ADB:Odilo

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Artikel „Oatilo“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 83–84, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Odilo&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 00:25 Uhr UTC)
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Oatilo: (so die urkundliche, dialektische Form, wobei oa wahrscheinlich als ein Laut zu sprechen, wie er in der heutigen Mundart erhalten ist), Baiernherzog aus dem Hause der Agilolfinger, vielleicht ein Sohn Herzog Tassilo’s II., regierte c. 737–743 und 744–748. Nach dem Tode des Herzogs Hugbert erhob ihn Karl Martell auf den Herzogsstuhl des 10–12 Jahre vorher neuerdings von den Franken unterworfenen Landes. Dieser Ursprung seiner Gewalt hinderte indeß O. nicht, die fränkische Oberhoheit bald abzuschütteln, so daß Karl Martell bei der Reichstheilung von 741 über Baiern nicht verfügen konnte. Nach Karl Martell’s Tode floh dessen Tochter Hiltrud auf Anstiften ihrer Mutter Swanahilt, die einen Aufstand erregte, zu O., der sie gegen den Willen ihrer Brüder, der Hausmaier Pippin und Karlmann, zur Ehe nahm und alle Feinde des fränkischen Reichs, den Alemannenfürsten Theodebald, die Aquitanier und Sachsen, ja selbst Slaven zu einem mächtigen Bündnisse gegen die Franken vereinigte. Am Lech, durch den Fluß geschieden, standen sich 743 das fränkische und das bairische Heer kampfbereit gegenüber. Vergebens knüpfte ein päpstlicher Legat, Namens Sergius, auf Oatilo’s Wunsch im fränkischen Lager Friedensunterhandlungen an, vergebens gebot er Pippin unter Berufung auf den Willen des Papstes, die Baiern in Ruhe zu lassen. Pippin setzte bei Nacht über den Lech, warf seine getheilten Truppen den überraschten Baiern in Flanke und Rücken und erfocht einen vollständigen Sieg. O. entkam aus der Schlacht, floh mit geringem Gefolge bis an den Inn zurück, gerieth aber bald doch in die Gefangenschaft der Sieger und ward nach Frankreich abgeführt. Schon im folgenden Jahre gaben ihm seine Schwäger Pippin und Karlmann das Herzogthum zurück, wahrscheinlich aber ward damals, damit eine neue Auflehnung um so leichter bewältigt werden könnte, ein kleines Gebiet, der westliche Theil der bairischen Striche nördlich der Donau, vom Herzogthum getrennt und mit Ostfranken vereinigt. Unter diesem Herzoge und durch ihn hat der Ausbau der kirchlichen Macht in Baiern gewaltige Fortschritte gemacht. Auf seinen Wunsch kam Bonifaz ins Land und mit seiner und der bairischen Großen Zustimmung erfolgte die Eintheilung der bairischen Kirche in vier bischöfliche Sprengel. Eine Reihe stattlicher Klöster verdankten O. ihr Dasein: Niedernburg in Passau, (Nieder-)Altaich, Mönchsmünster, Osterhofen, Mondsee. Auch bei der Stiftung des Klosters in Eichstätt durch Willibald erscheint er betheiligt und außerhalb [84] Baierns, im Schwarzwälder Kinzigthale, wird die Stiftung des Klosters Gengenbach auf ihn zurückgeführt. Oatilo’s Tod muß zwischen 23. Juli und 13. December 748 angesetzt werden. Die Ruhestätte scheinen er und seine Gemahlin im Kloster Osterhofen gefunden zu haben, wo zu Aventins Zeit noch ihre Grabmäler standen.

Breysig und Hahn, Jahrbücher d. fränk. Reichs. – Büdinger, Osterreich. Gesch. I. – Riezler, Geschichte Baierns, I.