ADB:Michael, Johann

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Artikel „Michael, Johann“ von l. u. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 673–674, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Michael,_Johann&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 06:26 Uhr UTC)
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Michael: Johann M. oder Michaelis wurde am 21. Juni 1638 zu Wittenberg, wo sein Vater, Peter M., Goldschmied war, geboren. Ein abgesetzter Prediger, Georg Bühnemann, gab ihm den ersten Unterricht im Hause seines Vaters; er wurde dann nach Berlin aufs Gymnasium geschickt, mußte aber wegen seiner Mittellosigkeit Berlin bald wieder verlassen und fand Aufnahme in Görlitz, wo er drei Jahre die Schule besuchte. Er studirte dann zu Leipzig und Wittenberg und ward sehr bald Rector zu Golßen in der Niederlausitz, hernach 1670 Pastor zu Ahlsdorf, mußte dann 1675 sein Amt niederlegen und lebte darauf zwei Jahre kümmerlich mit Weib und Kind in Jüterbock. Hernach ward er wieder Pastor in Jänickendorf, mußte aber auch diese Stelle im J. 1682 verlassen und hat sich darauf an verschiedenen Orten aufgehalten. In Lauban und in Dresden lebte er als Lehrer; im J. 1689 hielt er in Stockholm eine Wahlpredigt; dann hat er wieder in Dresden und Freiberg gelebt, später in [674] Hamburg und zuletzt längere Zeit in Altona, dem damaligen Zufluchtsort aller mit der officiellen Kirche Zerfallenen. Hier soll er bald nach dem Jahre 1704 gestorben sein. M. zählt sich selbst einmal zu den wunderlichen Heiligen; und ein solcher ist er ohne Frage gewesen. Seine vielen Schriften, die schon durch ihre seltsamen Titel abstoßen, wird jetzt schwerlich noch jemand lesen wollen. Ursprünglich war es ihm wol mit seinem Eifern gegen allerlei Mißstände in Kirche und Schule rechter Ernst; als er aber durch die Art seines Auftretens überall Anstoß gab und abgewiesen wurde, verfeindete er sich immer mehr mit den bestehenden Zuständen und hielt sich zu Separatisten verschiedener Art; er selbst wurde zuletzt von anderen als „grober Fanatiker und Indifferentist“ bezeichnet. Arnold hat sich in der „Kirchen- und Ketzerhistorie“ auch seiner angenommen. Er hat auch geistliche Lieder verfaßt, die aber keine Verbreitung fanden.

Bolten, Historische Kirchennachrichten von der Stadt Altona, 2. Bd., S. 79–86; hier wird eine große Anzahl seiner Schriften genannt und von sechs der volle Titel angegeben. – Wetzel, Hymnopoeographia, IV, S. 340 bis 353. Jöcher III, Sp. 513.