ADB:Maelson, François

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Artikel „Maelson, François“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 39–41, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Maelson,_Fran%C3%A7ois&oldid=- (Version vom 15. April 2021, 16:18 Uhr UTC)
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Maelson: François M., niederländischer Staatsmann, geb. 1538 in Enkhuizen, nahm als Pensionär seiner Vaterstadt einen hervorragenden Antheil an den Staatsgeschäften nach der Revolution des Jahres 1572. Ein eifriger Anhänger Oraniens, an dessen Erhebung zum Grafen von Holland und Seeland er nach Kräften mitarbeitete, wie er auch später den Interessen seines Sohnes Moritz [40] diente, wurde er allmählich der bedeutendste Politiker des nördlichen Theils der Provinz Holland. Die Städte Enkhuizen, Hoorn und Medemblik bildeten mit dem benachbarten Gebiet das sogenannte Westfriesland, jenen Theil von Friesland, der durch den Durchbruch der Zuiderzee vom Stammlande getrennt, sich nach langen Kämpfen im 13. Jahrhundert von Holland die Annexion gefallen lassen mußte. Mit der Revolution waren alle Sondergelüste in den Niederlanden aufgelebt und so entstand auch in jenen drei westfriesischen Städten ein Streben nach Selbständigkeit, das von den Umständen erheblich begünstigt ward. Nach dem Fall von Haarlem im J. 1573 war der Norden der Provinz isolirt gewesen und hatte man sich gezwungen gesehen, für dessen Verwaltung einen eigenen Ausschuß von committirten Räthen des Nordquartiers zu bilden, wie er auch einen eigenen Militärgouverneur als Stellvertreter Oraniens besaß. Auch nach dem Abzug der Spanier hatte man, so sehr man auch versuchte eine Vereinigung des Nordens mit dem Süden zu erzielen, diese Einrichtungen bestehen lassen und die fortwährende Verwendung Maelson’s in allen wichtigen Geschäften, Ausschüssen und Gesandtschaften scheint ebenso sehr seiner Eigenschaft als Vertreter der Westfriesen als seinen nicht geringen Fähigkeiten zuzuschreiben zu sein. Leicester suchte von jenen Sondergelüsten einen Vortheil zu ziehen, indem er dieselben so viel er konnte begünstigte, den Gouverneur Sonoy bestätigte und eine Admiralität in Hoorn errichten ließ, alles um die Autorität der holländischen Staaten zu schwächen. M. jedoch hielt in jenen schwierigen Tagen treu zu Holland. Seinem Einfluß wird es zugeschrieben, daß Leicester auch in Enkhuizen nicht empfangen ward, als er es unternahm durch einen Besuch die Städte auf seine Seite hinüberzuziehen. Als dann der Gouverneur Sonoy sich der Autorität der Staaten und des Statthalters widersetzte, Enkhuizen war freilich weniger als die anderen beiden Städte in Gefahr, blieben M. und seine Stadt neutral. Kaum war aber diese Gefahr beseitigt, als dieselben mit den ihren Sondergelüsten entsprechenden Forderungen hervortraten, Scheidung von Westfriesland und den anderen Theilen des Nordens, insoweit daß Alkmaar und Kennemerland dazu nicht mehr gerechnet, von den drei waterländischen Städten Edam und Monnikendam als Bundesgenossen zugelassen, das kleine Purmerend jedoch als eine vormals unfreie Stadt von der Theilnahme an der Regierung ausgeschlossen würde. Denn das war eben die höchste Beschwerde der Westfriesen, daß in den committirten Räthen die drei westfriesischen gegen die vier anderen Stimmen nicht aufkommen könnten. Darum hatten sie sich nach dem Tode Oraniens verbunden, um die Sonderstellung Westfrieslands, wie M. es nannte, wieder herzustellen, die Verbindung mit Holland in eine Union umzuändern, wie eine solche auch zwischen Holland und Seeland bestand. Schon 1586 hatten sie Münzen prägen lassen mit der Aufschrift: Moneta nova Dominii Westfrisiae und dann M. zum Syndikus von Westfriesland ernannt. Bei dem gänzlichen Mangel an anderen als ganz allgemein erhaltenen Nachrichten ist es nicht mehr zu erkennen, in wie weit Maelson’s Ehrgeiz, die Rolle eines westfriesischen Oldenbarnevelts zu spielen, eine Triebfeder der ganzen Bewegung gewesen ist. So weit wir aber sehen können, läßt sich freilich dieser Gedanke nicht ganz abweisen. So sehr auch ein übertriebener Partikularismus überall in den Niederlanden emporwucherte, diese Bewegung stand fast einzig da, fast eine Caricatur der allgemeinen Richtung der Zeit; sie hat sich auch weder früher noch später gezeigt. Jetzt, im Spätjahre des Jahres 1589, wurde die Sache auf die Spitze getrieben. Die drei Städte verbanden sich, M. seine Stellung zu sichern, ein geordnetes Regierungscollegium nach dem Entwurfe desselben zu fordern, und, wenn die Staaten der Provinz ihre Einwilligung versagten, ihren Antheil an den gemeinschaftlichen Lasten der Provinz zu verweigern. Der Gefahr zu begegnen verlegten die holländischen [41] Staaten ihren Sitz zur Zeit nach Alkmaar, wo eine ziemlich drohende Sprache gegen die Westfriesen geführt wurde, gegen welche man selbst das Recht der Eroberung geltend machte. Jetzt aber legten sich Moritz und Andere in die Mitte und es gelang ihnen einen provisionellen Vergleich zu vereinbaren, wobei zwar der alte Zustand erhalten blieb, jedoch den drei Stimmen der Westfriesen soviel Geltung als den der vier übrigen Städte beigelegt ward. Noch mehr aber scheint die Ernennung Maelson’s zum Mitglied des Rathes neben Sr. Durchlaucht, ein Regierungscollegium von vier hochangesehenen Regenten, das mit dem Statthalter die Landesvertheidigung zu leiten hatte, dazu beigetragen zu haben. Zwar machte derselbe erst Schwierigkeiten, da, wenn Westfriesland vertreten war, auch Seeland als ein ebenso mit Holland verbündetes Land repräsentirt sein sollte, jedoch er fügte sich, legte sein Amt als Syndikus nieder und von jetzt an verstummte auf einmal die westfriesische Opposition, welche eine Zeit lang so viele Besorgnisse erregt hatte. Wenn M. jedoch gehofft hat, in seiner neuen Würde Einfluß zu üben, so irrte er sich; Oldenbarnevelt zog von jetzt an mehr und mehr alle Gewalt an sich, die Räthe hatten fast nichts zu thun; ihr Amt ward bald eine Sinecura. Moritz und die Deputirten der Generalstaaten hatten bald die ganze Leitung des Krieges. M. vertrat den Staat noch als Gesandter, nahm Theil an den Vorbereitungen zu verschiedenen Entdeckungsreisen, er stand mit Linschoten in Verbindung und gerieth in eine solche Bedeutungslosigkeit, daß selbst sein Todesjahr, um 1602, unbekannt ist. Schade, daß ein Mann, der so Großes anzufangen wagte, nicht näher gekannt ist.

Vgl. außer Bor, Wagenaar etc. noch Velius, Chronik von Hoorn und Brandt und Centen, Gesch. v. Enkhuizen. Aus der neueren Litteratur meinen Staat der Ver. Ned.