ADB:Naumann, Johann Friedrich

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Artikel „Naumann, Johann Friedrich“ von Wilhelm Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 315–316, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Naumann,_Johann_Friedrich&oldid=2502877 (Version vom 18. November 2018, 02:05 Uhr UTC)
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Naumann: Johann Friedrich N., Sohn des vorigen, wurde am 15. Febr. 1780 zu Ziebigk geboren. Bis zu seinem zehnten Jahre besuchte er die Schule seines Geburtsortes, dann die Schule zu Dessau; doch schon in seinem fünfzehnten Jahre wurde er von seinem Vater zurückgerufen, um die Landwirthschaft zu erlernen. Zugleich aber ließ ihn sein Vater an seinen ornithologischen Beobachtungen theil nehmen und, da er ein großes Talent zum Zeichnen und Malen an ihm wahrnahm, hielt er ihn dazu an, jeden Vogel, der lebend oder todt in seine Hände kam, so oft zu malen, bis das Gemälde dem Urbilde völlig glich. Bald erreichten diese Abbildungen einen hohen Grad von Vollendung, und es entstand eine Sammlung von Abbildungen aller in der Gegend vorkommenden Vögel. Mit dieser mechanischen Fertigkeit verband N. eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und einen unermüdlichen Fleiß. So gelang es ihm bald, in seine Lieblingswissenschaft immer weiter einzudringen und sich durch mehrere kleinere Werke als tüchtiger Ornithologe bekannt zu machen. Seine erste Arbeit ist „Taxidermie“ 1815, worin er seine Methode, Vögel auszustopfen, erläutert. Er hatte sich in dieser Kunst eine solche Fertigkeit erworben, daß seine Sammlung ausgestopfter Vögel, welche später im herzoglichen Schlosses zu Cöthen aufgestellt wurde, durch die sorgfältigste Nachahmung der Natur alle anderen derartigen Sammlungen weit übertraf. - In Folge mehrfacher Aufforderungen beschloß er, das Werk seines Vaters in neuer Auflage erscheinen zu lassen und die Sammlung von Abbildungen, die er im Laufe der Zeit angefertigt hatte, hiebei zu verwerthen. Auf Veranlassung seines Vaters stach er dieselben selbst in Kupfer. Ein Viertel Jahrhundert hat er diesem Werke gewidmet und zahlreiche mehr oder weniger ausgedehnte Reisen mußte er unternehmen, um die in Anhalt nicht nistenden Vögel in ihrer Heimath zu beobachten und abzubilden. Im Jahre 1822 erschien der erste Band dieser „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ und 1844 wurde das Werk mit dem zwölften Bande geschlossen. Es enthält 350 meisterhaft ausgeführte Kupfertafeln und bildet die Grundlage aller späteren Forschungen der deutschen Ornithologie; fast durchweg auf eigenen, höchst genauen Beobachtungen basirend, behandelt es mit erschöpfender Gründlichkeit die Synonymik eines jeden Vogels, die Beschreibung der verschiedenen Geschlechter und Alterszustände, die sorgfältige Angabe der Lebensgewohnheiten, des Aufenthalts, der Nahrung, der Fortpflanzung, der Feinde, der Jagd und des Nutzens oder Schadens. Nachträge dazu erschienen von Blasius, Baldamus und Sturm 1851–60.

Wenn auch die Ornithologie Naumann’s Lieblingsbeschäftigung war, so interessirte er sich doch auch in hohem Maße für alle übrigen Zweige der Naturgeschichte. [316] In seinem Garten cultivirte er die verschiedensten Pflanzen, die er theilweise von seinen Reisen mitgebracht hatte, und er hat das nicht geringe Verdienst, viele Obst- und Weinsorten, welche sich für das Klima seiner Heimath besonders eignen, eingeführt zu haben. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er vom Herzoge von Anhalt-Cöthen zum Professor und Inspector des ornithologischen Museums ernannt. In seltener körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische erreichte er das 75. Lebensjahr; da befiel ihn ein Augenleiden, welches seine rastlose Thätigkeit hemmte, und nun ging es rasch mit ihm abwärts. Am 15. August 1857 starb N. ohne Krankheit in einem Alter von 77 Jahren und wurde zu Prosigk neben seiner bereits 1859[WS 1] verstorbenen Gattin bestattet. Ihm und seinem Vater zu Ehren hat die ornithologische Gesellschaft ihr Organ „Naumannia“ genannt. Im Jahrgange 1857 findet sich seine ausführliche Biographie.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. gemeint ist 1849