ADB:Lestwitz, Johann George von

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Artikel „Lestwitz, Johann George von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 456–457, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lestwitz,_Johann_George_von&oldid=2501229 (Version vom 22. September 2017, 06:28 Uhr UTC)
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Band 18 (1883), S. 456–457 (Quelle).
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Lestwitz: Johann George v. L., Preußischer Generallieutenant, 1688 in Schlesien geboren, war 1704 in ein Infanterieregiment getreten, hatte im spanischen Erbfolgekriege in Italien und in Brabant gefochten, war im pommerschen Feldzuge von 1715 unter den Mauern von Stralsund schwer verwundet worden und hatte an den beiden ersten schlesischen Kriegen, namentlich an der Schlacht bei Kesselsdorf, ehrenvollen Antheil genommen. Bei Ausbruch des siebenjährigen Krieges war er Generallieutenant, commandirte 1756 die Truppen, welche auf dem rechten Elbufer die Sachsen bei Pirna umschlossen hielten, zeichnete sich 1757 unter dem Herzoge von Bevern bei Reichenberg aus, machte unter diesem die Schlacht und die Belagerung von Prag mit und ging dann mit ihm nach Schlesien. Durch einen aus Bautzen vom 21. November datirten Befehl übertrug der König, welcher nach dem Siege von Roßbach sich gegen Schlesien in Marsch gesetzt hatte, an L. das Commando in Breslau. Dieser, am 22. in der Schlacht an der Lohe contusionirt, übernahm es am 24. Mittags, [457] ging sofort auf die von seinem Vorgänger, General v. Katte, mit den Oesterreichern angeknüpften Uebergabeverhandlungen ein und schloß schon nach wenigen Stunden eine Capitulation ab, durch welche die Stadt mit allen Kassen und Magazinen übergeben, der Besatzung aber freier Abzug bewilligt wurde, ein Zugeständniß, welches wenig praktischen Erfolg hatte, da die Mannschaften meist desertirten. L. wurde arretirt und durch einen am 11. März 1758 gefällten Kriegsrechtsspruch zu Cassation und zwei Jahren Festungsarrest verurtheilt; er wurde sowol für die Capitulation, wie für die „brédouille“ verantwortlich gemacht, in welcher der Ausmarsch erfolgte. Körperlich leidend und geistig gebrochen, war er den Anforderungen nicht mehr gewachsen gewesen, welche unter schwierigen Verhältnissen an ihn herantraten, für welche ihn der König indeß im Hinblick auf seine ehrenvolle Laufbahn noch befähigt hielt, obgleich er am 18. Novbr. den Herzog von Bevern vor Lestwitz’ schwachherzigen Rathschlägen gewarnt hatte. Den Rest seines Lebens verbrachte L. zu Berlin „im Stadtarrest zwischen Koch- und Zimmerstraße“; nur einmal erhielt er die Erlaubniß diesen Bann zu brechen; es war als sein Sohn (s. u.) in Friedland einzog; auf königlichen Befehl machte er die Reise in einer ganz seinem Range entsprechenden Weise; zwei Adjutanten mußten ihn begleiten. Am 27. Juli 1767 ist er gestorben.

v. Ollech, Friedrich der Große von Kolin bis Roßbach und Leuthen, Berlin 1858.