ADB:Lydius, Jacob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Lydius, Jacob“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 730–731, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lydius,_Jacob&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 07:50 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Lydius, Balthasar
Nächster>>>
Lydius, Martin
Band 19 (1884), S. 730–731 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Januar 2019, suchen)
GND-Nummer 131912690
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|19|730|731|Lydius, Jacob|Jacob Cornelis van Slee|ADB:Lydius, Jacob}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=131912690}}    

Lydius: Jacob L., Sohn Balthasars (s. o.), zu Dordrecht um 1610 geboren, erhielt dort an der lateinischen Schule den vorbereitenden Unterricht und studirte zu Leyden Theologie. Als ihm die Gemeinden zu Bleskensgraaf und Geertruidenberg 1632 eine Predigerstelle angeboten hatten, zog er die erstere um seines jugendlichen Alters willen vor und wirkte dort fünf Jahre. 1637 trat er, zugleich mit seinem Bruder Isaac, das Predigeramt in seiner Vaterstadt an und erhielt 1643 durch Vermittelung des bekannten Jacob Cats, den ehrenvollen Auftrag als Prediger die außerordentliche Gesandtschaft zu begleiten, welche die holländischen Staaten nach England abfertigten, um König Karl I. mit seinem Parlamente auszusöhnen. Diese Reise machte er sich besonders für wissenschaftliche Forschungen zu Nutze, und kam mit mehreren Gelehrten, welchen er von J. G. Vossius empfohlen war, in Berührung. 1645 war er in Dordrecht zurück und wartete dort unter großer Anerkennung seines Amtes bis der Tod ihn 1679 abrief. – L. war ein tüchtiger und bei seiner Gemeinde hochbeliebter Prediger, zeichnete sich aber vielmehr noch als selbständiger und scharfer Theolog, Historiker und Dichter aus, welcher um seiner classischen Bildung willen bei den vorzüglichsten Gelehrten seiner Zeit, wie Daniel Joncktys, Salomon van Fil, J. G. Vossius, Josua Sanderus und Anderen einen guten Namen hatte und mit Anna Maria à Schuurman, J. Beverwyck und Jacob Cats (Bd. IV, S. 72) einen wissenschaftlichen Briefwechsel führte. Als Theolog widmete er sich besonders der Erklärung und kritischen Textverbesserung der H. Schrift durch Benützung der patristischen und classischen Litteratur, wie sich aus seiner „Florum sparsio ad historiam passionis Jesu Christi“, Dord. 1672, Ultraj. 1701 ersehen läßt, in welcher er sich als bedeutender Kenner der biblischen Alterthumskunde zeigt, in seiner „Agonistica sacra sive syntagma vocum et phrasium agonisticarum, quae in s. scriptura, inprimis vero epistolis Pauli apostoli, occurrunt“, Rott. 1657. Daventr. 1700 und von A. van Halen und A. du Ry ins Holländische übersetzt, Rott. 1746. Gleicher Art ist sein „Syntagma sacrum de re militari, necnon de jure jurando dissertatio philologica“ von S. van Fil nach Lydius’ Tode 1698 zu Dordrecht herausgegeben, wie auch der „Dialogus de coena domini“ und die „Hoffontein op het lyden van Jesus Christus“, Dordr. 1650. – Weit größeres Aufsehen erregten aber seine polemischen Schriften, hervorgegangen aus dem Federstreite, welchen er mit dem Jesuiten Cornelius Hazart führte. Nach wiederholten Angriffen desselben gegen den Reformirten erschien von Lydius’ Hand „De Roomsche Uylenspiegel, getrocken uyt verscheyden oude Roomsch-Catholycke legende boecken“, Amst. 1671 und 1716, eine sogar witzige und durchweg recht scharfe Abfertigung, welche als ein Seitenstück zu Aldegonde’s Byencorf zu betrachten ist. Noch im selben Jahre folgten „De Antwerpsche Uyl in doodtsnoot“ und „Het overlyden van den Antwerpschen Uyl“ und 1672 „Laatste olysel van den Antwerpschen Uyl in Dootsnot“, und nach Lydius’ Tode „Laatste duyvelsdreck ofte ongehoorde grouwelen van Paepsche leeraars onser eeuwe“, Dordr. 1689. Alle diese Schriften sind von Hazard mit großer Bitterkeit beantwortet worden. – Von bedeutendem historischem Werthe war sein „Belgium Gloriosum, cum notis“, Dordr. 1668, im selben Jahre von einem Ungenannten übersetzt, aber dermaßen ungenau, daß L. selbst eine bessere holländische Uebersetzung „Het verheerlykte [731] ofte verhoogde Nederland“, Dordr. 1668 besorgte. Diese Schrift bringt manche sonst unbekannte historische Documente, ist aber deswegen merkwürdig, weil sie um ihres Inhaltes willen von König Karl II. von England unter den Gründen der Kriegserklärung von 1672 aufgeführt wird. Gleichzeitig erschien auch von Lydius’ Hand eine Sammlung lateinischer und holländischer Dichtungen, unter demselben Titel: „Belgium gloriosum ofte verheerlykt Nederland“. Besondere Aufmerksamkeit erregten seine „Vrolyke uren des doodts ofte der wysen vermaeck“, 1642, 1662, 1750 und „Sermonum convivalium libri duo, quibus variarum gentium, mores ac ritus in uxore expetenda, sponsalibus contrahendis, nuptiisque faciendis enarrantur“, Dordr. 1643, von Barlaeus in seinen „Faces Augustae“ abgedruckt. Dabei verfaßte er eine „Praefatio et commentariolus ad monita amoris virginei“, welche sich hinter den „Minne- en Sinne-beelden“ von Jacob Cats findet, und mehrere andere Lieder, welche sein hohes Verdienst als Sprachkenner und Dichter begründen.

Schotel, Kerkel. Dordr. I. bl. 395 vg.; Glasiuis, Godgel. Nederl.; van der Aa, Biograph. Woordenb. und die dort genannten Quellen.