ADB:Nolte, Vincent Otto

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Artikel „Nolte, Vincent Otto“ von Otto Beneke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 764–765, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Nolte,_Vincent_Otto&oldid=- (Version vom 22. Januar 2020, 09:26 Uhr UTC)
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Nolte: Vincent Otto N., Kaufmann und Schriftsteller, geboren in Livorno 1770, eines hamburgischen Kaufmanns Sohn (des Kieler Botanikers Professor Ferdinand N., s. o., ältester Bruder). Sorgfältig unterrichtet und für den Kaufmannsstand in Hamburg ausgebildet, begann er, theils hier, theils in Livorno, seine Laufbahn. 1804 übersiedelte er, nach längerem Verweilen in Holland und Frankreich, nach den Vereinigten Staaten Nordamerika’s, wo er 1805 in New-York das amerikanische Bürgerrecht erwarb und sich darauf in New-Orleans niederließ. Hier bekleidete er auch von 1816–1830 das hamburgische Consulat. Da seine kaufmännischen Unternehmungen hier, wie später in Marseille, ungünstig verliefen, so versuchte der intelligente Mann neue Bahnen einzuschlagen in England, Frankreich, Italien, Südrußland und Constantinopel, jedoch stets erfolglos. Zuletzt wandte er sich, abwechselnd in Paris und in Hamburg wohnhaft, der schriftstellerischen Thätigkeit zu, welche er schon seit 1801, anfangs als Dilettant auf belletristischem Gebiet, ausgeübt hatte, worauf er seit 1844 mehrere größere Werke über Handel und Handelspolitik veröffentlicht hatte. Jetzt verfaßte er sein vorzüglichstes Werk, eine vollständige und zeitgemäße Umarbeitung von W. Benecke’s bekanntem „System des Assecuranz- und Bodmerei-Wesens“ in 2 Bänden (Hamburg 1851, 1852). Abgesehen von unzähligen Aufsätzen für deutsche, französische oder englische Journale, fachwissenschaftlichen, zum Theil politischen oder belletristischen Inhalts (er war auch Mitarbeiter der Cotta’schen Vierteljahrsschrift) beschloß er seine litterarische Thätigkeit durch eine interessante Darstellung seines bewegten Lebens, unter dem Titel „Fünfzig Jahre in beiden Hemisphären, Reminiscenzen eines ehemaligen Kaufmanns“, 2 Bände. 1853, 2. Auflage 1854. – Hochbejahrt und lebensmüde starb er zu Paris am 19. August 1856. – Nicht ohne bedauernde Theilnahme kann man das von stetem Mißgeschick begleitete Leben dieses thätigen Mannes verfolgen. Wie manche [765] wohlersonnene Pläne mußten ihm scheitern. Wie manche Handelskrisis hatte er erlebt und durchlitten, und jede derselben nach ihren Ursachen und Folgen beleuchtet; die Stellung und Aussichten des Welthandels hatte er als Sachkenner geprüft und darauf bezügliche Vorschläge erfolglos veröffentlicht. Für seine klugerdachten Projecte hatte er den günstigen Boden in so vielen Ländern vergebens gesucht. Fast überall war er gewesen, – freilich nicht in Kamerun und auf den Carolinen. Wäre seine Jugend in die heutige Aera gefallen, in der Deutschland in die Bahnen der Colonialpolitik einlenkt und über den „dunkelen Welttheil“ Schimmer des Lichts verbreitet, gewiß, der intelligente unternehmende N. würde als Oberpionier, Pfadfinder und Bahnbrecher dem Handel und der Politik Deutschlands die ersprießlichsten Dienste geleistet haben.

S. Hamb. Schriftsteller-Lexikon Bd. V S. 561.