ADB:Orley, Barend van

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Artikel „Orley, Barend van“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 422–423, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Orley,_Barend_van&oldid=- (Version vom 24. Juli 2019, 07:28 Uhr UTC)
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Orley: Barend van O., Maler von Brüssel, deshalb auch Barend van Brüssel genannt, geb. daselbst um 1490, † ebenda am 6. Jan. 1541. Die erste Anleitung in der Kunst wird er von seinem Vater Valentin empfangen haben. In jener Zeit lebte in der vlämischen Künstlerschaft ein mächtiger Drang, die italienische Kunst zu studieren und Alles fühlte sich unwiderstehlich nach Italien hingezogen. Auch O. folgte diesem Zuge; das Jahr seiner Abreise ist nicht bekannt. Als Künstler von bedeutendem Talent hat er sich bereits vor seiner italienischen Reise in seinem Vaterlande bewährt, es ist darum die Abreise nicht in dessen frühe Jugend zu verlegen. In Rom hatte Rafael insbesondere seine Bewunderung erworben. Da dieser aber 1508 von Papst Julius II. nach Rom berufen wurde, so dürfte die Ankunft Orley’s in Rom bald nach diesem Datum anzunehmen sein. O. wurde auch Raphael’s Schüler. [423] Vor seiner italienischen Reise hat er verschiedene Compositionen für Glasmalereien geliefert, und es ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß er selbst auch sich mit dieser Kunsttechnik befaßt habe. Werke, die zur Zeit seines römischen Aufenthaltes entstanden sind, mit Sicherheit anzuführen, ist unmöglich, wenn schriftliche Documente und selbst Datirungen auf Bildern fehlen. Man verlegt in diese Zeit das Bild des Städel’schen Instituts in Frankfurt: Der Leichnam Christi betrauert, ferner das Bild der Boisserée’schen Sammlung: Der h. Norbert widerlegt die Ketzerei des Tauchelin. Dieses Altarbild, jedenfalls das Hauptwerk des Meisters befand sich ursprünglich in der Abtei St. Michael in Antwerpen und ist jetzt eine Zierde der Pinakothek in München. Als er noch in Rom weilte, sagten seine Kunstgefährten von ihm, er schöpfe seine Figuren mit vollen Löffeln aus den Farbentöpfen heraus. Man nannte ihn darum in seinem Vaterlande scherzend: Potlepel (Topflöffel). Daß er sich nach seiner Rückkehr 1518 eines bedeutenden Rufes erfreute, ersieht man daraus, daß ihn Kaiser Karl V. zu seinem Hofmaler ernannte. Einige Jagdstücke desselben ließ der Kaiser in Brüssel als Tapeten weben. Auch für viele Glasgemälde mußte der Künstler Entwürfe und Cartons verfertigen. Der Kaiser empfahl den Künstler seiner Tante, der Erzherzogin Margarethe von Oesterreich, welche Regentin in den Niederlanden war; von dieser wurde er 1518 zu ihrem Hofmaler ernannt und für diese malte er verschiedene Heiligendarstellungen, die an Kirchen verschenkt wurden oder Bildnisse der Fürstin, die sie ebenfalls an fürstliche Höfe verschenkte. Aus dieser Stellung brachte ihn ein eigenthümlicher Proceß; er wurde mit seiner ganzen Verwandtschaft angeklagt, daß er sich zum Protestantismus bekenne. Obgleich O. in der Gudulakirche seinen orthodoxen Glauben offen bekannte, wurde er doch aus dem Dienste der Erzherzogin entlassen, indessen nach ihrem Tode 1530 von ihrer Nachfolgerin Maria von Oesterreich als Hofmaler in ihre Dienste aufgenommen. O. blieb mit Rafael in einem freundschaftlichen Verkehr; Letzterer beauftragte ihn auch in Brüssel die Herstellung der Tapeten nach Rafaels Entwürfen zu überwachen. Als Dürer 1520–1521 seine Reise nach den Niederlanden unternahm, kam er auch mit O. zusammen, der dem deutschen Meister zu Ehren ein großes Gastmahl zurichtete („ich glaube nicht, daß es mit 10 Gulden hergestellt sei“ bemerkt Dürer in seinem Tagebuche). Dürer portraitirte auch seinen Gastgeber mit der Kohle. Die Gemälde unseres Meisters sind in den Sammlungen verstreut, viele auch verschollen. In der St. Jacobskirche in Antwerpen befindet sich ein großes Flügelbild mit dem jüngsten Gerichte im Auftrage des Bürgermeisters Rockocx gemalt, mit den Bildnissen dieser Familie auf den Flügeln, im Museum zu Brüssel ein Bild, das in fünf Abtheilungen die Schicksale des Hiob darstellt und im Auftrage der Erzherzogin 1521 gemalt wurde. In Mecheln sieht man die Madonna mit dem Kinde, welche der h. Lucas malt. Im Beguinenkloster von Brüssel befindet sich ein Tod der Maria und ein Bild mit demselben Gegenstand im Kloster Sept-Douleurs de Notre-Dame in Brügge und in der Salvatorkirche ebenda eine Kreuztragung und eine Magdalena zu den Füßen Jesu. Außerhalb seines Vaterlandes kommen seine Bilder selten vor; in der Nationalgallerie zu London ist eine Maria Magdalena, im Berliner Museum eine Venus mit Amor, beide schlafend, in Lübeck eine Dreifaltigkeit, in Wien die Ruhe der h. Familie und Antiochus Epiphanes. O. verließ die Malweise seiner Vorgänger, indem er die Ausführung der Details aufgab und sich eine flinke Manier aneignete. Im Ausdruck, in der Gruppirung und Farbe beweist er, daß er nicht vergebens in Rom gewesen ist.

s. Immerzeel. Kramm. Michiels.