ADB:Linschoten, Jan Huygen van

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Artikel „Linschoten, Jan Huygen van“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 720–721, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Linschoten,_Jan_Huygen_van&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 05:00 Uhr UTC)
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Linschoten: Jan Huygen L. oder van L., niederländischer Reisender, geb. 1563 in Haarlem, kam von dem seinen Landsleuten damals eigenen Reisetrieb angespornt 1579 nach Sevilla, daselbst den indischen Handel zu studiren, und nachher nach Lissabon. Mit dem neuen Erzbischof von Indien, Fonseca, dessen Protection er erwarb, reiste er 1583 nach Goa, wo er bis 1589 verblieb, und die portugiesischen Besitzungen und die Nachbarländer durchkreuzte. Es gelang ihm, sich die ausgebreitetsten Kenntnisse nicht allein über die Zustände Indiens, die commerciellen Beziehungen, das ganze Colonialwesen der Portugiesen, sondern auch über die verschiedenen Curse der Hin- und Rückreise von und nach Indien, die Abstände, die Strömungen und Winde zu sammeln, wie keiner der vielen Deutschen und Niederländer, welche sich in dem damals vom portugiesischen Monopol beherrschten Indien und Ostasien herumtrieben und bei der Unfähigkeit vieler Portugiesen oft selbst die wichtigsten Stellen ausfüllten. Als „Factor des Pfeffers“ auf einer der Caravellen nach Lissabon zurückgekehrt, wandte er sich seiner Heimath zu, der er die Schätze seiner Erfahrung dienstbar zu machen wünschte. Er hatte gesehen, wie morsch das Gebäude der portugiesischen Colonialmacht, wie schwach ihre Seeherrschaft war, und schonungslos entdeckte er ihre Blößen in dem berühmten Buch, dem er vornehmlich seinen Namen dankt, dem „Itinerario, Voyagie ofte schipvaert naer Oost of Portugaels [721] Indien“; das mit dem Zwecke geschrieben war, den Niederländern zu zeigen, wie die Portugiesen da schalteten und wie die Holländer, wenn sie es nur wagten, da auftreten könnten. Das Buch errang bald eine weitausgedehnte Berühmtheit, ward in fast alle europäischen Sprachen übersetzt und mehrmals aufs Neue herausgegeben. Es war wie ein commercielles und nautisches Handbuch über Indien. L. war aber nicht der Mann, um allein als Schriftsteller, als Consulent, an den Unternehmungen mitzuwirken. Mit Moucheron, dem großen seeländischen Kaufherrn, dem Prediger Plancius und den Staatsmännern Valck aus Seeland und Maelson aus Enkhuizen, wo L. sich niedergelassen hatte, war er einer der Entwerfer der berühmten Entdeckungsreisen, um eine nordöstliche Durchfahrt um Asien herum nach Indien zu finden und mit Nay und Barends, der Führer (er war Commis auf dem Schiffe Nay’s) der ersten verheißungsvollen Fahrt des J. 1594, auf welcher so viele Länder, Inseln und Buchten und auch das Karische Meer entdeckt wurden. Doch der zweite, im J. 1595 mit größeren Mitteln unternommene Zug mißlang vollständig. Eis und Sturmwetter zwangen die Niederländer, trotz aller Einsprache von Barends zur Umkehr. An dem dritten und berühmtesten hat L. keinen Antheil genommen. Er war in jenem Jahre 1596 zum Tresorier seiner Stadt Enkhuizen ernannt, welches Amt er bis zu seinem Tode im J. 1611 verwaltete. Obgleich L. auch unter den frühesten Nordpolfahrern seinen Platz verdient, so ist es doch vor Allem sein unschätzbares „Itinerario“, das ihm eine hervorragende Stelle unter den Reisenden seiner Zeit sichert.

Vgl. de Jonge, Opkomst van het Nederlandsch gezag over Indie Bd. I, Fruin, Tien Jaren uit den Tachtigjarigen oorlog. Dann viele Monographien in Zeitschriften und Biographien und fast alle Werke, die über die Colonial- und Handelsgeschichte handeln. Von älterer Litteratur namentlich „Begin en Voortgang der Oost-Indische Comp. Nederlandsche Reizen, Bor und van Meteren. Linschoten’s Nordpolfahrten sind erst in Gerrits de Veer berühmtem Buch: „Drie Seylagien“ u. s. w., das in fast alle Sprachen übersetzt und noch jetzt öfters gedruckt ist, beschrieben. Vgl. auch O. Peschel, Geschichte der Erdkunde, und die sonstige Nordpollitteratur.