ADB:Meister Francke

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Meister Francke“ von Wilhelm Sillem in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 680–681, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meister_Francke&oldid=- (Version vom 23. Februar 2020, 15:21 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Franck, Moritz von
Nächster>>>
Francke, Otto
Band 48 (1904), S. 680–681 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Meister Francke in der Wikipedia
GND-Nummer 118692526
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|48|680|681|Meister Francke|Wilhelm Sillem|ADB:Meister Francke}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118692526}}    

Francke: „Meister Francke“ ist der Name desjenigen Malers, der von Hofrath Professor Schlie als der „Hamburger Meister von 1435“ in die Geschichte der niederdeutschen Kunst eingeführt worden ist. So nannte Schlie den Künstler, aus dessen Altarbilde die großherzogliche Gemäldegalerie in Schwerin 1862 neun Tafeln von einem dänischen Officier erworben hat, der sie in Paris ausgestellt hatte. Durch die Vergleichung derselben mit einem in Staphorst’s Hamburgischer Kirchengeschichte befindlichen Kupferstiche erkannte Schlie, daß diese Gemälde einen Theil des Altars bildeten, den die sehr angesehene Gesellschaft der Englandsfahrer in Hamburg einst in der Kirche des Johannisklosters zu Ehren des heiligen Thomas von Cantelberg (Canterbury) errichtet hatte. Zwei Tafeln stellen die Flucht und den Märtyrertod des Heiligen vor; zwei aus dem Leben der Maria die Geburt Christi und die Anbetung der heiligen drei Könige; die fünf anderen Christi Geiselung, die Kreuztragung, die Frauen unter dem Kreuze, die Grablegung und die Auferstehung, alle Gemälde in der Größe von 79 cm und 87 cm. Da nach Staphorst das Johanniskloster den Englandsfahrern im J. 1435 (richtiger 1436) eine Capelle in der Klosterkirche einräumte, so lag es nahe, den Künstler, dessen Name noch nicht bekannt, obgleich schon genannt war (in: Gaedechens, Genesler und Koppmann, Das Johanniskloster in Hamburg, 1884, S. 154), nach diesem Jahre zu bezeichnen. In dem Archiv der Englandsfahrer ersah 1899 der Staatsarchivar Dr. Hagedorn in Hamburg, daß die beiden Aelterleute dieser Gesellschaft 1424 am 4. December mit „mester Francken umme eyne taffell, de noch hutiges daghes [1541] stath tho sunte Johannes“ abgeschlossen hatten, „welcker taffell ungheverlick ghekosteth hebbe hundert marck Lubesch“. Außer dem Namen des Künstlers wußte man nun auch, welche Gemälde von dem Meister Francke herrührten. Sachverständige, wie Schlie und Professor Lichtwark, stimmten in der Erkenntniß überein, daß auch das Gemälde des leidenden Christus, „der Schmerzensmann“ in der Kunsthalle in Hamburg, früher der Domkirche daselbst angehörig, von Meister F. gemalt sei. Einer früheren Periode Francke’s schrieben Kunstkenner auch den „Schmerzensmann“ im Leipziger Museum zu. Francke’s Stil hatte Lichtwark auch in den beiden überlebensgroßen Idealbildnissen des Grafen Adolph IV. von Schaumburg († 1261) wiedergefunden, die aus dem Maria-Magdalenenkoster in Hamburg stammend, das eine, noch in dem Kloster befindlich, ihn in voller Rüstung, das andere, im Museum hamb. Alterthümer, ihn als Mönch im Sarge darstellt. Endlich wird eine der besten Skulpturen des Museums: [681] „Der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen“, auf Francke’s Einfluß und Mitwirkung zurückgeführt. Nach langen Verhandlungen und unter dem dankenswerthen Entgegenkommen der großh. mecklenburgischen Regierung, bei der die Rücksicht auf die wichtige localgeschichtliche Bedeutung jener neun Tafeln des Thomasaltars für Hamburg mit den Ausschlag gab, wurden sie für die Hamburger Kunsthalle erworben. Der hohe Werth der Francke’schen Gemälde ist von berufenen Kunstkennern anerkannt. „Die Bilder des Hamburger Meisters“, sagt Woermann, „nehmen unter den deutschen Werken der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts einen künstlerisch wie kunstgeschichtlich gleich hohen Werth ein. Stilgefühl und lebendige Naturbeobachtung erscheinen in diesen Werken in bewundernswerther Weise gepaart. Im ganzen Bereiche der niederdeutschen Kunst gibt es aus jener Zeit kaum ein Werk, das dem Altarwerke, dem diese Tafeln angehören, an charakteristischer Kraft und innerer Bedeutsamkeit gleichkäme“. – Von dem Leben des Künstlers ist bis jetzt nichts bekannt. Dr. Chr. Walther hat, gestützt auf Angaben in den Kämmereirechnungen und in Lappenberg’s Beiträgen zur älteren Kunstgeschichte Hamburgs, den Nachweis zu führen gesucht, daß F. höchst wahrscheinlich ein geborener Hamburger gewesen sei, dessen Vater als Taschenmacher dem s. Z. vereinigten Amte der Maler, Glaser, Sattler, Taschenmacher und Plattenschläger angehörte.

Dr. A. Hagedorn, Der Hamburger Meister von 1435 (Hamb. Correspondent, Morg.-Ausg. v. 12. Febr. 1899). – Staphorst I, 4 S. 65; I, 2 S. 568, 672. – C. Walther in d. Mitth. d. Ver. f. Hamb. Gesch. Bd. 7, S. 278. – Geschichtliches über Francke, die Charakteristik Francke’s und Beschreibung seiner Gemälde bei Alfr. Lichtwark: Meister Francke. Mit 22 Abbildgn. Kunsthalle zu Hamburg, 1899.