ADB:Oberkampf, Christoph Philipp

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Oberkampf, Christoph Philipp“ von August Wintterlin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 94–95, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oberkampf,_Christoph_Philipp&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 18:04 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Oberhaeuser, Georg
Band 24 (1887), S. 94–95 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Christophe-Philippe Oberkampf in der Wikipedia
GND-Nummer 11901825X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|24|94|95|Oberkampf, Christoph Philipp|August Wintterlin|ADB:Oberkampf, Christoph Philipp}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11901825X}}    

Oberkampf: Christoph Philipp O., Fabrikant, geb. am 11. Juni 1738 in dem damals anspachischen, jetzt würtembergischen Dorfe Wiesenbach, Oberamts Gerabronn, † am 4. October 1815 zu Jouy bei Versailles, gehört zu den nicht wenigen Schwaben, welche ihrem Vaterlande auf fremdem Boden Ehre gemacht haben. Er stammte aus einer Färberfamilie von Vaihingen an der Enz, einem würtembergischen Landstädtchen. Schon seinen Vater, Philipp Jakob O., hatte sein strebsamer Sinn und erfinderischer Geist über die Grenzen seines engeren Vaterlandes hinausgezogen. Er errichtete, nachdem er mit seiner Familie wiederholt Aufenthalt und Geschäft gewechselt hatte, im J. 1755 eine Kattundruckerei in Aarau; später verlegte er dieselbe nach Othmarsingen bei Lenzburg, wo er mit einem Schwiegersohne, Namens Widmer, eine Geschäftsverbindung schloß. Der Sohn Christoph Philipp O. war sein Lehrling und Gehilfe, ging aber dann zu seiner weiteren Ausbildung ins Elsaß, wo die Kattunfabriken aufzublühen begannen, und von da nach Paris. Mit seinem jüngeren Bruder und Schüler Friedrich arbeitete er dort als Graveur in mehreren Kattundruckereien. Im J. 1759 veranlaßte er einen Franzosen, Namens Tavannes, in dessen Fabrik er beschäftigt war, eine kleine Kattunmanufactur in Jouy an der Bièvre zu errichten, welche er in der Folge mit einem vermöglicheren Theilhaber, Sarrazin-Demaraise, selbst übernahm. Er brachte die Firma Sarrazin-Demaraise, Oberkampf & Co. mit Unterstützung seines Bruders Friedrich und einiger schweizer Gehilfen unter fruchtbarem Geschäftsverkehr mit seinem Vater und Schwager in Othmarsingen bald zu großer Blüthe, obwol ihm, dem Fremden und Protestanten, der Geschäftsneid manche Hindernisse bereitete. Durch immer neue Erfindungen an Maschinen und Farben, welche er und seine Gehilfen theils selbst machten, theils auf Reisen nach dem Elsaß, der Schweiz und England sammelten, wußte er fortwährend die Erzeugnisse seiner Fabrik zu verbessern und ihren Absatzkreis zu erweitern. Seinen Arbeitern, für die er väterlich sorgte, gab er selbst das Beispiel eines unermüdlich thätigen, nüchternen und friedlichen Lebens. Ludwig XVI. [95] verlieh im J. 1783 seinem Anwesen den Titel einer Manufacture royale und erhob O. im J. 1787 in den Adelstand, indem er dabei sagte, er habe nie etwas Gerechteres gethan. Nach Ablauf seines Contractes mit Sarrazin-Demaraise übernahm O. das ganze Geschäft, für welches er besonders an seinen Neffen Widmer, seinem Schwiegersohn Feray und seinem Sohne Emil O. treffliche Gehilfen und später Theilhaber fand, auf eigene Rechnung. Seinem Bruder Friedrich hatte er schon im J. 1769 eine eigene Fabrik in Corbeil gekauit. Die Revolution legte seine Unternehmungen nicht lahm, zwang ihn aber zu schweren Opfern an patriotischen Spenden u. dgl. (von 1789–1794 nicht weniger als 166 795 Francs!). Dagegen brachte sie ihm auch mancherlei Ehren; er wurde im J. 1791 zum ersten Maire von Jouy erwählt und in demselben Jahre decretirte ihm der neu errichtete Generalrath des Departements Seine-et-Oise eine Statue auf dem Hauptplatz von Jouy, ein Beschluß, dessen Ausführung O. in kluger Bescheidenheit zu hintertreiben wußte. Während der Schreckenszeit gelang es ihm und seinen Verwandten, der Habgier der Jakobiner zu entgehen und die von Anfang an mit großer Humanität behandelten Arbeiter in Treue und Ergebenheit zu erhalten. Seine Fabrikanlage zu Jouy und eine andere, welche er zu Essonnes errichtet hatte – sie wurde später durch eine Baumwollspinnerei und Weberei erweitert – dehnten sich mehr und mehr aus und das Ansehen des Besitzers stieg immer höher. Im Mai 1800 wurde O. vom ersten Consul zum Mitglied des Generalrathes des Seine-et-Oise-Departements bestellt, nachdem er nur mit Mühe die Ernennung zum Senator von sich abgelenkt hatte. Napoleon mit seiner bekannten Vorliebe für self-made-men ehrte ihn als Kaiser im J. 1806 durch einen Besuch mit Josephine, wobei er ihm sein eigenes Officierskreuz der Ehrenlegion anheftete. Die Kaiserin ließ durch Isabey eine getuschte Zeichnung dieses Besuches anfertigen, auf welcher neben dem kaiserlichen Gefolge O. mit seiner ganzen Familie und seinen hervorragenden Gehilfen und Arbeitern dargestellt ist; dieselbe befindet sich jetzt in einem Saale des Versailler Schlosses. Einen zweiten Besuch machte der Kaiser in Jouy mit Marie Louise im J. 1810. Da er zufällig O. nicht antraf, lud er ihn zu einem Frühstück nach St. Cloud ein, wobei er mit ihm ein Stunde lang eine für seine handelspolitischen Ansichten denkwürdige Unterredung pflog. Allein die fortwährenden Kriege waren Oberkampf’s Geschäften doch sehr nachtheilig und die beiden Invasionen des Jahres 1814 und 1815 brachten, wenn auch Jouy durch seinen Einfluß von Brand und Plünderung bei den Kämpfen um Paris verschont blieb, schweren Schaden. Die Aufregungen jener Tage beschleunigten das Lebensende des Greises. Durch eigene Heirathen – er war zweimal vermählt – und durch die seines Sohnes, seiner Töchter und Enkelinnen sah O. sein Haus mit den angesehensten Familien Frankreichs verbunden, aber auch seine schwäbischen Verwandten fanden bei ihm stets freundliche Aufnahme und reichliche Unterstützung. Seine Fabriken, von dem Sohne und den Verwandten noch eine Zeit lang fortgeführt, gingen 1821 durch Kauf in fremde Hand über. Im J. 1843 wurde die Fabrikation in Jouy aufgegeben und die Gebäude dem Verfall überliefert, aber noch lebt in der französischen Industrie das Gedächtniß des „Patriarchen von Jouy“.

Vgl. A. Labouchère, Oberkampf. Paris 1866, mit dem dort in Note H gegebenen Nachweis weiterer Litteratur u. P. Hochstetter, Chr. Ph. Oberkampf, Fabrikant zu Jouy. Vaihingen 1859.