ADB:Neuffer, Ludwig

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Artikel „Neuffer, Ludwig“ von Hermann Fischer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 491–492, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Neuffer,_Ludwig&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 02:30 Uhr UTC)
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Neuffer: Christian Ludwig N., Dichter, geb. zu Stuttgart am 26. Januar 1769, † zu Ulm am 29. Juli 1839. Aus einer Familie, in welcher starke Hinneigung zum Pietismus herrschte, entsprossen, wurde N. zum Theologen bestimmt, trat nach Absolvirung des Stuttgarter Gymnasiums Herbst 1786 in das Tübinger Stift (evang. theol. Seminar) ein, magistrirte 1788 und verließ 1791 die Universität. Nach dem theologischen Examen wurde er Hilfsgeistlicher in Stuttgart, 1792 am Waisenhaus daselbst als Prediger verwendet, welche Stelle er 1799 definitiv erhalten zu haben scheint. (Daß er 1801 Pfarrer in Benningen bei Ludwigsburg geworden sei (Gradmann, D. gel. Schwaben 866), ist falsch und beruht auf Verwechslung mit einem ein Jahr älteren Namensvetter, Christoph Friedr. Ludw. N.) Im Spätjahr 1803 wurde N. Diaconus in Weilheim unter Teck, im Sommer 1808 Pfarrer in dem benachbarten Zell am Aichelberg, endlich im August 1819 Stadtpfarrer am Münster und Schulinspector zu Ulm, zugleich Gründer und Leiter eines Mädcheninstituts, nachdem er schon in Stuttgart auf dem Gebiete des höheren Töchterunterrichts thätig gewesen war. – Neuffer’s Persönlichkeit als Schriftsteller ist einmal durch seinen theologischen und pädagogischen Beruf und dann durch seine classicistischen Neigungen, wie sie in der Zeit lagen, bestimmt. Schon als Stuttgarter Gymnasiast machte er die Bekanntschaft Gotthold Stäudlin’s, später die Schubart’s. Auf der Hochschule stand er in innigem Freundschaftsverhältniß mit Hölderlin und R. F. H. Magenau (Bd. XII. S. 728; Bd. XX, S. 56), von welchem die im zweiten Bande der großen Schwab’schen Hölderlin-Ausgabe abgedruckten Briefe, sowie manches noch Ungedruckte, worunter ein nicht über die Anfänge hinaus gediehenes Bundespoesiebuch der drei jungen Dichter, Zeugniß geben. Späterhin bildete N. als Herausgeber des „Taschenbuchs für Frauenzimmer“ (1799–1802) und noch später des „Taschenbuchs von der Donau“ (1814, 1825), hierin Stäudlin’s Nachfolger, einen Mittelpunkt für die dichterischen Bestrebungen in Schwaben, wozu er durch formelles litterarisches Talent und persönliche Liebenswürdigkeit sich wohl eignete. Er selbst war dichterisch fruchtbar; seine Lyrik ist der ersten Jugendlyrik Hölderlin’s nah verwandt: classicistische Richtung in der späteren Art Schiller’s, wie bei den meisten schwäbischen Lyrikern seiner Zeit. Dazu kommt aber noch als besonderes Charakteristicum die Vorliebe für das Idyll, im Charakter und Stil von J. H. Voß. Neben den poetischen Arbeiten laufen, besonders in Neuffer’s späterer Zeit, auch populär-theologische und pädagogische her.

Hauptquelle für Neuffer’s Biographie ist die in der Schwäbischen Chronik 1839, S. 937, 941, 949 abgedruckte autobiographische Skizze, auf welcher der etwas weiter ausgeführte Artikel im Neuen Nekrolog der Deutschen 1839, S. 661–670, beruht. – Zu den in Goedeke’s Grundriß genannten Werken Neuffer’s kann ich noch hinzufügen: Taschenbuch für Frauenzimmer für 1799, 1800, 1802 („Die Herbstfeier“ scheint als Taschenb. f. 1801 zu gelten). – [492] Monatschrift für Geistes- und Herzensbildung junger Frauenzimmer, 1802, 1803. – Predigten über einige wichtige Gegenstände der Religion und Moral, 1803 (mit Bildniß). – Kleiner Taschenkalender für 1804. – Die Werke des Sallustius, 1819 (1820 ?). – Gesänge der Liebe und Treue aus den schönen Tagen der Jugend, 1826. – (Neubearbeitung seiner Aenisübersetzung, 1830.) – Das Gebet des Herrn, 1832. – Vermächtniß für christlich gesinnte Söhne und Töchter, 1834. – Ueber den Zerfall des Cultus, 1837. – Weihgeschenk für Töchter von Stand und Erziehung (nach d. Engl.), 1837. – Dazu einige Casualpredigten.