ADB:Murner, Beatus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Murner, Beatus“ von Ernst Kelchner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 66–67, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Murner,_Beatus&oldid=2000899 (Version vom 23. April 2014, 19:31 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Murmester, Hinrich
Nächster>>>
Murner, Thomas
Band 23 (1886), S. 66–67. (Quelle)
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Beatus Murner in der Wikipedia
GND-Nummer 102843422
DNB: Datensatz, Rohdaten, Werke
Online-ADB/NDB, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|23|66|67|Murner, Beatus|Ernst Kelchner|ADB:Murner, Beatus}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=102843422}}    

Murner: Beatus M., Buchdrucker und Formschneider, stammte aus einer in der ehemaligen freien Reichsstadt Oberehnheim im Elsaß ansässigen Familie. Er war der Bruder Thomas Murner’s (s. u.) und wahrscheinlich zwischen den Jahren 1488–1492 in Straßburg geboren, wohin sein Vater Matthäus M. gezogen und daselbst Fürsprech beim kleinen Rathe war. Seine Mutter war Ursula Studelerin und in Schlettstadt geboren. Er wurde Formstecher und Drucker, [67] schon 1511 ist er als solcher thätig. In genanntem Jahre treffen wir denselben in Frankfurt a. M. Da er sich nicht in dem Verzeichnisse über die Frankfurter Bürger vorfindet, so liegt die Vermuthung sehr nahe, daß er nicht dem Bürgerstande angehörte, sondern im Barfüßerkloster, wo auch sein Bruder sich aufhielt, gelebt und wol auch daselbst gedruckt hat. Zwei Jahre hielt er sich in Frankfurt auf, sowol Schriften seines Bruders druckend als auch selbst ein didactisches Gedicht verfassend, „Die Schiffart von diesem ellenden iamertal“, das er ebenfalls eigenhändig illustrirte und druckte. Nach dem Jahre 1512 geht jede Spur von ihm verloren. Vielleicht kehrte er 1513 wieder nach Straßburg mit seinem Bruder Thomas, der am 10. Juli genannten Jahres Guardian des Barfüßerklosters daselbst wurde, zurück. Sein vermeintliches Signet ist das Wappen seines Bruders Thomas. Im Ganzen sind neun Drucke von M. bekannt, wahrscheinlich in nachstehender Reihe entstanden: „Ludus studentum“, 1511; „Arma patientie“, 1511; „Ritus et celebratio phase iudeorum“, 1512; „Benedicite iudeorum“, 1512; „Der Juden Benedicite“, 1512 (eine deutsche Uebersetzung des Vorstehenden); „Der schelmen Zunfft“, 1512; „Der juden benedicite … vnd wie sy ieren dodten begraben“, 1512 (2. Auflage); „Schiffart von diesem ellenden iamertal“, 1512; „Ludus studentum Friburgensium“, 1512 (2. Auflage). – M. ist demnach der erste Frankfurter Buchdrucker, dessen Erzeugnisse sich nachweisen lassen und sein „Ludus studentum“ von 1511 das erste zu Frankfurt a. M. gedruckte Buch, welches den Namen eines Druckers aufweist.

Schmidt, Histoire littéraire de l’Alsace. Paris 1879. 2 vols. – Gyß, Histoire de la ville d’Obernai. Straßburg 1866. – Fischer, Typographische Seltenheiten, Nürnberg 1804. – Sondheim, Die ältesten Frankfurter Drucke, Frankfurt a. M. 1885.
Kelchner.