petersburg. Seine Studien beschäftigten sich vorzugsweise mit altrussischer Geschichte, Geographie und Genealogie. Mehrmalige Berufungen nach Dorpat hatte er aus Dankbarkeit gegen den Herrn v. Bock abgelehnt. Seine letzten Jahre waren durch schweres Gichtleiden getrübt, das ihm allmählich den Gebrauch seiner Hände und Füße raubte und zuletzt seinen Tod herbeiführte. Er starb am 24. Juli 1813 im rüstigsten Mannesalter, wegen seines edlen Charakters und seiner hohen Begabung von seinen Freunden tief beklagt. Während seiner Lebzeit war von ihm nichts im Druck erschienen. Erst nach seinem Tode gab der ihm durch gleiche Studien nahe stehende Philipp Krug im Auftrage der Akademie der Wissenschaften Lehrberg’s gesammelte Abhandlungen unter dem Titel „Untersuchungen zur älteren Geschichte Rußlands“, Petersburg 1816, heraus. Sie zeugen von Lehrberg’s großer Gelehrsamkeit, hervorragendem Scharfsinn und seiner Kritik und sind auch heute noch von Werth, besonders die Abhandlung über die Wohnsitze der Jemen, ein Beitrag zur Geschichte Neu-Finnlands. Bei längerem Leben würde L. unzweifelhaft Bedeutendes auf dem Gebiete der älteren russischen Geschichte geleistet haben. Aber auch jetzt ist er ein würdiger Genosse der Schloezer, Ewers, Krug und Kunik, einer jener deutschen Gelehrten, welche die wissenschaftliche Erforschung der älteren russischen Geschichte begründet haben. Erst lange nach Lehrberg’s Tode erschien seine Abhandlung über den Criwe oder den nordischen Papst in den Sendungen der kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst, I. S. 137 ff., in der er, viel kritischer als Voigt in seiner Geschichte Preußens, schwerwiegende Bedenken gegen die Erzählung Peter v. Dusburgs erhebt.

G. F. Parrot, Biographische Notizen über L. vor den Untersuchungen.