ADB:Meteren, Emanuel van

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Artikel „Meteren, Emanuel van“ von Karl Theodor Wenzelburger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 509–510, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meteren,_Emanuel_van&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 05:23 Uhr UTC)
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Meteren: Emanuel van M., niederländischer Geschichtschreiber, geb. am 9. Juni 1535 zu Antwerpen von protestantischen Eltern, besuchte die Schulen in Antwerpen, Tournai und Duffel und war 1549, als Philipp II. als Kronprinz die Niederlande durchreiste, wieder in Antwerpen. Sein Vater, der ihn für den Handelsstand bestimmt hatte, brachte ihn 1550 nach London, wo er sich nach dem Tode seiner Eltern auch bleibend niederließ. Da er im Interesse seines Geschäftes von Zeit zu Zeit nach Antwerpen reisen mußte, wurde er am 2. Mai 1575 als der Spionage und des geheimen Einverständnisses mit den nördlichen Niederlanden verdächtig gefangen genommen, aber nach 18 Tagen durch Vermittlung seiner Freunde, besonders aber, weil er sich auf sein englisches Unterthanenverhältniß berief, freigelassen. Er ging hierauf wieder nach London zurück, machte eine Reise durch England und Irland und wurde 1583 Hauptmann der niederländischen Kaufleute in London. Schon frühe regte sich in ihm die Lust zu historischen Nachforschungen, wozu er durch seinen Verwandten, den [510] bekannten Abraham Ortelius, in jeder Weise ermuntert wurde. Schon lange hatte er mit großer Sorgfalt Alles gesammelt, was sich auf die Geschichte seines Vaterlandes bezog und Ortelius überredete ihn dazu, die von ihm zusammengetragenen Baustoffe zu einer Art niederländischer Annalen zu verarbeiten. Er sandte sein Manuscript einem Kupferstecher in Deutschland, der die zu dem Werke nothwendigen Abbildungen machen sollte, allein dieser starb und seine Erben ließen von der Arbeit van Meteren’s eine deutsche Uebersetzung anfertigen, die 1596 in Nürnberg und bald darauf in Köln mit dem Namen des Verfassers erschien; zugleich wurde daselbst auch eine lateinische Ausgabe des Werkes veranstaltet. Ein Buchdrucker in Delft, Vennecool, der sich ein Exemplar dieser Uebersetzung verschafft hatte, beschloß dieselbe wieder rückwärts ins Holländische zu übersetzen und herauszugeben, van M. aber, der indessen von London wieder nach Holland gekommen war, wußte ihn zu überreden, den ursprünglichen, von ihm selbst geschriebenen holländischen Text zu drucken und herauszugeben. Das Werk erschien Anfang 1599 unter dem Titel: „Historie der Nederlandsche ende haerder Naburen oorlogen en Geschiedenissen“, worin namentlich die Ereignisse der letzten zwei Jahre mit großer Genauigkeit und Ausführlichkeit erzählt wurden: das Werk erregte in den Provinzen ungeheures Aufsehen, in den Generalstaaten war man besonders erbittert darüber, daß er über die letzte Gesandtschaft nach England eine so eingehende und richtige Darstellung gegeben hatte, er mußte sich denn auch vor denselben verantworten, aber die Generalstaaten verboten die Verbreitung des Buches und ließen auf die bei dem Drucker noch vorhandenen Exemplare Beschlag legen. Doch wurde der Verkauf derselben ein halbes Jahr später wieder freigegeben, aber auf die Vorstellungen verschiedener Prädikanten, daß „verschiedene unwahre Erzählungen zum Nachtheil mancher Kirchen und Kirchendiener darin vorkämen“, verboten die Generalstaaten im J. 1606 dem Drucker, das Buch in seiner gegenwärtigen Gestalt ohne ihr Vorwissen auszugeben. Aber van M. kümmerte sich um dieses Verbot nicht mehr, führte sein Werk unbekümmert weiter und die erste Hälfte desselben erschien im J. 1609 und zwar, um der Censur der Generalstaaten zu entgehen, mit Verschweigung des wahren Druckortes (Amsterdam). Dasselbe geschah auch bei der Ausgabe der Fortsetzung des Werks, das die Ereignisse in den Niederlanden bis zum Jahre 1611 schildert. van M. starb am 8. April 1612. Er war sehr gewissenhaft in der Darstellung der Thatsachen und in der Benutzung der Quellen, obwol ihm der Vorwurf großer Parteilichkeit gegen die Katholiken nicht erspart blieb. Für manche Perioden der niederländischen Geschichte, besonders für die Jahre von 1590–1600 ist er neben Bor, auf den er sich wiederholt beruft, eine der besten Quellen. Es erschienen eine Reihe von Ausgaben in den folgenden Jahren, die letzte in Gorkum (1748–1763) in zehn Bänden.

Vgl. R. Fruin in Nyhoff, Bydragen tot de Vaderlandsche Geschiedenis en Oudheidkunde, Neue Folge, Theil IV: „0ver de verschillende uitgaven van E. v. M. historien.“ Das Werk ist in trockenem, chronikartigem Stil geschrieben, bietet aber manchmal doch anziehende Schilderungen. Im J. 1618 erschien im Haag und 1670 in Amsterdam eine französische; 1604 in Arnheim, 1640 in Amsterdam und 1669 in Amsterdam-Frankfurt eine deutsche Uebersetzung.