ADB:Oels, Karl B. Ludwig

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Artikel „Oels, Karl B. Ludwig“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 319–320, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oels,_Karl_B._Ludwig&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 08:34 Uhr UTC)
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Oels: Karl B. Ludwig Oe., Schauspieler, war am 3. October 1771 zu Berlin geboren. Anfangs für ein Handwerk bestimmt, ruhte Oe. nicht eher, bis es ihm gelang zur Bühne überzugehen. Auf dem Berliner Liebhabertheater Urania zeigte er zuerst sein Schauspielertalent. Iffland gewährte ihm freien Eintritt ins königliche Theater. 1801 ward er am Bamberger Theater engagirt, wo er zuletzt unter Graf Soden thätig war. Er kam 1808 nach Weimar, wo er am 14. Februar als van der Husen in „Armuth und Edelsinn“ debütirte. Er mußte sich zunächst mit den Rollen eines zweiten Liebhabers begnügen, schwang sich aber bald zu dem Fache der jugendlichen Helden und ersten Liebhaber im Schau- und Lustspiele auf, so daß er ganz in das Rollenfach des berühmten Voß eintreten konnte. Goethe, zu dessen speciellen Schülern Oe. gehörte, ließ sich seine Ausbildung sehr angelegen sein, und Oe. wußte durch unermüdlichen Fleiß und ein bis au daß Ende seines Lebens fortgesetztes Studium densMangel einer gelehrten Vorbildung reichlich zu ersetzen. Goethe rühmte daher Eckermatm gegenüber, daß Oe. hinreichend höhere Bildung habe, um der besten Gesellschaft Ehre zu machen. Schiller hebt gelegentlich sein gut Gedächtniß und seinen Fleiß im Lernen hervor. Die äußere Erscheinung begünstigte Oe. in hohem Grade. Sein männlich schöner Körper, sein prachtvoller Lockenkopf und sein lebendiges Auge nahmen die Zuschauer von vornherein für ihn ein. Am meisten wirkte aber sein herrliches Organ, welches für die in Weimar hauptsächlich betonte Kunst des Declamirens wie geschaffen war. Freilich traten auch gerade bei ihm die Nachtheile dieser Manier besonders hervor, zumal wenn er außerhalb Weimars auf einer realistischen Grundsätzen huldigenden Bühne als Gast auftrat. Als Genast der Aeltere im J. 1817 das Amt des Regisseurs niederlegte, trat Oe. zunächst interimistisch an seine Stelle. Sein Rollenfach war ein ungewöhnlich ausgebreitetes: als Mortimer, Arnold v. Melchthal, Orest, Sigismund (in Calderon’s „Das Leben ein Traum“), Max („Wallenstein“), Karl Moor, Egmont, Clavigo, Karl VII. („Jungfrau von Orleans“) leistete er nach dem Urtheile der Zeitgenossen Vorzügliches. Aber auch seine Lustspielcharaktere wurden von ihnen hochgeschätzt. In späteren Jahren spielte er Heldenväter. Seine letzte große Rolle war die des Kaisers in Raupach’s Trauerspiel „Friedrichs Tod“. Oe. stand diesem Dichter, der bei seinen Besuchen in Weimar bei ihm zu wohnen pflegte, besonders nahe. – Als Pius Alexander Wolff am 31. August 1828 bestattet wurde, widmete Oe. dem früheren Collegen am Grabe einen ehrenvollen Nachruf, mit dem ihn nicht nur das gleiche ideale Streben, sondern auch die Zugehörigkeit zu dem Freimaurerorden verbunden hatte. Fünf Jahre später, am 7. December 1833, schied Oe. selbst aus dem Leben als einer der letzten Genossen aus Goethe’s Weimarer Schauspielerschule. Sein Porträt zeichnete sein College Lortzing aus Stein und in ganzer Figur als Muley (im „Standhaften Prinzen“) stach ihn Schwerdgeburth in Kupfer.

N. Nekrolog d. D. XI. Jahrg. 1833. Thl. 2. S. 796–799. – W. G. Gotthardi, Weimarische Theaterbilder aus Goethe’s Zeit. Jena 1865, Bd. II, S. 52–56. – E. Genast, Aus dem Tagebuch e. alten Schauspielers. Leipzig 1862–1865, Thl. I, S. 163, 167, 178, 182, 192, 216, 283, 301 ff.; [320] Thl. III, S. 46, 53. – Max Martersteig, Pius Alexander Wolff. Leipzig 1879, (vgl. das Register). – Ernst Pasqué, Goethe’s Theaterleitung in Weimar. Leipzig 1868, Bd. II, S. 227, 306. – K. Herloßsohn, H. Marggraff u. a., Allgem. Theaterlexikon. Neue Ausgabe. Altenburg und Leipzig 1846, Bd. VI, S. 18. – Devrient, Geschichte der deutschen Schauspielkunst. Leipzig 1848, Bd. III, S. 377. – Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller. 4. Aufl. Stuttgart 1881, Nr. 975, 979, 980, 982. – Joh. Peter Eckermann, Gespräche mit Goethe. 3. Aufl. Leipzig 1868, Bd. III, S. 47.