ADB:Mauvillon, Jacob

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Artikel „Mauvillon, Jakob“ von Emanuel Leser in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 715–716, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mauvillon,_Jacob&oldid=2512275 (Version vom 19. April 2018, 15:34 Uhr UTC)
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Mauvillon: Jakob M., durch eigne Schriften und durch Uebersetzungen um die militärischen Disciplinen und um die Staatswirthschaft verdient, war geboren zu Leipzig den 8. März 1743, † den 11. Januar 1794 in Braunschweig. Sein Vater Eleazar M. aus Tarascon in der Provence (geb. 1712, † 1779) war Privatlehrer der französischen Sprache an der Leipziger Universität; auch die in Halberstadt geborene Mutter stammte von französischen Eltern. Die erste Lehranstalt, die er besuchte, war die Thomasschule in Leipzig, wo ihn Ernesti unterrichtete; 1758 kam er mit seinen Eltern nach Braunschweig und setzte am Collegium Carolinum seine Studien fort, indem er, von Neigung für den Soldatenstand erfüllt, namentlich in den militärischen Wissenschaften sich auszubilden suchte. Im J. 1760 trat er in die Armee, zuerst als Privatingenieur des General v. Wallmoden; 1762 wurde er Conducteur, 1765 Fähnrich beim hannöverischen Ingenieurcorps. Nachdem er noch kurze Zeit sich in Leipzig aufgehalten, mit der Absicht, Jura zu studiren, übernahm er eine Stelle am Pädagogium in Ilfeld als Lehrer der französischen und italienischen Sprache. 1771 zum Lehrer der militärischen Wissenschaften am Carolinum in Kassel ernannt, verheirathete er sich 1773 und wurde bei Errichtung eines adeligen Cadettencorps 1778 zum Hauptmann desselben ernannt. Ende 1784 trat er in braunschweigische Dienste als Major im dortigen Ingenieurcorps und Lehrer der Taktik am Carolinum in Braunschweig. Im November 1790 avancirte er zum Oberstlieutenant und wurde zugleich zum Lehrer der Politik ernannt. Er starb am 11. Jan. 1794 in Braunschweig. Er trat schon in ganz jungen Jahren als Uebersetzer aus dem Französischen auf und versuchte sich in der nämlichen Zeit auch mit selbständigen schönwissenschaftlichen Arbeiten. 1774 begann er das umfassendere Unternehmen, Raynal’s Histoire philosophique des deux Indes deutsch herauszugeben (7 Bde., Hannover 1774–1778), und daneben veröffentlichte er 1775 eine Uebersetzung von Turgot’s meisterhaften Considérations sur la formation et la distribution des richesses (Lemgo 1775). So war er auf die Staatswissenschaften geführt und schon 1776 ließ er einen ersten Band „Aufsätze über Gegenstände aus der Staatskunst, Staatswirthschaft und neuesten Staatengeschichte“ erscheinen, dem 1777 ein zweiter Band folgte. Das Werk besteht zum größeren Theil aus Uebersetzungen, die meist nach englischen Originalen gemacht sind. Dabei zeigt er aber den Scharfblick, von den erst 1775 herausgekommenen Four tracts von Josiah Tucker zwei aufzunehmen. Ganz selbständige Arbeiten sind zwei der Aufsätze. Der eine derselben, der den Titel „Von der öffentlichen und privaten Ueppigkeit“ hat, setzt die physiokratischen Anschauungen, namentlich soweit sie sich auf die Lehre von der Production und von der Besteuerung beziehen, auseinander und vertheidigt dieselben. Der andere über die Frage, „ob für Hessen der zwanzig oder vierundzwanzig Guldenfuß der vortheilhafteste sei“, enthält einige originelle Theorien, an deren Richtigkeit allerdings zu zweifeln ist. Die Angriffe, welche in den folgenden Jahren von mehreren Seiten in Deutschland gegen das physiokratische System und im Zusammenhang damit gegen seine Ausführungen gerichtet wurden, veranlaßten seine bedeutendste staatswirthschaftliche Schrift, die 1780 erschienenen „Physiokratischen Briefe an den Herrn Professor Dohm“. Mit ebensoviel Ueberzeugung als Gewandtheit tritt er für alle Hauptsätze der Quesnay’schen Lehre ein, auch gegenüber der inzwischen ans Licht gekommenen Kritik des Adam Smith, an dessen Werk er sogar einige nicht unzutreffende Ausstellungen macht. Auch sonst sind [716] manche seiner Darlegungen, wie über Freihandel, Gewerbefreiheit, die Mißstände im damaligen Finanzwesen, von bleibendem Interesse. Für längere Zeit hat dann M. als Gegenstand seiner Arbeiten ausschließlich militärische Fragen gewählt; namentlich veröffentlichte er 1782 den „Essai sur l’influence de la poudre à canon dans l’art de la guerre moderne“, 1783 die „Einleitung in die sämmtlichen militärischen Wissenschaften“, 1784 den „Essai historique sur l’art de la guerre pendant la guerre de trente ans“. Eine äußere Veranlassung führte ihn zur Beschäftigung mit der Staatswirthschaft zurück. Im J. 1786 war der Graf Mirabeau in Deutschland und traf in Braunschweig mit M. zusammen. Derselbe erkannte in diesem Manne den geeigneten Mitarbeiter bei einer Anzahl litterarischer Unternehmungen, wozu er den Plan gefaßt hatte. Der Graf scheint zuerst eine politisch-statistische Schilderung von Sachsen ihm aufgetragen zu haben, theilte ihm dann seine Ideen über eine eingehende Darstellung der inneren Verhältnisse Preußens mit und ließ die Vorarbeiten dazu von ihm anfertigen. M. hat einen großen Theil der Materialien zu der 1788 erschienenen „Monarchie prussienne sous Frédéric le Grand“ gesammelt und dieselben sowie Vieles, was Mirabeau auffand und ihm zustellte, excerpirt, gewiß auch vielfach seine selbständigen Auffassungen und Urtheile mit den Auszügen verbunden. Trotzdem hat der berühmte Franzose, der für das fertige Werk die Verantwortlichkeit übernahm, sicherlich dazu mehr als die bloße Gruppirung des Stoffes und die stilistische Abrundung des Ausdrucks beigetragen. Nur der Abschnitt über die Taktik der preußischen Infanterie ist von M. allein und wurde auch abgesondert unter seinem Namen publicirt (auch deutsch Meißen 1?92). Kurz vor Abschluß des Werkes hat Mirabeau im Sommer 1787 nochmals einige Monate bei seinem Gehülfen in Braunschweig verbracht. Damals sprach er auch die Absicht aus, mit demselben eine gemeinsame Reise nach England zum Studium der dortigen Zustände zu unternehmen. Die Ereignisse in Frankreich hinderten freilich die Ausführung dieses Gedankens, aber auch während seiner glorreichsten Jahre war Mirabeau noch mit M. in Verbindung und ließ sich von ihm litterarische Arbeiten machen, so über das preußische Landrecht, über die Grundsätze der Besteuerung. Die Beziehungen zu dem großen Volkstribun scheinen nach dem Ableben desselben für M. an seinem Wohnorte Anfeindungen zur Folge gehabt zu haben, gegen die er sich durch Veröffentlichung der Briefe, die er von Mirabeau empfangen, zu schützen suchte. In seinen letzten Jahren beschäftigte ihn außerdem eine deutsche Bearbeitung der Monarchie prusienne, deren Druck erst nach seinem Tode beendigt wurde. Auch eine kriegsgeschichtliche Arbeit ist aus seinem Nachlaß noch 1796 publicirt worden.

Strieder, Hessische Gelehrtengeschichte. – Will, Versuch über die Physiokratie, S. 26. – Lettres du comte de Mirabeau à un de ses amis en Allemagne.Roscher, Geschichte der Nationalökonomik in Deutschland, S. 415, 493 f.