ADB:Lindanus, Wilhelm Damasi

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Artikel „Lindanus, Wilhelm Damasi“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 663–664, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lindanus,_Wilhelm_Damasi&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 17:40 Uhr UTC)
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Lindanus: Wilhelm Damasi L., Inquisitor und nachher Bischof von Roermond, ist zu Dordrecht, wo sein Vater, Damasus van der Linden, Bürgermeister war, 1525 geboren. In der Grafschaft Hochstraten erhielt er irgendwo den vorbereitenden Unterricht, studirte darauf zu Löwen Philosophie und Theologie unter Hasselius, Filetanus und Ruard Fopperus, während im Griechischen und Hebräischen Rescius und Balenus seine Lehrer waren. Nach einer Reise durch Deutschland und Frankreich, auf welcher er sich die Freundschaft des gelehrten Johann Mercerus und Adrian Turnebus erwarb und vorübergehend zu Dillingen neutestamentliche Exegese vortrug, kehrte er nach Löwen zurück, wo er zum Priester geweiht und zum Licentiaten der Theologie promovirt ward. Bald erhielt er das Decanat beim Capitel im Haag und um 1556 ernannte der Utrechter Bischof Georg von Egmond ihn zum Vicar und Inquisitor für Holland, Zeeland und Friesland. 1557 in dieser Eigenschaft noch nach Friesland gegangen, wo das Lutherthum einen starken Anhang hatte, verfuhr er, wenn auch weniger hart und grausam, so doch nicht minder streng und unerbittlich als Ruard Fopper. Auf den königl. Statthalter gestützt, maßte er sich eine weitgehende Machtvollkommenheit an, weshalb die friesischen Staaten nicht minder als mehrere Prälaten sich des öfteren über ihn beklagten, aber ohne Erfolg. Sein rastloses Streben nach Ausrottung der Ketzer erwarb ihm vielmehr die besondere Gnade des Königs von Spanien, welcher ihm dafür im neugestifteten Bisthum Roermond die bischöfliche Würde verlieh. Obwol schon am 11. April 1562 durch Cardinal Granvelle geweiht, gelangte er doch erst 1569 in den Besitz seiner Diöcese, weil Regierung und Geistlichkeit der Stadt sich energisch widersetzten. Inzwischen war er lebhaft an der Provinzialsynode betheiligt, welche der Utrechter Erzbischof Friedrich Schenk von Tautenburg 1565 zusammengerufen hatte zur Anerkennung der Beschlüsse des Tridentinums in den Niederlanden. Seit 1569 nahm er die Ordnung seines Bisthums eifrigst zur Hand, bis ihn 1578 die Zeitereignisse zur Flucht zwangen. Jetzt zog er nach Rom, um den Papst Gregor XIII. für seine Ansichten über Kirchenbesserung zu gewinnen, welche, wie er glaubte, am meisten durch die Faulheit und Habsucht der Geistlichkeit verhindert ward. Wiewol ihm dort eine ehrenvolle Aufnahme zu Theil ward und ebenso auf seiner weiteren Reise nach Spanien beim Könige, fand er doch für seine Ansichten keine aufrichtige Zustimmung. Nach Holland zurückgekehrt, erlaubten die geänderten Verhältnisse ihm seinen bischöflichen Stuhl wieder einzunehmen. 1584 aber unternahm er eine neue Reise nach Rom, wo indessen sein Freund, der Cardinal Montalto, Papst geworden war, ohne doch auch bei diesem seinen Zweck zu erreichen. Seine streng-sittlichen Reformationsansichten wollten der eigennützigen römischen Geistlichkeit nicht gefallen. Nach seiner Heimkehr ernannte der Papst ihn 1588 zum Bischof von Gent, an Stelle des 1576 verstorbenen Cornelius Jansenius (Bd. XIII. S. 703), aber schon am folgenden 2. November raffte der Tod ihn weg. L. eiferte Zeitlebens unermüdet [664] für die Interessen der katholischen Kirche und durchschaute dabei ihre Gebrechen mit offenem Blicke. Er faßte daher ihre Besserung nachdrücklich ins Auge, wie man auch aus einigen seiner zahlreichen Schriften, namentlich aus den dem Papste Gregor XIII. überreichten ersieht. Dabei war seine Gelehrsamkeit eine sehr umfassende. Ein Verzeichniß seiner sämmtlichen Werke gibt Valerius Andreas; hervorragend sind darunter besonders seine „Panoplia evangelica libri V“, Colon. 1561 et 1590, „Dubitantius de vera … via … per Christi Evangelium, libris III instructus“, Colon. 1565, und „De optimo genere interpretandi scripturam“, Colon. 1558. Auch von Baronius und Sixtus V. werden seine wissenschaftlichen Verdienste unbedingt anerkannt.

Vgl. Van Heussen, Oudh. v. Zuidholl. bl. 109 vv. Valerius Andreas, Bibl. Belg., p. 70. Glasius, Godgel. Nederl. und van der Aa, Biogr. Woordenb.