ADB:Leroy, Wilhelm

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Artikel „Leroy, Wilhelm“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 426–428, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Leroy,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 22:29 Uhr UTC)
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Leroy: Wilhelm (Regis, König) L., deutscher Buchdrucker zu Lyon im 15. Jahrhundert. Die französischen Bibliographen haben sich lange gesträubt, eben so wie sie früher den Drucker Ulrich Han (Bd. X. 495) als Le Coq sich vindicirten, auch diesen Drucker nicht als einen der ihrigen ansehen zu sollen, aber doch endlich nicht umhin gekonnt, ihm seine deutsche Nationalität willig zuzuerkennen und dabei offenherzig zu gestehen, daß, wie in allen anderen Städten Frankreichs, so auch in Lyon die Druckkunst durch Deutsche eingeführt worden sei. Wir nehmen gerne Act von diesem speciellen sowol als allgemeinen Eingeständniß. Ueber den Ort und die Zeit der Geburt unseres Künstlers, sowie sein Vorleben herrscht völlige Dunkelheit und deutsche wie französische Bibliographen haben bis jetzt vergebens versucht, diese Ungewißheit zu beseitigen. Als L. in Lyon sich niederließ, verband er sich zuerst mit dem Franzosen Barthélemi Buyer, der jedoch kein gelernter Buchdrucker war, sondern lediglich in [427] seinem Hause die Druckerei errichtete; doch bildete er sich allmählich auch für dieses Geschäft aus und veröffentlichte in dieser Eigenschaft mehrere Drucke. Nach 1480 erscheint jedoch kein Buch mehr unter seinem Namen, er zeigt sich aber auf dem ersten zu Lyon 1473 in Gemeinschaft mit L. gedruckten Buche: „Compendium reuerendissimi Lotharii Cardinalis … Quintodecimo Kal. octobres“, 4°, ein Buch, das so außerordentlich selten ist, daß bis jetzt nur ein einziges Exemplar in der Bibliothek zu Turin aufgefunden wurde. Die Unterschrift dieses Druckes lautet: „Lugduni per Guillermum Regis huius artis impressorie expertem: honorabilis viri Bartholomei Buyerii dicte ciuitatis ciuis iussu et sumptibus“. Ein anderer, gleichzeitiger und ohne Zweifel derselben Familie angehöriger „Jacques Buyer“ erscheint nur einmal und zwar in Verbindung mit dem deutschen Drucker Matthias (Mathis, Matthys, Matthieu) Huß, und zwar 1487 in der Endschrift des Druckes „Le Grant vita Christi“ (per Ludolphum), am Ende: „Cy finist le tres bel et proffitable livre des meditations sur la vie de Jehsus Crist … Imprime en la cite de Lion sur le Rosne par maistre Jacques Buyer … et Matthieu Hus de la nation d’Allemaigne …“, Fol. mit Holzschnitten. Was M. Huß anbelangt, so gehörte er zu den ersten, welche die Druckkunst in Lyon einführten und eine große Zahl Bücher trägt seinen Namen. Er war auch mit seinen Landsleuten Johann Schabeler und Joh. Battenschene vergesellschaftet, doch darf man ihn nicht mit Martin Huß von Botwar (in Württemberg) verwechseln, der wahrscheinlich zu derselben Familie zählte und im J. 1478 in Verbindung mit Johann Faber oder Fabri die Bücher veröffentlichte: „Opus Pandectarum“ von Matthäus Silvaticus und „Lectura Balbi super IV libros Institutionum Justiniani“. Der Name unseres L. zeigt sich bis 1477, verschwindet bis 1483 und taucht dann nochmals bis 1488 auf. Unter den datirten, Panzer und Hain größtentheils unbekannt gebliebenen 25 Preßerzeugnissen, wozu noch etwa sieben undatirte kommen, heben wir die folgenden hervor: „Speculum humane vite“, am Ende: „Hoc opus fuit completum in civitate Ludini (sic) supra rhodanum per magistrum Guillermus (sic) Regis … M. cccc. lxxjjjjjjj“ (1477) kl. Fol.; „Le roman de Fier à bras“, am Ende: „Cy finist fier à bras imprime a Lyon par Maistre Le Roy …“ (1480), 3 Ausgaben in Folio; „Le Doctrinal de sapience“ (par Guy de Roye), 1485, Fol. Nachdem sich L. als der erste 1472 zu Lyon als Drucker niedergelassen hatte, fand er bald zahlreiche Nebenbuhler und mehr also 50 Drucker machten ihm in dem kurzen Zeitraum von 28 Jahren Concurrenz. Mehrere unter diesen erlangten eine große Berühmtheit durch die aus ihren Pressen hervorgegangenen Bücher und die besten unter diesen Künstlern waren wiederum Deutsche, einige kamen später von Venedig und nur sehr wenige waren aus Lyon selbst gebürtig. Schon 10 Jahre nach seiner Niederlassung im Hause des Buyer zählte die Typographie zweimal mehr Druckerherren zu Lyon, als sie im J. 1857 hatte, 385 Jahre nach seiner Ankunft in dieser Stadt. Der Bücherdruck, verbunden mit Buchhandel, war damals zu Lyon ein viel beträchtlicherer, als er es jetzt ist, nicht etwa darum, weil die Liebe zu den Wissenschaften im 15. Jahrhundert lebhafter war, denn die Belehrung ist unendlich allgemeiner im 19. Jahrhundert und die Lectüre erfordert zwanzigmal mehr Bücher. Aber im 15. Jahrhundert versorgten die Lyoner Officinen einen Theil Europas mit ihren Druckerzeugnissen, die fremden Kaufleute kauften hier und sendeten hierher eine große Zahl der ihrigen und keine Stadt, Venedig ausgenommen, setzte eine so große Menge von Büchern in Umlauf. Lyon war damals was heute Leipzig mit seinem Büchermarkte ist und man kennt bis jetzt gegen 400 Ausgaben von französischen oder lateinischen Werken, die während der 27 letzten Jahre des 15. Jahrhunderts aus den Lyoner Pressen hervorgegangen sind. Die Zahl aber der Druckereien [428] dieser Stadt zu dieser Zeit beläuft sich auf nicht weniger als 65 und unter diesen zeichneten sich wieder vorwiegend die der Deutschen aus, an der Zahl 22. Wir glauben nichts überflüssiges zu thun, wenn wir ohne weitere Bemerkungen und auf die unten angeführte, jetzt allerdings im Buchhandel vergriffene französische Quelle verweisend, hier wenigstens die Namen dieser unserer Landsleute chronologisch aneinander reihen, welche damals zum Flor der Typographie dieser Stadt das meiste beigetragen haben und dies um so mehr, als bis jetzt keiner derselben eine Besprechung in dem vorliegenden Werke gefunden hat. Es sind: Wilhelm L., 1472–88; Nikolaus Philipp v. Bensheim, 1477–88 in Gemeinschaft mit Matthias Huß, 1477–88; Lathom von Lothringen, 1477; Johann Cleyn genannt Schwab, 1479–90; Sixtus Glockengieser von Nördlingen, 1480; Peter v. Ungarn, 1480; Johann Syber (Siber, Ciber), 1482, vergesellschaftet mit Matth. Huß; Johann Scabeler (Schabeler) alias Westenschire, 1482, gleichfalls so wie Battenschene, 1484, in Verbindung mit M. Huß; Nikolaus Philipp Alleman, 1485; Johann Alleman von Mainz, 1487; Johann Trechsel (Treschel), 1488, Tochtermann des Johann Badius Ascensius, Buchdruckers zu Paris; Topis von Pymont (Pyrmont?), 1488, in Verbindung mit Johann Heremberck: Lazarus David Großhofer, 1489–95; Johann Heremberck, 1489; Engelhart Schultis, 1491; Markus Reinhart von Straßburg, 1491, in Gesellschaft des Nik. Phil. v. Bensheim; Peter Schenck, 1495, in Verbindung mit dem Franzosen Gaspard Ortuin; Nikolaus Wolf (Lupus), 1497; Jakob Myt, 1498, gemeinschaftlich mit dem Franzosen Jean de Platea (Place). Im 16. Jahrhundert zeichneten sich vor allem aus seit 1509 die Deutschen Antonius Koburger als Buchhändler und seit 1520 als Buchdrucker Sebastian Greif (Gryphe) aus Reutlingen und dessen Sohn Anton und seit 1531 als Buchhändler Melchior und Gaspard Trechsel, die Söhne des erwähnten Druckers Joh. Trechsel (vgl. den Art.), dann als Buchdrucker und Buchhändler Gottfried und Marcellinus Bering (Beringhen) seit 1544. Unter den franzö- sischen Druckern dieser Stadt hat sich um diese Zeit Johann Frelon dadurch einen Namen in der Typographengeschichte erworben, weil er (R. Willis, Servetus and Calvin, Lond. 1882) durch den Druck der Schrift des Servetus „Christianismi Restitutio“, die zwar unschuldige, aber unmittelbare Veranlassung zu des letzteren Verhaftung und Tod gewesen war. Servetuis hatte bei ihm mehrere Jahre als Herausgeber und Corrector zugebracht und ihm das Manuscript zum Drucke anvertraut. Auch täuschte Frelon dieses Vertrauen nicht, aber Calvin ersah aus der Vergleichung der Handschrift des Begleitbriefes von Servetus mit jener der Briefe, die ihm der letztere bis dahin pseudonym als „Villeneuve“ geschrieben hatte, wer der Verfasser des Buches war. Bis in die neueste Zeit erscheint kein Drucker oder Buchhändler deutscher Abkunft mehr in Lyon und das J. 1800 kann überhaupt als der Anfangspunkt des völligen Niedergangs der Buchdruckerei dieser Stadt angesehen werden. Und was den Buchhandel betrifft, so war dieser noch viel tiefer gesunken und beschränkte sich seitdem fast ausschließlich auf liturgische für das Volk bestimmte Erzeugnisse.

Monfalcon, Manuel du bibliophile lyonnais. Paris 1857, 8°.