ADB:Moller, Olaus Heinrich

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Artikel „Moller, Olaus Heinrich“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 128–130, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Moller,_Olaus_Heinrich&oldid=- (Version vom 25. August 2019, 16:06 Uhr UTC)
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Moller: Olaus Heinrich M., Sohn des Rectors Johannes M. (s. o.) und geboren in Flensburg am 9. Mai 1715, besuchte die Flensburger Gelehrtenschule [129] und genoß nebenbei Privatunterricht von den dortigen Predigern Kall, Clessel und Gierken. Erst 19 Jahr alt, gab er in Verbindung mit seinem Bruder Bernhard M. († 1750, Diaconus in Drelsdorf) eine „Commentatio de vita et scriptis J. Molleri“, seines Vaters, 1734 heraus, mit einer Anmeldung der Herausgabe von dessen noch ungedruckten Werken, namentlich der „Cimbria litterata“, in der Absicht sich Mittel zur Fortsetzung seiner Studien zu verschaffen, da die Mutter ganz mittellos war. In diesem Jahre bezog er auch die Universität Jena, um Theologie zu studiren, wo er dadurch seine Subsistenz gehabt, daß er hier alle drei Jahre hindurch zugleich als Hauslehrer im Hause des bekannten Kirchenraths und Professors J. G. Walch lebte. Er hörte hier mit besonderem Interesse Litterarhistorie bei dem Professor Stolle. Nach vollendetem akademischen Triennio 1737 nahm er eine Hauslehrerstelle in Kopenhagen bei dem Consistorialrath Rohne an, in der er fünf Jahre verblieb, alle seine freie Zeit fortgesetztem Studium und eifriger Benutzung der königlichen Bibliothek sowie der des Etatsraths Gram widmend, in dessen Haus er Zutritt gefunden. 1742 gab er diese Stellung auf, um sich nun ganz der Herausgabe der Cimbria litt. seines Vaters und der Zeitschrift „Dänische Bibliothek“, deren Stücke 4–9 von ihm, zu widmen. 1744 ward er zum professor ord. historiae literariae an der Kopenhagener Universität ernannt und hielt nun auch Vorlesungen. Von dem Magistrat seiner Vaterstadt Flensburg ward er indeß 1749 zum Rector der Gelehrtenschule daselbst berufen, welchem Rufe er auch Folge leistete und nun bis an sein Ende dort verblieb. Die Schule war inzwischen in Verfall gerathen und hoffte man durch die Berufung dieses jungen angesehenen Gelehrten ihr Ansehen zu heben. Die Schülerzahl nahm auch in seiner ersten Zeit bedeutend zu und wuchs von 29, die bei seinem Antritt anwesend waren, auf 80. Als er älter ward sank freilich wieder das Ansehen der Schule, da er an der alten Methode fest hielt und kein Freund von Neuerungen war. Wegen Augenschwäche sah er endlich sich genöthigt seine Entlassung aus dem Amte zu suchen, die ihm auch, doch nur mit geringer Pension, bewilligt wurde, aber bald erfolgte auch sein Tod, 5. April 1796, nachdem er also über 80 Jahre alt geworden, 6 Jahre als Universitätsprofessor und 45 Jahre als Schuldirector fungirt hatte. Er war ein überaus fleißiger und gelehrter Mann und dabei ein sehr liebenswürdiger Charakter. Viele und zum Theil vielvermögende Freunde hatte er sich erworben und genoß ein reichliches Einkommen. Seine Lieblingsbeschäftigung war die Genealogie, darin er außerordentlich viel geleistet. Das Verzeichniß seiner genealogischen Schriften und Manuscripte (bei Braasch S. 191) ist sehr umfassend: 38 gedruckte und mehr denn hundert in Handschrift. Unter diesen die ausführlichen genealogischen Tabellen über König Christian VII., 1776. Ueber angesehene hochadelige Familien, als derer v. Reventlov 1758, v. Rosenkranz 1759, Graf Holstein 1763, v. Ahlfeldt 1771, G. D. v. Holstein 1772, v. Baudissin 1774, v. Suhm 1775, v. Nettelbladt 1777. Die nichtgedruckten finden sich in der Feddersen’schen Sammlung in Flensburg. Seine übrigen Schriften enthalten auch meist Beiträge zur speciellen Vaterlandskunde. Es sind deren sehr viele (Verzeichniß bei Kordes). Wir nennen nur einige: „Historische Nachricht von den Königen und Fürsten, insonderheit von dem Oldenburger Stamme, welche die Herzogthümer Schleswig und Holstein beherrscht haben“, Flensburg 1770. „Beiträge zur Adelsgeschichte überhaupt, insonderheit der dänischen und schleswig-holsteinischen“, 2 Thle., 1772–75. „Vermischte Nachrichten und Urkunden, welche L. Naamann wie auch den Franciskanerorden und dessen Schicksal in Dänemark besonders zur Zeit der Reformation betreffen“, 1775. Viele und wichtige Beiträge zur vaterländischen Geschichte, namentlich Litterärgeschichte, hat [130] er geliefert und dadurch sich um das engere Vaterland sehr verdient gemacht. Eine bedeutende Bibliothek, 10 000 Bände, hatte er sich gesammelt und dieselbe enthielt seltene Werke, über 100 Paläotypen und werthvolle Handschriften. Der Auctionskatalog ist noch vorhanden.

Kordes u. Lübker-Schröder, Schriftstellerlexicon s. v. O. M. Braasch, Flensborgs Latin- og Realskoles historie I, S. 119, 163, 191.